Warum der Trennungswunsch von Nänikon und Werrikon ungehört bleibt
Analyse zur Abstimmung in Uster
Nänikon und Werrikon wollten sich von Uster abspalten. Dass dieses Vorhaben nicht gelungen ist, hat seine Gründe. Vor allem in der Art, wie die Befürworter argumentierten.
Sie wollten weg, weg von Uster, hin zu Greifensee. Doch daraus wird nichts. Die Näniker und Werriker bleiben auch in Zukunft Ustermer. In einer Zeit, in der in unserem Land in immer grösseren politischen Räumen gedacht und Fusionen angestossen werden, wollten die Ustermer Aussenwachten eine Abspaltung forcieren. Gelebte Wirklichkeit, soziokulturelle Räume und die Diskussionen um eine Sekundarschule wurden von den Befürwortern für ihre «Herzenssache» ins Spiel gebracht. Dabei waren ihre Argumente vor allem eines: emotionaler Art.
Völlig rational argumentierten die Stadt und der Grossteil der Ustermer Politik: Verlust von Steuereinnahmen, Verlust von Land und Arbeitsplätzen, hohe Kosten für den Prozess. Rationalität versus Emotionalität, dieser Gegensatz dürfte den Ausschlag für die Bevölkerung gegeben haben, sich gegen die Abtrennung auszusprechen. Dass es den Befürwortern dabei nur um eine Prüfung ging, im Initiativtext allerdings die Rede war von einem Vertrag, den die Stadt Uster mit Greifensee über den Wechsel ausarbeiten solle – konkret und abschliessend –, dürfte des Weiteren nicht geholfen haben.
Es gelang den Nänikern und Werrikern im Wahlkampf nicht, aufzuzeigen, wieso ganz Uster ihren Identitätswechsel unterstützen sollte. Denn das Konzept von Identität und Heimat, es ist absolut emotional und alles andere als sachlich, lässt sich schwer beschreiben. Es lässt sich auch nicht damit definieren, wo Steuern gezahlt, Gebührenmarken gekauft oder Baugesuche eingereicht werden.
Nur, wenn die Näniker und die Werriker ehrlich zu sich sind: Fühlen sie sich wirklich als Greifenseer? Oder sind sie einfach Näniker und Werriker, so, wie Freudwiler und Ringwiler ebenso ihr eigenes Dorfleben in ihren Aussenwachten führen? Denn ein Gemeindewechsel wird weder im Pass noch sonst wo vermerkt. Dort, wo er spürbar ist, ist der Moment, wenn die Steuerrechnung ins Haus flattert. Vielleicht ging es also doch nie nur um Emotionen.
