In diesem Interview kämpfte ich mit den Tränen
Persönlicher Jahresrückblick
Welche Geschichten haben die Redaktion in diesem Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: der Brand in Pfäffikon.
Das Jahr 2024 nähert sich dem Ende. Grund genug für diese Redaktion, auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurückzublicken. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren den ganzen Dezember lang von ihren High- und Lowlights. (zo)
Als ich an diesem Donnerstagmorgen meinen Arbeitsplatz im Büro einrichte, ahne ich noch nicht, wie stark mich heute ein Interview berühren wird.
In der Nacht auf jenen Donnerstag bricht in einer Wohnung an der Hittnauerstrasse in Pfäffikon ein Feuer aus. Ein 14-jähriges Mädchen, ein 11-jähriger Junge, die Mutter und dessen Freund erleiden dabei lebensgefährliche Brandverletzungen.
Weil ich an diesem Tag Reporter-Dienst habe, rücke ich gleich an den Unglücksort aus, um mehr über den tragischen Vorfall zu erfahren. Auf der Hinfahrt macht sich in mir eine Nervosität breit. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein aufregendes Kribbeln, wie man es vielleicht von einem Journalisten erwarten würde. Viel eher spüre ich, wie sich mein Herzschlag intensiviert, in den Fingern fühle ich zeitweise das Pulsieren der Blutbahnen. Im Auto atme ich ein paarmal tief ein und aus, um den hohen Puls zu kontrollieren.
Erste Eindrücke vor Ort
Vor Ort verschaffe ich mir dann einen ersten Überblick: eine stark verkohlte Wohnung im obersten Stock eines Wohnhauses, am Boden liegen noch Teile der Isolation und der Fassade. Auf der Rückseite arbeiten mehrere Brandermittler der Kantonspolizei und des Forensischen Instituts. Nebenan sind mehrere Matratzen an einer Hecke angelehnt.
Ich versuche, auf jedes noch so kleine Detail zu achten und alles auf meinem A4-grossen Block festzuhalten. Wo genau liegen die Matratzen? Wo sind die Brandspuren genau sichtbar? Wie viele Briefkästen hängen vor dem Gebäude? Jedes Detail, das im Moment unscheinbar wirkt, kann sich später als wichtig erweisen.
Sind die sichtbaren Dinge erst mal festgehalten, beginnt der schwierige Teil der Arbeit. Ich versuche, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, um mehr über das tragische Ereignis der vergangenen Nacht zu erfahren. In Momenten wie diesem bedingt es viel Feingefühl.
Ich treffe auf Verwandte der Verletzten, betroffene Anwohner und Schaulustige. Und nicht immer ist die Anwesenheit eines Journalisten nach Ereignissen wie einem lebensgefährlichen Brand erwünscht. In Pfäffikon jedoch lerne ich an diesem Donnerstag viele offene und liebevolle Menschen kennen.
Mir fehlen die Worte
Im Wohnblock neben dem in Brand geratenen Gebäude öffnet mir eine Frau die Tür. Sie ist emotional mitgenommen von der Vornacht.
Mit leiser Stimme erzählt sie, wie sie die Hilfeschreie der zwei Jugendlichen zwischen den Flammen aus dem Schlaf rissen. Sie öffnete das leicht gekippte Fenster und sah die Menschen aus dem Gebäude laufen. Die Nachbarn forderten die Frau auf, ihre Matratze aus dem Fenster zu werfen. Die Matratzen stapelten die Helfer unter der brennenden Wohnung aufeinander. Denn das 14-jährige Mädchen sass bereits mit den Händen festgeklammert auf dem Fenstersims, hinter ihm stand noch der Freund der Mutter.
Langsam kullern der Nachbarin die ersten Tränen über die Wangen. Sie kennt die Familie und hat Mühe, die tragischen Bilder und die Hilfeschreie, die in Mark und Bein gingen, zu verarbeiten. Dennoch schildert sie, was sie gehört und gesehen hat, wie sie sich zurzeit fühlt.
Für einen Moment habe ich einen Kloss im Hals, spüre, wie auch meine Augen feucht werden. Ich versuche, der Frau die nötige Zeit zu geben und gut zuzuhören. Ich brauche selbst einen Moment – schlucke kurz, atme langsam ein, bevor ich wieder Worte finde.
Die Nachbarin hat mich emotional tief berührt, indem sie mit mir ihre ungeschönten Eindrücke und ihre Gefühle teilte. Selten erlebe ich solch ehrliche und berührende Momente wie diesen.
