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Wie ich (unfreiwillig) zum Experten der Spitäler im Oberland wurde

Welche Geschichten haben diese Redaktion im letzten Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: die kriselnden Spitäler in Uster und Wetzikon.

Die beiden Spitäler in Wetzikon und Uster beschäftigen vor allem Erik Hasselberg.

Foto: PD

Wie ich (unfreiwillig) zum Experten der Spitäler im Oberland wurde

Persönlicher Jahresrückblick

Welche Geschichten haben diese Redaktion im letzten Jahr bewegt? Wir gewähren Einblicke und blicken auf besondere Themen und Momente zurück. Heute: die kriselnden Spitäler in Uster und Wetzikon.

Das Jahr 2024 nähert sich dem Ende. Grund genug für diese Redaktion, auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurückzublicken. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren den ganzen Dezember lang von ihren High- und Lowlights. (zo)

In einer sich immer schneller drehenden Welt gibt es auch auf der Redaktion einer Lokalzeitung oft nur einen Puls: News, News, News. Was passiert in einer Gemeinde? Welche Abstimmung steht bevor? Welches Restaurant wurde neu eröffnet? Die Themenvielfalt und das Spektrum, über das wir berichten, sind breit: Politik, Gesellschaft, Gastronomie, Wirtschaft, Kultur oder auch Gesundheit. Es liegt auf der Hand, dass bei diesem Themenmix oder der Forderung nach Schnelligkeit auf Redaktionen vor allem ein Typ gefordert ist: der Allrounder. Eine Redaktorin oder ein Redaktor, die oder der alles kann, sich in allen Ressorts zurechtfindet und Geschichten mit Sorgfalt plant und entsprechender Tiefe umsetzt.

Bevor ich Lokaljournalist wurde, war meine Themenwelt der Sport. Gesundheit, Spitalwesen, in all seiner Komplexität? Damit kam ich erst auf dieser Redaktion in Verbindung. Eine Verbindung, die mich das ganze letzte Jahr begleitet und gefordert hat. Als Gemeindeverantwortlicher von Uster war ich es bereits, der als Erster über den Millionenverlust beim Spital Uster 2023 schrieb – und somit unfreiwillig zum Experten in Sachen Gesundheitsökonomie wurde. Es lag auf der Hand, den Prozess der Aktienkapitalerhöhung zu verfolgen und darüber zu berichten.

Dabei stellte sich mir die Herausforderung, ein wirtschaftlich komplexes Thema zuerst selbst zu verstehen, bevor ich es in einfachen Worten immer und immer wieder zusammenfassen und Artikel dazu schreiben konnte. Denn der Prozess zog sich hin, bis im Frühling dieses Jahrs. Wie funktioniert eine Aktienkapitalerhöhung? Was passiert, wenn an dieser oder jener Stellschraube gedreht wird? Was sind Ursachen, was sind Folgen? Und wie lässt sich das alles verständlich in Worte fassen?

Und dann, als eines der zwei Spitäler im Oberland gerettet war, da geriet mit dem GZO Spital Wetzikon das andere in Schieflage. Auch wenn in solchen Momenten auf Redaktionen die Frage gestellt wird, wer denn kann, wer Zeit und Kapazität hat, war auch hier bereits wieder früh klar: Erik machts.

Zum Experten oder Kenner eines Themas, eines Dossiers zu werden, ist manchmal Fluch und Segen zugleich. Es beflügelt, Akteure zu kennen, Analyse und Vergleiche ziehen zu können, das Gefühl zu haben, ein Thema wirklich zu durchdringen und zu verstehen. Aber auch Flügel können schwer und zur Last werden. Habe ich heute die Zeit, Kraft und auch Lust? Zudem müssen Themen auch umgesetzt werden können, wenn ich als Experte nicht anwesend bin.

Ich habe im letzten Jahr viel gelernt: über Obligationen, Anleihegläubiger, Aktionärsgemeinden, Nachlassstundung, Sachwalter, Spitaldirektoren, Verwaltungsratspräsidenten oder die mögliche Aufgabenteilung in einem Spitalverbund. Ich habe mit Politikern, CEOs und Kommunikationsberatern gesprochen, Interviews geführt, meine Meinung in Kommentaren nach aussen getragen. Manches davon war nicht immer einfach, verlief stressig oder beschäftigte mich. Aber wenn ich auf unsere Berichterstattung zum Spital Uster und GZO zurückblicke, empfinde ich sie als sachlich, kritisch, kompetent – und das wollen wir, will ich, Ihnen auch im nächsten Jahr wieder bieten, wenn sich die Frage stellt: Quo vadis Gesundheitsversorgung Zürcher Oberland?

Und auch dann wird es darum gehen, sich weder für noch gegen ein Spital auszusprechen. Sondern zu beobachten und hinzuschauen. Sowohl auf Missstände und Fehler als auch auf Good News, Errungenschaften, spezielle Leistungen und Erfolge. Das ist ein Spagat, den wir versuchen, bei jedem Thema, wie auch solch einem komplexen, jeden Tag aufs Neue zu gehen.

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