Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Meinung

Damals, bei Kirschkuchen und Kräutertee in Turbenthal

Das ist leider nur ein Symbolbild. Ich hätte damals ein Foto machen sollen. (Symbolbild)

Foto: Marcus Mracsek

Damals, bei Kirschkuchen und Kräutertee in Turbenthal

Tösswegs

Es muss etwa vier Jahre her sein, als es mich das erste Mal nach Turbenthal verschlug. Ein Freund hatte mich eingeladen, seine Eltern kennenzulernen. «Die wohned in Turbi», sagte er mir, was mir wiederum so gut wie nichts sagte. Er hätte auch die Pampa ankündigen können. Meine Antwort wäre dieselbe gewesen: «Gömmer! Aber wo isch das überhaupt?»

Ich gestehe. Als Stadtzürcherin hielt ich es selten für notwendig, die Stadt zu verlassen. Das ist wahrscheinlich das, was Nicht-Stadtzürcher mit «arrogant» meinen. Sollte ich trotzdem mal einen Schritt aus meinem Heimatort wagen, dann in andere Städte: Bern, Genf, Lausanne. Vielleicht mal Winterthur.

Wir fuhren mit dem Auto. Ich nahm an, dass es sich um einen Ort weit, weit weg handelte. Sonst hätten wir doch den Zug genommen. Aber ich schätze eine gesellige Autofahrt sehr. Und umso besser, wenn sie lange geht und durch interessante Landschaften führt.

Vielleicht war es Frühling, vielleicht Sommer, auf jeden Fall war es sonnig und warm. Wir schlängelten aus der Stadt heraus ins Grüne, durch Felder und Wälder. Ich schaute zu meinen Füssen hinunter. Ich trug die teuersten Turnschuhe, die ich besass – so sauber, dass die Farben richtig leuchteten. Sofort bereute ich meinen Entscheid. Ich schämte mich, als ignorante Städterin zu gelten.

Nach einer knappen Stunde kamen wir auf der Höhe des Hauses an. Ich stieg sogleich aus dem Auto und drehte mich langsam um meine eigene Achse. Das Grün der Wälder war so satt wie meine farbigen Schuhe. Schmetterlinge flatterten auf Wiesen von Blume zu Blume.

Noch eine Drehung, um die Wälder zu bestaunen. Für einen Moment hinterfragte ich mich selbst: Warum quäle ich mich täglich durch Strassen zwischen Trams und Hochhäusern hindurch, wenn diese paradiesische Idylle doch eigentlich so nahe liegt?

Bevor ich zu tief in meinen inneren Diskurs entgleiten konnte, wurde ich schon ins Haus gelotst, wo ich herzlich von meines Freundes Eltern begrüsst wurde. Das Haus hatte so viel Charme, wie es auch die Umwelt hatte. «Komm, ich zeige dir alles», sagte die Mutter.

Nach einem ausführlichen Rundgang, wo ich mich neben der herrlichen Flora auch an Ziegen und Hühnern, meinen Lieblingstieren, erfreuen durfte, fühlte ich mich fast schon wie zu Hause.

Wir sassen im bunten Garten. Das Mami hatte Kirschkuchen – den leckersten, den ich je gegessen habe – und Kräutertee aufgetischt. «Schön habt ihr es hier», sagte ich ehrfürchtig.

Damals hätte ich nie gedacht, dass mich irgendetwas nach Turbenthal führen würde. Jetzt sitze ich in der Redaktion und schreibe über genau dieses Erlebnis. Schon lustig, wie das Leben so spielt.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns