Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Meinung

Wer jetzt zu kleinräumig denkt, verliert

Angenommen, das Spital Wetzikon überlebt doch, dann gibt es nur einen Weg: Die vier Spitäler der Region müssen sich zusammenraufen.

«Uster, Wetzikon, Zollikerberg und Männedorf unter einem Dach könnte eine tragfähige Lösung sein. Alles darunter wäre dem Untergang geweiht.»

Foto: PD

Wer jetzt zu kleinräumig denkt, verliert

Analyse zur Spitalmisere im Oberland

Zwei Spitäler im Zürcher Oberland haben keine Zukunft. Ein Spitalverbund aber möglicherweise schon – wenn man ihn über vier statt drei Bezirke spannt.

Die Nerven in den Führungsriegen der Spitäler liegen blank. Praktisch alle Spitäler kämpfen ums Überleben. Für die Toppositionen werden erfolgreiche Managerinnen und Manager schamlos abgeworben. Die mit Schwierigkeiten kämpfenden Solothurner Spitäler holten die Direktorin des Spitals Lachen, das Kantonsspital Glarus wirbt die Finanzchefin der Meilemer Klinik Hohenegg ab. Überall brennts.

Dass das System im Gesundheitswesen eine Katastrophe ist, wird immer deutlicher sichtbar. Die Tarife sind für die Spitäler zu tief. Die Kosten, welche sowohl die Spitäler als auch die Patientinnen und Patienten über die Krankenkassen tragen müssen, sind zu hoch. Praktisch kein Spital schreibt mehr schwarze Zahlen. Und wer sich – wie Wetzikon – vor zehn Jahren für ein nach heutigem Empfinden überdimensioniertes Bauvorhaben verschuldet hat, der bekommt nun die Rechnung.

Auch in Uster fehlte nicht viel. Im immer wieder kritisierten Spital haben die Verantwortlichen aber gerade noch die Kurve gekriegt. 33 Millionen Franken zusätzliches Aktienkapital konnte es von seinen Trägergemeinden zusammentrommeln. Auch hier ging es um die Rückzahlung von Darlehen. Im vergangenen Jahr konnte man sogar erstmals wieder einen Gewinn ausweisen. Und jetzt? Das Quasi-Vorzeigespital Wetzikon steht am Abgrund. Näher offenbar, als die Kolleginnen und Kollegen in Uster je waren.

Dabei war Wetzikon vor nicht einmal vier Jahren noch als das potentere der beiden Spitäler gehandelt worden. Damals, als es um eine mögliche Fusion gegangen war. So schnell kann es gehen.

Aber wie geht es jetzt weiter? Angenommen, es geht weiter. Angenommen, es geschieht statt eines Desasters tatsächlich ein Wunder und die Spitalführung kann die fehlenden 180 Millionen in der kurzen Zeit bis zum Juni irgendwie, irgendwo auftreiben. Was dann?

Eine Fusion von Wetzikon und Uster kann keine längerfristige Lösung sein. Zu klein wäre der Spielraum, um sich wirklich neu aufzustellen. Auch wenn die Fusion 2020 geglückt wäre, hätte das Spital heute die gleichen Probleme angesichts der dramatischen Entwicklung der Kosten und der stagnierenden Tarife. Die Verantwortlichen müssen nicht nur das Oberland, sondern die Region Zürich-Land ins Auge fassen, wie das verschiedentlich auch schon angedacht wurde. Ein Spitalverbund in einem weiteren Kreis könnte die Aufgaben klarer verteilen und wäre für die Menschen im Oberland und am rechten Zürichsee-Ufer verkraftbar. Uster, Wetzikon, Zollikerberg und Männedorf unter einem Dach könnte eine tragfähige Lösung sein. Alles darunter wäre wohl über kurz oder lang dem Untergang geweiht.

Vier Kompetenzzentren in diesem zwar sehr überschaubaren, aber bevölkerungsstarken Gebiet muss die Lösung für die Zukunft sein. Das bestätigt auch der amtierende CEO im Spital Uster. Zwar sind die vier Spitäler mehr oder weniger vergleichbar, aber es gibt schon Unterschiede. Wetzikon wies für das Jahr 2022 am meisten Patientinnen und Patienten aus, hatte dabei aber mit nur 8,3 Prozent die wenigsten stationären Patienten. Und die stationären Tarife sind die, welche finanziell am attraktivsten sind, während die Tarife für ambulante Behandlungen nicht kostendeckend sind.

Der Anteil der anderen drei Spitäler betrug 13 Prozent (Uster), 15 Prozent (Zollikerberg) und 16 Prozent (Männedorf). Auch finanziell stehen die drei anderen Spitäler besser da als Wetzikon. Männedorf lieferte in den letzten Jahren jeweils Gewinne von immerhin gut einer Million Franken ab, Zollikerberg erwirtschaftete 2022 noch fast 8 Millionen Gewinn, im vergangenen Jahr folgte aber ein Dämpfer mit einem Defizit von rund einer halben Million. Zur Erinnerung: Wetzikon musste 2022 ein Defizit von 2,5 Millionen hinnehmen, Uster spricht für das Jahr 2023 von einem Gewinn, nachdem die Abschreibungen für das beerdigte Neubauprojekt die vorhergehenden Abschlüsse belastet hatten.

Angenommen also, es geschieht das Wunder und das Spital Wetzikon überlebt, dann gibt es nur diesen einen Weg. Die vier Spitäler müssen sich zusammenraufen – möglichst unter einem gemeinsamen Dach – und gemeinsam für das Oberland und das rechte Zürichsee-Ufer eine regionale Gesundheitslösung erarbeiten.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns