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Die fehlende Kommunikation machte mich betroffen

Welche Geschichten haben die Redaktion in diesem Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: das Trinkwasserdebakel in Uster.

Hamsterkäufe und leere Regale waren die Folge des verschmutzten Trinkwassers in Uster.

Foto: Jan Gubser, Grafik: Jasmin Oberle

Die fehlende Kommunikation machte mich betroffen

Persönlicher Jahresrückblick

Welche Geschichten haben die Redaktion in diesem Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: das Trinkwasserdebakel in Uster.

Das Jahr 2024 nähert sich dem Ende. Grund genug für diese Redaktion, auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurückzublicken. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren den ganzen Dezember lang von ihren High- und Lowlights. (zo)

An diesem Donnerstagabend Anfang August bekamen ich und mein Partner eine private Nachricht: Das Ustermer Trinkwasser sei bakteriologisch verschmutzt. Die Stadt Uster empfehle, kein Leitungswasser zu trinken – oder es abzukochen. Ich lag ohnehin schon mit einer Sommergrippe im Bett. War das der Grund? Ich hatte Tee ohne Ende getrunken. Doch Durchfall hatte ich keinen. Von Darmbakterien war zu dem Zeitpunkt aber auch noch nicht die Rede.

Handelte es sich etwa um Fake News? Schnell durchforstete ich die Website der Energie Uster AG und fand nur wenig Information. Auch auf der Website der Stadt Uster wurde noch nicht beschrieben, welche Quartiere von Uster betroffen waren.

Also rannte ich zu den Nachbarn, die auf der Terrasse angeheitert beim Wein sassen und meinten, der edle Tropfen sei doch eh gesünder als Wasser. Sie gaben Entwarnung: Oberuster werde nicht von dem betroffenen Pumpwerk gespeist. Die Quelle des Übels befinde sich in Niederuster.

Meine Gedanken kreisten. Eine Freundin wohnt mit ihrer jungen Familie in Niederuster. Was, wenn ihr Kleinkind vom Wasser getrunken hat?

Ich schrieb eine Nachricht in unseren Redaktions-Chat. Meine Kollegen waren schon informiert. Meine «Redaktionsgspänli» Mel Giese Pérez und Jan Gubser hauten am nächsten Tag bis spätabends in die Tasten. Ihre Artikel erzählten von der mangelnden Information, leeren Regalen und betroffenen Menschen.

«Mir ging die Geschichte eines älteren Herrn sehr nahe. Er wurde von der Energie Uster und der Stadt mit seinen Fragen einfach abgeblockt», sagte Jan Gubser dazu.

Ehrlich gesagt wurmte es mich, dass ich an diesem Tag nicht arbeitete. Das Thema machte mich als Ustermerin betroffen und wütend. Wasser ist elementar.

Es war klar, dass die Stadt Uster Stellung beziehen musste. Ich konnte das Thema nach dem Wochenende weiterverfolgen. Es gab viele offene Fragen: Warum hat die Stadt ihre Bevölkerung nicht über Alert Swiss informiert? Was ist die Ursache für die Verschmutzung? Waren etwa alle im Urlaub?

Ich kommunizierte mit Stefan Feldmann (SP), der mir in seiner Doppelfunktion als Verwaltungsrat der Energie Uster AG und als Stadtrat Auskunft gab. Er entschuldigte sich für die fehlende Kommunikation und versprach, es würden weitere Abklärungen getroffen.

In der Woche rollten wir weitere Details zu dem Thema auf: Mein Kollege Lennart Langer sprach mit Restaurantbesitzern, die mit dem verschmutzten Wasser kochten, weil sie zu spät über die Verunreinigung informiert worden waren.

Zwei Wochen darauf nahm ich mich der Messwerte an, die weitere Einblicke gaben: Es stellte sich heraus, dass geringe Mengen an Escherichia-coli-Bakterien schon Ende Juli im Ustermer Trinkwasser gefunden worden waren. Ich war ziemlich erschüttert.

Wie es weiterging? Im Oktober liess die Energie Uster AG Färbeversuche am See neben der Badi durchführen, um der Trinkwasserverunreinigung auf den Grund zu gehen. Dazu gehörte auch eine genaue Prüfung der Abwasserleitungen im Bereich des Grundwasserpumpwerks beim Strandbad, da man hier die Quelle der Verunreinigung vermutete.

Als ich Stefan Feldmann an der letzten Parlamentssitzung im Dezember darauf ansprach, ob man denn nun wisse, woher die Verschmutzung herrühre, sagte er nur, der Fall sei noch nicht ganz geklärt. Er könne noch keine genauere Auskunft geben.

Fakt ist, die WC-Anlage im Strandbad Uster – in der jetzigen Sauna am See – ist noch immer ein Provisorium. Ob diese Toilette der Übeltäter war? Ich hoffe, wir werden es bald wissen.

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