(Schotter-)Gärtli-Denken
Tösswegs
Gartenbesitzer durchleben aktuell besonders harte Zeiten. Es scheint, als hätte es die Politik auf alles abgesehen, was ihnen lieb ist.
So hat der Bund kürzlich gleich einer ganzen Reihe beliebter, aber aus biologischer Sicht schädlicher Pflanzen den Kampf angesagt, etwa dem Kirschlorbeer oder der Tessinerpalme.
Und als wäre das nicht genug: Um die Einfamilienhausgarten-Kosmetiker, Heckenstylisten und Rasencoiffeure da draussen so richtig auf die Palme zu bringen, sägen die Gesetzgeber bereits am nächsten Stuhlbein.
Erste Kantone und Gemeinden machen nun Schottergärten den Garaus. Den wohl mutigsten Schritt tat der Kanton Solothurn. Dort sind diese Gärten künftig verboten, sofern sie nicht bewachsen sind. Damit würden sie nämlich als anrechenbare Grünfläche durchgehen. Wie, ein Garten ohne Grün zählt nicht als Garten? Skandal!
Stein des Anstosses sind dabei nicht einmal die Steine selbst, sondern das Vlies, auf dem sie gebettet sind. Es ist undurchlässig und verbannt nicht nur alles Leben, das da entstehen könnte. Weil Regenwasser nicht versickern kann, sorgt es dafür, dass sich die Steine auf bis zu 80 Grad erhitzen.
Weg mit den Steinen, her mit den Pflanzen, Problem gelöst? So einfach ist das anscheinend nicht. Denn an den Schotterwüsten, die notabene Dauergast sind auf der Facebook-Seite «Gärten des Grauens», entzündet sich eine Grundsatzdiskussion. Von Bevormundung ist da die Rede, von einer Verbotskultur, von einem Staat, der einem sonst schon alle Freiheiten nehme – und jetzt auch noch den geliebten Schottergarten.
Führt man sich die Berichterstattung über die Schotterdebatte zu Gemüte, so könnte man meinen, der Fortbestand des Abendlands und der freiheitlichen Gesellschaft hänge von diesen Biodiversitäts-Albträumchen ab.
Für mich ist der Diskurs aber vor allem eines: unheimlich entlarvend. Denn er zeigt einmal mehr: Über Biodiversität und kleine Schritte gegen den Klimawandel reden wollen wir alle. Sobald es aber darum geht, seinen Teil beizusteuern, fühlen sich viele von uns direkt ihrer Freiheit beraubt – Gärtli-Denken par excellence.
Die Welle der Biodiversitätseuphorie, die übers Land rollte, als SRF das Thema mit der Sendung «Mission B» für jeden greifbar machte, sie scheint verebbt zu sein.
Immerhin: Fürs Umdenken braucht es nicht zwingend Verbote. Viele Gartenbaufirmen und sogar der zuständige Verband positionieren sich mittlerweile gegen die Gärten, die weder dem Klima noch dem Auge schmeicheln – und können so vielleicht den einen oder anderen Schottergärtli-Besitzer umstimmen.
Denn Alternativen gibt es genügend. Es muss ja nicht gleich ein Biodiversitätswunder sein. Einige pflegeleichte, insektenfreundliche Pflanzen genügen. So bleibt da auch noch Steigerungspotenzial, um die Nachbarn eifersüchtig zu machen.
