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Die letzte Nachtschicht: Ein Besuch in der sterbenden Druckerei

Welche Geschichten haben diese Redaktion im letzten Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: Die Zeitungsdruckerei Bubenberg.

Die Redaktorin teilt ihre Eindrücke der Druckerei.

Grafik: Jasmin Oberle

Die letzte Nachtschicht: Ein Besuch in der sterbenden Druckerei

Persönlicher Jahresrückblick

Welche Geschichten haben diese Redaktion im letzten Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: Ein letzter Blick in die Zeitungsdruckerei.

Das Jahr 2024 nähert sich dem Ende. Grund genug für diese Redaktion, auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurückzublicken. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren den ganzen Dezember lang von ihren High- und Lowlights. (zo)

Mitten in der Nacht radelte ich im Sommer zur Druckerei Bubenberg in Zürich. Dort werden der «Zürcher Oberländer», der «Anzeiger von Uster», die «Regios» und der «Glattaler» gedruckt.

Im Rahmen der Serie «Hinter den Schlagzeilen» durfte ich mir den Betrieb anschauen. Und damit etwas tun, was ich schon immer mal machen wollte: eine Zeitungsdruckerei besuchen.

Denn wenn ich an eine Zeitung denke, dann denke ich an raschelndes Papier, an Grautöne, geschwärzte Finger und eben an eine Druckerei. Die Gelegenheit, mal hinter die Kulissen zu schauen, konnte ich mir daher auf keinen Fall entgehen lassen.

Für mich ist der Bubenberg sozusagen die Geburtsstätte unserer Produkte – ohne dabei die Arbeit der Redaktion in den Schatten stellen zu wollen.

Eine Zeitung ist in meinem scheinbar veralteten Denken nun mal das gefaltete Bündel im Briefkasten, die Ausgabe, die den Kiosk mit ihren Schlagzeilen ziert. Und die Genugtuung im Zug, wenn man sich durch eine durchblättert, statt wie ein Zombie auf den Bildschirm zu starren. Das Blatt haucht unseren stundenlangen Recherchen Leben ein.

Ich betrat den lebendigen Bubenberg-Betrieb so naiv, wie ich mich selten gefühlt hatte. Die Arbeitsbedingungen hatte ich völlig unterschätzt: Es war laut, es war hektisch – aufgrund des gleichzeitigen Betriebs zahlreicher Maschinen – und für einen Laien selbstverständlich kompliziert.

Dass mir der ganze Prozess rückwärts erklärt wurde, half dabei nicht. Aber zu diesem Zeitpunkt machte es wirklich Sinn. Obwohl ich etwas auf dem Schlauch stand und ich mein Diktiergerät wegen des Lärmpegels eigentlich gleich wieder versorgen konnte, gefiel mir der Ort extrem.

Die Mitarbeitenden imponierten mir. Ich nahm sie alle als sehr ruhig und gelassen wahr. Sie widerspiegelten sozusagen das Gegenteil des maschinellen Teils. Ich sprach vor Ort mit einem Teamleiter. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen überwacht und justiert er täglich die Druckmaschinen.

Er schilderte mir, wie persönlich diese Arbeit doch sei, weil jede Person ihr eigenes Gespür für die Farbe und ihre Sättigung habe. Diese individuellen Eigenschaften wissen sie zu nutzen. So hat jede Zeitung sozusagen ihre persönlichen Bezugspersonen.

Ich hatte ziemlich viel Vertrauen in den Betrieb und auch dessen Relevanz. Man muss aber keine besonders gute Zuhörerin sein, um zu wissen, dass die Medienlandschaft leidet. Sie steht unter dem Druck der rasant wandelnden Gesellschaft: Alles muss schneller gehen, alles muss digital sein, und alles muss günstig sein. Und wehe, man liefert unter diesen Bedingungen keinen qualitativ hochstehenden Journalismus!

Den Teamleiter fragte ich deswegen, wie es denn um die Zukunftsperspektiven des Betriebs stehe: Würde er sich nicht Sorgen machen, dass physische Zeitungen irgendwann eingestellt werden? Seine Antwort leuchtete mir ein: «Eine physische Zeitung ist ein Qualitätssiegel der einzelnen Journalistinnen und Journalisten.»

Die Zeitung kann man nämlich nicht verändern. Bei Fehlern muss man ein Korrigendum publizieren und den Fehler richtigstellen. Digital hingegen können Artikel laufend angepasst werden. Für mich hatte er absolut recht, und ich verliess die Druckerei mit einem Lächeln. Wird schon alles gut gehen, dachte ich mir.

Nicht mal 30 Tage später kündigte Tamedia ihren massiven Stellenabbau an. Mit dabei: das Druckzentrum Bubenberg. Es wird Ende 2026 eingestellt, und auch die Zürcher Oberland Medien müssen sich eine neue Druckerei suchen. Ich war fassungslos. Aber Qualität definiert wohl jeder anders.

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