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Meinung

Und jetzt ist das GZO Spital Wetzikon der Patient

Der stv. Chefredaktor kommentiert die drastische finanzielle Schieflage in Wetzikon, wo bis Juni 180 Millionen Franken gebraucht werden.

Eine Baustelle, die das GZO Spital Wetzikon teuer zu stehen kommt: der Neubau rechts.

Foto: Simon Grässle

Und jetzt ist das GZO Spital Wetzikon der Patient

Kommentar zur finanziellen Notlage

Die Situation am Spital Wetzikon ist noch dramatischer, als sie in Uster war. Das hat auch selbst verschuldete Gründe. Dennoch haben die zwei Regionalspitäler ihre Berechtigung.

Kaum ist ein Patient auf der Notfallstation gerettet, folgt schon der nächste. Was oftmals in Spitälern gang und gäbe ist, scheint auch für die Gesundheitshäuser selber zu gelten. Zumindest im Oberland.

Konnte erst vor wenigen Wochen das Spital Uster mit einer erfolgreichen Aktienkapitalerhöhung von über 33 Millionen Franken seine Existenz sichern, so ist jetzt die des GZO Spitals Wetzikon bedroht. Auch, weil der Kanton nicht in die Bresche springen will und das Spital als «nicht unverzichtbar» einstuft.

So wurde völlig überraschend und unerwartet für Aussenstehende am Donnerstag publik: Innert knapp zweier Monate braucht das Spital 180 Millionen Franken, um eine Anleihe abzulösen. Die Summe ist maximal hoch, die Zeit minimal kurz.

Zu spät eingeschritten

Das Geld wurde vor zehn Jahren aufgenommen, um den Neubau zu finanzieren. Noch bevor die Abschreibungen beginnen, fällt das Projekt den Verantwortlichen bereits jetzt auf die Füsse. Es mag glaubwürdig klingen, wenn Verwaltungsratspräsident Jörg Kündig und CEO Matthias P. Spielmann versichern, dass sie schon vor zwei Jahren begonnen haben, über die Refinanzierung zu sprechen und erst als letzten Ausweg die Bittstellung an den Kanton zu richten. Doch optimal geplant wirkt es für Unbeteiligte nicht.

Viel früher hätte erkannt werden müssen, dass Handlungsbedarf besteht. Eine Anfang dieses Jahrs verkündete Sparmassnahme passt ins selbe Muster. Viel früher – und vor allem auch rigoroser – hätte zum Rotstift gegriffen und der Betrieb saniert werden müssen.

Zu viel gewollt

Jetzt steht das GZO vor der Herkulesaufgabe, nicht nur an das benötigte Geld zu kommen, sondern auch allen Oberländerinnen und Oberländern zu versichern: Unser Betrieb ist nicht gefährdet.

Und ob es für diesen Betrieb wirklich den Neubau mit Gesamtkosten in Höhe von 200 Millionen Franken gebraucht hat, scheint fraglich. Es ist das eine, die Schuld für die finanzielle Schieflage, die zahlreiche Spitäler haben, dem System mit nicht kostendeckenden Tarifen für ambulante Behandlungen zuzuschreiben, mit den eigenen Mitteln haushälterisch umzugehen, das andere.

Zu wenig offensichtlich

Nur, wer hat die Mittel, um das GZO Spital Wetzikon zu retten? Aus Sicht der Gesundheitsdirektion braucht es ja gar keine Rettung und im Oberland sowieso nur ein Spital. Doch dass eine Fusion der beiden Häuser 2020 scheiterte und auch in der Debatte um die Aktienkapitalerhöhung auf den Fortbestand zweier Spitäler gepocht wurde, hat seine Gründe. Einer davon heisst schlicht und ergreifend: Aatal.

Die natürliche Barriere zweier Geländekammern mag auf einer Karte marginal erscheinen, für all diejenigen, die auf der Kantonsstrasse nur allzu häufig im Stau stehen, ist sie Realität.

Aber vielleicht muss es ja auch keine Fusionsspritze sein, die den Patienten Wetzikon rettet. Vielleicht müssen einfach die Pläne für einen Regionalspitalverbund Oberland endlich konkretisiert werden.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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