Wer jetzt zu kleinräumig denkt, verliert
Analyse zur Spitalmisere im Oberland
Zwei Spitäler im Zürcher Oberland haben keine Zukunft. Ein Spitalverbund aber möglicherweise schon – wenn man ihn über vier statt drei Bezirke spannt.
Die Nerven in den Führungsriegen der Spitäler liegen blank. Praktisch alle Spitäler kämpfen ums Überleben. Für die Toppositionen werden erfolgreiche Managerinnen und Manager schamlos abgeworben. Die mit Schwierigkeiten kämpfenden Solothurner Spitäler holten die Direktorin des Spitals Lachen, das Kantonsspital Glarus wirbt die Finanzchefin der Meilemer Klinik Hohenegg ab. Überall brennts.
Dass das System im Gesundheitswesen eine Katastrophe ist, wird immer deutlicher sichtbar. Die Tarife sind für die Spitäler zu tief. Die Kosten, welche sowohl die Spitäler als auch die Patientinnen und Patienten über die Krankenkassen tragen müssen, sind zu hoch. Praktisch kein Spital schreibt mehr schwarze Zahlen. Und wer sich – wie Wetzikon – vor zehn Jahren für ein nach heutigem Empfinden überdimensioniertes Bauvorhaben verschuldet hat, der bekommt nun die Rechnung.
Auch in Uster fehlte nicht viel. Im immer wieder kritisierten Spital haben die Verantwortlichen aber gerade noch die Kurve gekriegt. 33 Millionen Franken zusätzliches Aktienkapital konnte es von seinen Trägergemeinden zusammentrommeln. Auch hier ging es um die Rückzahlung von Darlehen. Im vergangenen Jahr konnte man sogar erstmals wieder einen Gewinn ausweisen. Und jetzt? Das Quasi-Vorzeigespital Wetzikon steht am Abgrund. Näher offenbar, als die Kolleginnen und Kollegen in Uster je waren.

