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Wir Menschen sind soziale Wesen

Heinz M. Schwyter liebt den Kontakt zu Menschen. Er findet, dass wir uns alle aufs Persönliche zurückbesinnen sollten.

Wir Menschen leben vom persönlichen Austausch. Dieser wird nicht zuletzt an Messen gepflegt.

Foto: André Gutzwiller/PD

Wir Menschen sind soziale Wesen

Standpunkt

An einer Messe hat Standpunkt-Autor Heinz M. Schwyters Eindruck bestätigt: Menschen brauchen Geselligkeit. Dass einige Firmen deshalb ihre Homeoffice-Regeln wieder verschärfen, überrascht ihn nicht.

Heinz M. Schwyter

Kürzlich war ich in München. Allerdings besuchte ich dort nicht das Oktoberfest – welches lustigerweise im September stattfindet –, sondern die grösste europäische Immobilienmesse.

Während dreier Tage lockten über 1700 Aussteller aus ganz Europa mehr als 40’000 Gäste an. Diese Fachausstellung überlebte Corona und schaffte es auch dieses Jahr wieder, das Besucherniveau zu halten.

Für die Schweizer Immobilienfachleute war der Stand von Swiss Circle der Mittelpunkt. Der Stand der Schweiz ist eine private Initiative, die ohne Unterstützung der offiziellen Schweiz auskommen muss. Er ist solide, im Vergleich zu anderen Auftritten heisst das Motto «kleckern, nicht klotzen».

Das Besondere am Schweizer Auftritt ist aber die Tatsache, dass sich hier das «Who is Who» der hiesigen Immobilienszene trifft. Ich habe viele Leute gefragt, weshalb sie nach München reisten. Die einhellige Meinung: «In drei Tagen kann ich die für mein Geschäft relevanten Personen treffen. So viele Gespräche würde ich in einem ganzen Jahr nicht schaffen.»

Mein Besuch in München hat mir bestätigt, dass wir gesellige Wesen sind. Wir wollen uns treffen, miteinander reden, einander in die Augen schauen. Wir wollen das Gegenüber nicht am Bildschirm erleben. Vor allem wollen wir im direkten Kontakt volle Aufmerksamkeit.

Diese leidet bei einem Videocall, was ich am eigenen Beispiel erlebe. Wie schnell schweife ich ab, erledige noch eine E-Mail, bin nicht (mehr) bei der Sache.

Kürzlich hat Peer Teuwsen in der «NZZ am Sonntag» geschrieben, dass grosse Firmen ihre Angestellten wieder im Büro haben wollten. Teuwsen gestand in seinem Artikel, dass er das Büro liebe. Der Mensch sei ein soziales Wesen, der nicht gemacht sei fürs ewige Daheimsein in denselben Wänden, mit denselben Menschen. Und nun schlage das Pendel zurück.

Firmen würden ihre Mitarbeitenden wieder zurück ins Büro befehlen. In unserer Region ist dies der Industriekonzern Sulzer, der die bisherigen zwei Tage Homeoffice streicht. Der CEO von Amazon begründet den Schritt zurück ins Büro mit effizienterer Arbeit und besserem Teamgeist.

Bei der Vorbereitung dieses Beitrags war ich in Solothurn bei unserer Webagentur. Bisher haben sich die Mitarbeiter jede Woche an zwei Tagen in einem Co-Working getroffen.

Neu haben sie den Rhythmus auf alle zwei Wochen verändert mit der Begründung, dass die wöchentliche Präsenz für ihre Arbeit unnötig sei. Ist Homeoffice eher bei grossen Unternehmen ein Thema?

Die Aussagen von Teuwsen decken sich mit meinen eigenen Beobachtungen. Ich schätze es, wenn ich mich zu Hause ins Büro zurückziehen kann für konzentriertes Arbeiten. Noch mehr liebe ich aber den persönlichen Kontakt mit Menschen.

Wie sonst soll ich Ideen bekommen für die Artikel, die ich schreibe? Wenn ich an Anlässen bin, erfahre ich im direkten Gespräch, was wo läuft. Gleichzeitig nehme ich die Mimik, die Körperhaltung des Gegenübers wahr.

So kann ich nachfragen, hinterfragen. Da wird mir nichts vorgespielt wie vor dem Bildschirm. Teuwsen meint, dass Menschen Genugtuung darin fänden, zu Hause an der Sitzung vor dem Bildschirm eine Krawatte umzubinden und unter dem Tisch nur eine Unterhose zu tragen. Diese Spielchen entfallen definitiv im direkten Kontakt.

Ich höre sie schon, die Argumente der Befürworter von Homeoffice. Die heutigen Angestellten wären mündig, bräuchten keine ständige Kontrolle. Überhaupt läge das Problem bei den unfähigen Führungskräften. Die hätten noch nicht begriffen, wie sie ihre Mitarbeitenden führen müssten.

Die Ansprüche an Führungskräfte sind zu Recht gestiegen. Es genügt nicht mehr, ein guter Sachbearbeiter zu sein, um aufzusteigen. Soft Skills wie emotionale Intelligenz, Belastbarkeit, Begeisterungsvermögen, Empathie gewinnen an Gewicht. Umgekehrt müssen auch die Angestellten liefern. «It needs two to tango» gilt auch hier.

Wie viel einfacher lassen sich gemeinsam erzielte Ergebnisse vor Ort feiern. Wie trostlos ist es, wenn jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter allein hinter dem Bildschirm sitzt und sie bei einem virtuellen Apéro auf Erfolge anstossen.

Je schneller wir uns wieder auf das Persönliche zurückbesinnen, desto schneller können wir gesunden. Weil wir eben soziale Wesen sind.

Heinz M. Schwyter wohnt in Turbenthal. Er ist Unternehmer, unterstützt Start-ups und betreibt den Blog proptechnews.ch. Zudem schreibt er für den «Spitex-Report» und gibt Workshops mit Lego Serious Play.

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