Warum Männer nie putzen und Frauen schlecht schrauben
Tösswegs
Eine Frau saugt entspannt lächelnd einen Teppich. Eine Frau poliert freudig eine Fensterscheibe. Eine Frau testet mit zufriedenem Gesichtsausdruck die neusten Küchenputzhelfer. Fällt Ihnen etwas auf? Genau. «Eine Frau …» Und zwar eine, die das Bild der motivierten Hausfrau vermittelt.
Die Szenen stammen nicht etwa aus einem 60-jährigen TV-Werbespot. Sondern aus einem brandneuen Haushaltsprospekt. So einem, wie er immer mal wieder – am «Keine Werbung»-Aufkleber vorbei – in den Briefkasten flattert.
Zufrieden lächelnde Männer findet man in dem Prospekt auch – nur nicht unter Haushalt oder Küche. Beim Durchblättern tauchen sie dann auf, wenn es um Autozubehör, Gartengerätschaften oder Werkzeug geht. Der klassische Heimwerker und damit das perfekte Pendant zur Hausfrau.
Das Problem dabei ist: Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der wir gleichberechtigt unterwegs sind – zumindest behaupten wir das gerne. Dass die Gleichberechtigung noch nicht so weit gediehen ist, zeigt die Realität immer wieder.
Ein scheinbar harmloser Prospekt ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Oder ist er gar des Pudels Kern? Immerhin zeigt er eindrücklich, dass sich Rollenbilder und Geschlechterstereotypen, die wir gerne als antiquiert abtun, hartnäckig halten.
Dass uns in der Werbung eine putzende Frau begegnet, ist für uns ein derart gewohntes Bild, dass wir es gar nicht hinterfragen. Als ob es 2025 das Normalste auf der Welt wäre, dass die Frau den Haushalt schmeisst und der Mann das Geld verdient.
Und dann lächelt die putzende Frau auch noch! Sie suggeriert, dass ihr als Frau das Putzen Spass macht. Sind wir mal ganz ehrlich: Das tut es nicht. Putzen ist unabhängig vom Geschlecht ein notwendiges Übel.
Trotzdem sorgt die Werbeindustrie dafür, dass die Stereotypen weiter zementiert werden – und das ganz unauffällig in unserem Unterbewusstsein. Frau fühlt sich verantwortlich, wenn es um Sauberkeit geht. Gleichzeitig weiss Mann, dass er ranmuss, wenn irgendwo im Haus eine Schraube locker ist, der Rasen gemäht werden sollte oder das Auto einen Radwechsel braucht.
Individuelle Fähigkeiten kehren die Werbemacher einfach unter den Teppich, ein Umdenken findet nicht statt. Das braucht es aber. Hier sollten Politik und Gesellschaft die Branche stärker in die Pflicht nehmen. In allen anderen Bereichen halten sie schliesslich auch den Finger drauf. Stichwort Quotendiskussion. Ist es einfach? Nein. Ist es richtig? Ja. Es braucht mehr putzende Männer und schraubende Frauen in der Werbung.
Oder noch besser: einfach nur das Produkt. Ohne Menschen. Und ohne toxische Rollenverständnisse. Erst dann, wenn diese verschwinden, ist die Gleichberechtigung wirklich umsetzbar.

