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Die Stadt Uster will ihre Dörfer nicht verstehen

Nänikon und Werrikon wollen zu Greifensee, das wiederum will Uster nicht. Der stv. Chefredaktor kommentiert das Verhalten der Grossstadt.

Hinten die grosse Stadt Uster, vorne das kleine Dorf, die Aussenwacht Werrikon. Gemeinsam mit Nänikon wollen die Werriker zu Greifensee.

Foto: Simon Grässle

Die Stadt Uster will ihre Dörfer nicht verstehen

Kommentar zu Fusionsplänen

Nänikon und Werrikon wollen zu Greifensee, doch das wiederum will die Stadt Uster nicht. Der stellvertretende Chefredaktor kommentiert das Verhalten der Grossstadt, die mit ihren Argumenten überrascht.

Uster, Zentrum und Metropole des Oberlands. So sieht sich die Stadt am Greifensee bisweilen. Und die Zahlen geben ihr ja recht: Über 36’000 Einwohner, Tendenz steigend, die grösste Stadt im Oberland, gar die drittgrösste des Kantons – hinter Zürich und Winterthur. Jetzt will die Stadt gar noch grösser werden – aus Angst, ihren Status zu verlieren.

Denn das würde aus Sicht der Stadt passieren, würde man das Anliegen der Näniker und der Werriker prüfen, sich Greifensee anzuschliessen. Vor einem Jahr informierte das Komitee Pro 8606, mittels einer Volksinitiative den Anschluss der Ustermer Aussenwachten an Greifensee prüfen zu lassen. Mit diesem Wechsel sollte dem gemeinsamen soziokulturellen Raum auch politisch Rechnung getragen werden. Abgestützt, mit über 900 Unterschriften, zogen die Initianten nach Uster. Offen und bereit zum Dialog – den die Stadt gar nicht erst sucht.

Statt die menschliche Seite zu sehen, geht es der rot-grün dominierten Regierung vor allem um wirtschaftliche Aspekte: Verlust von Arbeitsplätzen, Verlust von jährlichen Steuereinnahmen in Höhe von bis zu 13 Millionen Franken.

Aus Ustermer und wirtschaftlicher Sicht mag es einleuchten, grossräumig zu denken. Wer gibt denn gerne etwas ab, wenn er doch auch etwas bekommen könnte? Eine Fusion birgt womöglich wirklich mehr Optionen für eine Zentralisierung, eine Verschlankung von Prozessen, eine einfachere Zusammenarbeit in Organisationen. Doch Wirtschaft ist in diesem Fall nicht alles.

Es überrascht, in welcher Deutlichkeit die Ustermer Regierung dem Anliegen der Aussenwachten mit rund 3000 Einwohnenden den Riegel vorschiebt. Während die Initianten stets davon sprachen, dass sie sich mit dem angestrebten Wechsel nicht gegen Uster richteten, richtet sich die Stadt jetzt gegen ihre Dörfer.

Wie wichtig aber ist es den Riedikern, den Wermatswilern, den Freudwilern oder den Sulzbachern, wie gross ihre Stadt ist? Letztlich wird das Volk an der Urne entscheiden, ob die Stadt den Gemeindewechsel prüfen muss. Denn nur darum geht es nach wie vor: eine Prüfung, keinen endgültigen Entscheid.

Und dass Uster selber nur zu gut weiss, wie Nänikon und Greifensee zusammengewachsen sind, schreibt sie sogar auf ihrer eigenen Website:

«Die Gemeinden Greifensee und Nänikon sind fast zusammengewachsen. Die Grenze schlängelt sich zwischen den Häusern durch. Kaum jemand weiss noch, wo die Grenze genau durchgeht. Auch im täglichen Leben gehören die beiden Gemeinden eng zusammen, mit einem gemeinsamen Bahnhof, gemeinsamer Postleitzahl und einem gemeinsamen Vereinsleben.»

Es ist das eine, den soziokulturellen Raum zu sehen. Ihn anzuerkennen, das andere. Ja, Uster mag gross sein. Doch das ist die Stadt nur dank ihren Aussenwachten.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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