Der ungeschickte neue Mitbewohner
Tösswegs
Seit Ende des letzten Jahrs bin ich stolzer Mieter einer Wohnung mit schwellenlosem Boden. Warum das wichtig ist? Nun, weil damit offiziell die Zeiten des nervigen Bodenputzens von Hand vorbei sind.
Zeitgleich mit mir ist nämlich auch ein hyperintelligenter Putzroboter in die Wohnung eingezogen. Er kann saugen, den Boden feucht aufnehmen und bringt gar Deutsch-Grundkenntnisse mit.
Und natürlich hat der Robo-Raumpfleger auch eine mindestens genauso intelligente App. Mit ihr kann man dem Sauger auf die Finger schauen und ihn sogleich zum Nachbessern verdonnern, sollte er eine Stelle ausgelassen haben.
Was einigermassen selten der Fall ist, wenn man bedenkt, dass er die Wohnung zuerst mühselig kartografieren musste – fast wie ein kleiner General Henri Dufour made in China.
Sie sehen, ich spreche bewusst von «ihm» und nicht von einer Maschine – sowohl ich als auch meine Freundin haben uns notabene schon dabei ertappt, wie wir mit dem Gerät redeten, als wäre es unser Haustier. Und es hat sogar einen Namen – «Wolfi». Keine Anspielung auf Wolfgang Amadeus Mozart, sondern vielmehr ein sinnbefreiter spontaner Einfall.
Kurz spielten wir sogar mit dem Gedanken, dem pflichtbewussten Haushaltshelfer ein Paar Wackelaugen aus dem Bastelshop zu verpassen.

Der Vergleich zum Haustier ist mehr als angebracht, wie ich finde. Schliesslich schwirrt das Gerät mindestens so flink in der Wohnung herum wie eine mit Katzenminze zugedröhnte Mieze, muss mit Wasser und Putzmittel «gefüttert» und hie und da auch «ausgemistet» werden.
Man könnte vielleicht gar von einer Art Tamagotchi für Erwachsene reden. Mit dem Unterschied, dass der Putzroboter wesentlich mehr Schaden anrichten kann als das digitale Tierchen für die Hosentasche. Und ja, ich rede da aus Erfahrung.

Zwar ist die Technologie inzwischen so weit, dass sie Hindernisse erkennen, umfahren und sogar benennen kann: So ist sich die eingebaute KI zu 88 Prozent sicher, dass im Flur hinter der Haustür Schuhe stehen. Doch herumliegende Kabel sind noch immer ein Endgegner.
Viel schlimmer ist aber die Ungewissheit, mit der man leben muss, wenn man arbeiten geht und es für den Rest des Tages «Robo allein zu Hause» heisst. So kann eine Fehlermeldung im Stil von «Gerät stecken geblieben» alles Mögliche bedeuten.
Etwa, dass «Wolfi» den an die Wand angelehnten Spiegel gerammt, zu Fall gebracht und komplett zerstört hat, wie kürzlich passiert. Ich mache keine Witze, wenn ich sage, das Ganze sah aus wie ein Tatort – es fehlten nur noch die Täfeli mit den Nummern und etwas Absperrband.
Wer sein Putzämtli von einem Hightech-Roboter erledigen lassen will, profitiert also nicht nur, sondern erntet auch neue Probleme, wie ich auf die harte Tour lernen musste. Auch wenn es sich – so fair muss man sein – bei alledem im Grunde um Luxusprobleme handelt.
