Ein neues Zeitalter der Könige
Tösswegs
Einmal König sein – für den durchschnittlich machthungrigen Normalbürger genügt es völlig, dass er einmal im Jahr am Dreikönigstag die Chance dazu hat.
Die aktuelle weltpolitische Lage zeigt uns, dass das leider nicht allen reicht. Wir steuern, so scheint es, auf ein neues Zeitalter der Könige zu. Ein Blick über unsere Landesgrenzen oder den Atlantik reicht, um festzustellen: Das Streben nach der grösstmöglichen Macht ist zurück auf der Agenda, autoritäre Kräfte sind auf dem Vormarsch.
Geleitet werden die Machtlüsternen nicht etwa von einem Stern, der sie zur Wiege des Heilands führen soll. Sondern vielmehr von ihrem eigenen Egoismus, der Sehnsucht nach noch mehr Einfluss und noch weniger Hürden für ihre milliardenschweren Unternehmen. Und anstelle von wertvollen Gaben haben sie vermeintlich einfache Lösungen auf komplexe Probleme im Gepäck.
Das alles ist leider vielmehr «Sonnenkönig» als «Heilige Drei Könige». Obwohl, vielleicht lassen sich Trump, Musk und Co. als Nächstes heiligsprechen? Die Absurdität scheint jedenfalls schon lange keine Grenzen mehr zu kennen.
Ausgehend von dem, was wir schon wissen, wird 2025 ein herausforderndes Jahr– und das sage ich als Optimist. Doch bevor Sie jetzt hässig den Tab schliessen und das Jahr abschreiben, noch bevor es so richtig beginnen konnte, möchte ich Ihnen Hoffnung machen.
Denn – und das weiss ich, seit ich das Buch «Factfulness» des schwedischen Statistikers Hans Rosling gelesen habe – wir neigen dazu, die Dinge düsterer zu sehen, als sie eigentlich sind. Rosling hat mit seinem Buch eine Art Standardwerk für Optimisten geschaffen.
So zeigt er etwa auf, dass es sich gerade in Entwicklungsländern seit einigen Jahrzehnten drastisch besser lebt, als wir annehmen. So ist etwa die Kindersterblichkeit auf einem Allzeittief, die Lebenserwartung nimmt zu, und mehr Menschen denn je geniessen einen Zugang zu Bildung.
Falls das zur Zuversicht nicht reicht: Lokale Verankerung, das Bewährte, das gibt uns Kraft. Wenn schon nicht auf der Welt, so hält 2025 fürs Tösstal bestimmt Positives bereit. Obwohl ich mir auch hier etwas mehr Einheit statt Gärtlidenken wünschte.
Und denen, die sich als grosse Retter inszenieren und sich zum Königsein berufen fühlen, ihnen wünsche ich, dass sie schnell von der Realität eingeholt werden.
