Meinung

Die leidige Sache mit dem stillen Örtchen

Was tut Mann, wenn er mal muss? Er nutzt das nächste WC - dachte sich unsere Redaktorin. Doch ein Erlebnis hat sie eines Besseren belehrt.

Die leidige Sache mit dem stillen Örtchen

Tösswegs

Liebe Männer, wir müssen reden.

Und zwar geht es um eines der natürlichsten aller Bedürfnisse.

Nicht das, was ihr jetzt vielleicht denkt. Nein. Sondern die Entleerung der Blase. Da sitzen wir – könnte man meinen, alle im selben Boot – oder besser gesagt auf derselben Schüssel.

Steht diese zur Verfügung, ist der Gang aufs WC leicht gemacht. Aber wenn nicht, nehmen die Schwierigkeiten ihren Anfang. Dann hilft manchmal nur der (erst)beste Baum.

Seine Anatomie erlaubt es Mann, dort sein Geschäft schnell und einfach zu erledigen. Frau hat da so ihre Probleme. Umso dankbarer sind wir, wenn uns etwas zur Verfügung steht, was man im noch so entferntesten Sinn als Toilette bezeichnen kann.

Dass auch Männer dem stillen Örtchen – falls vorhanden – den Vorzug geben und nicht dem Baum, davon bin ich in meinem Frau-Denken ausgegangen. Doch die Realität hat mich eines Besseren belehrt.

Im Gegensatz zu Deutschland oder der Schweiz – wo gerne exorbitante Preise für die Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses verlangt werden – ist auf den Autobahnen Frankreichs jeder Toilettengang gratis.

Dass die WCs dann auch noch – unabhängig ob belebte Raststätte oder verlassener Rastplatz – einigermassen sauber sind, erstaunt mich immer wieder. Ein wahres Paradies für Frau, die dringend muss.

Umso konsternierter lässt mich ein Erlebnis von unseren letzten Frankreich-Ferien zurück. Auf einem gut besuchten Autobahn-Rastplatz mitten im Grünen machten wir Pause – um besagtem menschlichen Bedürfnis nachzukommen.

Und wir waren damit nicht die Einzigen. Ein Herr war gerade dabei, ebendieses zu befriedigen – und das nicht etwa im nahe gelegenen WC-Häuschen. Nein. Sondern direkt am Rand zur Picknickwiese, an prominentester Stelle.

Ich dachte, ich spinne.

Meinem Ärger machte ich gegenüber meinen beiden männlichen Begleitern Luft. Zu hören bekam ich, dass die WCs «aso scho ned so suuber» seien. Na und? Wenn Mann das sowieso im Stehen erledigen kann, muss die Umgebung ja nicht blitzeblank sein.

Und wenn es unbedingt «en plein air» sein muss, dann wenigstens weg von der Bildfläche. Am besten hinter dem hintersten aller Bäume. So viel Anstand sollte sein.

Frau gibt sich schliesslich Mühe, das so unauffällig wie möglich zu machen – auch wenn das in der Natur mit einigem an Aufwand verbunden ist. Auf Details muss ich hier nicht weiter eingehen. Nur so viel: Brennnesseln brennen – und zwar an jeder Körperstelle.

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