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Autokennzeichen oder Kampfansage?

Die einen fahren zu ruppig, die anderen können's gar nicht: Aus welchem Kanton man (vermeintlich) kommt, ist auf der Strasse alles andere als irrelevant.

Die Fotos von Mario Fehr mit den begehrten Autokennzeichen haben schon fast Kultstatus. Doch die Zürcher Nummer ist nicht überall gern gesehen, egal, wie tief sie ist.

Foto: PD

Autokennzeichen oder Kampfansage?

Tösswegs

Wir Schweizerinnen und Schweizer sind ein Volk von Autoenthusiasten. Es gäbe viele Argumente, um diese These zu untermauern. Zum Beispiel das Kuriosum, dass es mit der Autopartei tatsächlich mal eine Partei gab, die sich voll und ganz dem «Chlapf» und den Interessen seines Besitzers widmete.

Mindestens so kurios finde ich, dass wir uns unterdurchschnittlich mit der Automarke identifizieren, die wir fahren. Umso mehr dafür mit dem Kennzeichen, das unsere Kutsche trägt.

Zumindest scheint das der Fall zu sein, wenn Regierungsrat Mario Fehr mal wieder spitzbübisch grinsend für Fotos mit tiefen Autonummern posiert – und für ebendiese Summen bezahlt werden, von denen man nur träumen kann.

Der Wahnsinn hört aber nicht beim Buhlen um möglichst tiefe oder individuelle Kombinationen von auf Aluminium geprägten Zahlen auf.

Richtig interessant wird es, wenn der Blick zum Kantonskürzel schweift. Die Kombi aus Fahrstil und dem Kennzeichen sorgt nicht selten dafür, dass man für kurze Zeit all seine Ressentiments gegenüber dem jeweiligen Kanton auf den einen Automobilisten projiziert, der gerade vor einem fährt. «Kein Wunder, ist schliesslich ein ‹XY›!», schimpft man dann gerne.

Wie es sich für die föderale Schweiz gehört, unterscheidet sich das Feindbild je nach Region: So scheint unter Zürchern eine dezidierte Abneigung gegen Aargauer Automobilisten besonders verbreitet zu sein, gut erkennbar an der alternativen Deutung der «AG»-Kürzel als «Achtung, Gefahr!».

Nach demselben Schema scheinen Bündner als besonders «wilde» (Subaru- oder generell 4x4-)Fahrer zu gelten, Berner dagegen als gemütliche mit einer Tendenz zum «Sonntagsfahren». Oder schimmern hier etwa gerade meine eigenen Klischees durch?

Im ländlichen St. Galler Rheintal, wo ich herkomme, ist jedenfalls – Sie werden es erraten – die Feindseligkeit gegenüber Autofahrern mit Zürcher Nummer sehr ausgeprägt.

Dabei gilt die Regel: Je weniger dicht besiedelt das Quartier, das man gerade durchfährt, desto böser die Blicke der Eingeborenen. Ich spreche da aus Erfahrung. Das passiert mir nämlich immer wieder, wenn ich in meiner alten Heimat mit dem Auto unterwegs bin – als wollte man mir ohne Worte klarmachen, dass ich hier nicht hingehöre.

Gerne würde ich jeweils aussteigen und den Biedermännern mit breitem Rheintaler-Slang das Gegenteil beweisen – nur habe ich weder den krassen Dialekt, noch den Mumm dazu.

Für Menschen mit Aargauer Nummer gibt es Abhilfe, und zwar in Form eines «Kei Angst, ich bin en Zürcher»-Stickers. Bleibt die Frage: Wann kommt der «Ich bin im Fall gär kein Zürcher»-Kleber? Ich könnte ihn gut gebrauchen.

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