Dem Tod ins Gesicht lachen
Worte zu Ostern
Pfarrerin Christiane Siems stellt in ihrem Festtagsartikel einen kaum bekannten Brauch vor: das Osterlachen.
Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie sich auch eben über die Überschrift dieses Artikels zu Ostern gewundert? Dem Tod ins Gesicht lachen? An Ostern sollen wir das tun?
Wir sollen an diesem hohen christlichen Feiertag lachen? Ja, durchaus! Der Apostel Paulus weist uns hier den Weg und fragt im 1. Korintherbrief 15, 55 triumphierend: «Tod, wo ist dein Sieg?» «Tod, wo ist dein Stachel?»
Ostern feiert eben den Sieg des ewigen Lebens über den Tod. Das Osterlachen bleibt ein «Trotzdem-Lachen», ein Lachen im Angesicht des absehbaren eigenen Todes. Aber: Dieser Tod ist nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens. Und deshalb hatten und haben die Christen zu Ostern allen Grund zum Lachen.
Welche Osterbräuche kennen Sie eigentlich? Vielleicht das Osterfeuer, den Gang in den Gottesdienst, das Verstecken und Suchen der Ostereier? Manche Bräuche sind sehr bekannt, werden gepflegt und machen Kindern und Erwachsenen Freude. Das ist auch sehr gut so.
Ich möchte Ihnen von einem Osterbrauch berichten, der leider nicht mehr wirklich an vielen Orten in Gebrauch ist. Ich finde ihn aber sehr passend, und vielleicht mögen Sie ihn am Ostersonntag einmal ausprobieren. Die Rede ist vom Osterlachen!
Der Brauch des Osterlachens, lateinisch «risus paschalis», war im Mittelalter weit verbreitet. Man lachte den Tod am Ostersonntag aus. Dazu wurden auch Witze erzählt, um die Gemeinde in die rechte Stimmung zu bringen. Dabei gingen die Pfarrer manchmal auch zu weit.
Die Gemeinden nahmen immer mehr Anstoss an den teilweise sehr niveaulosen Witzen, und so verschwand der Brauch wieder. Eigentlich schade. Mir gefällt dieses Bild: Wir lachen an Ostern dem Tod ins Gesicht!
Das heisst nicht, dass wir uns über die schmerzvolle Erfahrung von Trauer und Leid lustig machen, dies gewiss nicht. Aber durch das Osterlachen geben wir dem Tod einen anderen Stellenwert. Unser irdischer Tod ist nur der Schlusspunkt unseres menschlichen Daseins. In Gottes Augen aber kommt die Vollendung dann erst in seiner Ewigkeit. Glaubst Du das?
Während wir also an Ostern zu Hause, in vertrauter Runde oder allein, das Osterlachen machen können, gab es auch immer wieder Zeiten, wo das «risus paschalis» eine besondere Bedeutung bekommen hatte. So zum Beispiel an Ostern 1944 im KZ Dachau.
An einem Ort also, wo Menschen wahrlich nichts zu lachen hatten. Genau dort also hatte ein holländischer Pfarrer, Willem-Eicke den Hertog, an Ostern eine Predigt gehalten mit dem Titel «Und Gott lacht …». Ein Häftling hat die Predigt mitstenografiert:
«Das Lachen Gottes in dem auferstandenen, lebendigen Herrn leuchtet über uns … Gott schenkt uns am dritten Tage ein Lachen, so reich, dass wir es immer hören müssen und wieder hören: wie Gott lacht über uns, selig rettend, herrlich …
Dieser Trost soll durch die ganze Welt gehen und überall, wo geweint wird oder wo die Zähne zusammengebissen werden, um nicht zu weinen, oder wo gelacht wird, weil man sonst weinen müsste, dort überall soll das Lachen Gottes hörbar werden.
Wenn Gott Ostern mit uns feiert, verschwinden unsere Schwierigkeiten. Da lachen wir unter Tränen … Heute legt Gott seine Freude dir und mir ins Herz hinein. Heute lehrt Er uns lachen. … Denn das wird alles vorübergehen. Nur Gottes Lachen wird bleiben. Der Anfang und das Ende. Halleluja!»
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen österliche Freude ins Herz tief hineingelegt. Der Heilige Geist kann das bewirken. Glaubst Du das?

