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Der Kampf ums Überleben in Bäretswil

Welche Geschichten haben diese Redaktion im letzten Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: Die ungewisse Zukunft der Skilifte in der Region.

Nur dank viel Idealismus und ehrenamtlichem Engagement lassen sich die kleinen Skigebiete in der Region betreiben: Skilift Ghöch in Bäretswil.

Bildkombo: Jasmin Oberli.

Der Kampf ums Überleben in Bäretswil

Persönlicher Jahresrückblick

Welche Geschichten haben die Redaktion in diesem Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: die ungewisse Zukunft der Skilifte in der Region.

Das Jahr 2024 nähert sich dem Ende. Grund genug für diese Redaktion, auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurückzublicken. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren den ganzen Dezember lang von ihren High- und Lowlights. (zo)

Ein milder Freitagmorgen im April. Eigentlich hatte ich geplant, einen grösseren Rückblick über die Wintersaison 2023/2024 der regionalen Bergbahnen und Skilifte zu schreiben.

Ich weiss, was Sie jetzt denken: Was will der darüber schreiben? Dass es im letzten Winter – abgesehen von ein paar Tagen vor Weihnachten – nie Schnee im Oberland hatte, das wissen wir auch, ohne eine Zeitung zu abonnieren.

Sie haben recht, natürlich haben Sie recht. Aber des Menschen Geist ist nun mal nicht so unendlich wie das Internet oder die stets von Neuem zu befüllenden Seiten einer Zeitung. Und so schreibt man als Journalist halt auch immer mal wieder über Ski- und Badesaisons, über Immobilienpreise oder Jahresabschlüsse. Gehört zum Handwerk.

An diesem Freitagmorgen also war ich auf dem Weg zum Skilift Ghöch in Bäretswil, um ein paar aktuelle Bilder zu schiessen. Der oberste Mast hatte Rost angesetzt und musste zwecks Revision abgebaut werden. Aus Kostengründen hatte sich der Verein entschieden, selbst Hand anzulegen. Das versprach ein gutes Sujet.

Die Vereinsmitglieder Martin Willenegger und Matthias Keller unterstützten Stefan Halbheer von der SHS Seilbahnservice bei der Demontage des tonnenschweren Masts. Willenegger kletterte trotz seinen 70 Jahren behänd auf der acht Meter hohen Metallkonstruktion herum, Keller half am Boden mit. Er tat dies aus gutem Grund: Als Mitarbeiter des Tiefbauamts hatte er die vorangehende Nacht auf einer Baustelle in Riedikon verbracht und keine Sekunde geschlafen.

Klimawandel und Amtsschimmel

Rund drei Stunden verbrachte ich im Ghöch, fotografierte und unterhielt mich mit dem Trio. Über den ehrenamtlichen Einsatz, ohne den kein Skilift in der Region noch existieren könnte, über das Ringen mit einem Klima, das immer wärmer wird, aber auch über den Kampf mit behördlichen Vorgaben, die mir als Schreiberling unbekannt waren.

Ich erfuhr von einem neuen Reglement, das die kleinen Skilifte und nicht kommerziellen Seilbahnen in der Schweiz sicherer machen soll. Eine Liste mit rund 50 Massnahmen, die es zu beachten gilt. Kleinigkeiten, aber auch Massnahmen, die richtig ins Geld gehen. Geld, das nach einer Reihe von schneearmen Wintern in tiefen Lagen nicht vorhanden ist.

Als Folge schrumpfte der angedachte, wenig phantasievolle Saisonrückblick merklich – auf Kosten eines ausführlichen Artikels über die Sanierungsmassnahmen, die in den nächsten Jahren viele kleine Skigebiete in der Theorie sicherer machen, in der Realität aber in den finanziellen Abgrund führen werden.

Bleibt die Frage, wieso sich viele Freiwillige trotz allen Widrigkeiten für diese kleinen Skilifte einsetzen, mit 70 Jahren auf Masten klettern oder nach einer Nacht ohne Schlaf Rollenbatterien schleppen. Die Antwort kommt von Matthias Keller, dem technischen Leiter im Ghöch: «Wenn ich morgens um 8 Uhr die Skiliftanlage vorbereite, damit ich um 9 Uhr starten kann, und schon um Viertel vor 9 in strahlende Gesichter sehe, dann ist das einfach schön.» Das sei der Lohn für den riesigen Aufwand, Jahr für Jahr. Und für mich als Journalist durchaus der Grund, der Sache die Plattform zu bieten, die sie verdient.

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