Können Sie nicht kurz die Bühne filmen, bitte?
Tösswegs
Schwitzige Arme und überparfümierte Körper drängten sich vor eine riesige Bühne, schaukelten, schubsten, verteidigten die Position. Je weiter vorn, desto stickiger wurde die Luft – und mein Gemüt.
Notausgänge waren zwar in der Ferne signalisiert, doch es gab nur einen mentalen Fluchtweg, um der Klaustrophobie zu entkommen: einen Blick nach oben in den dunklen Himmel. Wäre es um die Konzertbühne herum nicht so hell gewesen, dann hätte man bestimmt ein paar Sterne gesehen.
Eingequetscht zwischen Freundinnen und Fremden, wartete ich ungeduldig auf die Sängerin. Verspätung gehört leider zum guten Ton. Vielleicht war sie nervös, vielleicht hatte sie keine Lust. Nach einer halben Stunde schaffte sie es auf die Bühne. Zum Glück, denn für mich gab es damals zwei Optionen: Entweder sie kommt bald, oder ich empöre mich so lange, bis sie auftaucht. Das hätte ungemütlich werden können. Für alle Beteiligten.
Kaum drangen die ersten Melodien aus den Verstärkern, verflog meine trotzige, schlechte Laune. Sofort. Es wurde gesungen, geschrien, getanzt – ich voll dabei. Meine Augen wanderten über die Köpfe der Meute auf die imposante Szenerie. Showeffekte, Tänzerinnen und Tänzer, Scooters, Motorradhelme.

