Meinung

«Sägä, wes isch»

Wir machen alle unsere gelebten Emotionen sichtbar – nur die Trauer bleibt ein Tabu.

«Sägä, wes isch»

Truur-Eggä

Wir müssen versuchen, die Trauer beim Namen zu nennen. Eveline Rüegg erklärt, wieso.

Eveline Rüegg

Trauer – Es ist eine geballte Ladung an Emotion, die uns da trifft. Ein Wellenbad an Gefühlen und wir mittendrin. Wir müssen schwimmen lernen in diesem Bad. Und manchmal auch die Luft anhalten oder strampeln, damit wir nicht untergehen.

Wir versuchen, diesem Sog auszuweichen. Auch verbal. Gerne verwenden wir andere Begriffe, nur um sie nicht zu benennen. «Hüt isch nid so guet» oder «Momoll, äs gaht scho».

Damit verniedlichen wir unsere eigenen Emotionen. Wir versuchen sie nach aussen nicht zu zeigen, indem wir sie schon im Inneren umbenennen. Wir nennen das Kind nicht beim Namen.

Tun wir das bei anderen Gefühlen auch so? Nein. Wir lieben. Wir haben Freude und Glück. Wir sind glücklich, fröhlich und verliebt. Sogar Wut erlauben wir uns auszusprechen. Nur traurig, das wollen wir nicht sein.

Wir sollten die Trauer genauso beim Namen nennen und zu ihr stehen. Ich finde, sie hat es verdient – wir haben es verdient.

Eveline Rüegg ist diplomierte Trauer- und Sterbebegleiterin. Sie betreibt in Rikon ihre Praxis bambälälaa (www.bambälälaa.ch). In ihrer Kolumne «Truur-Eggä» will sie dem Thema Trauer Platz geben. Wer sich direkt mit ihr austauschen möchte, erreicht sie unter Telefon 076 559 96 26.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.