Was aus der Absage an ein neues Magazin gelernt werden kann
Stadtmagazin Wetzikon
Das Wetziker Stadtparlament will kein eigenes Monatsmagazin. Das ist richtig so, denn es hätte keinen Beitrag zur Debatte leisten können.
Das Nein des Parlaments kam nicht überraschend. Es hat sich in den letzten Wochen abgezeichnet, schon bevor die zuständige Fachkommission ihren Beschluss öffentlich gemacht hat. Was war der Grund? Das Geld? Vielleicht auch. 30'000 Franken für eine einzige Ausgabe des Stadtmagazins sind ein stolzes Sümmchen. Der monatliche Erscheinungsrhythmus wäre den wohl hehren Zielen des Stadtrats – ein aktiveres Stadtleben, den politischen Diskurs stärken usw. – auch nicht förderlich gewesen.
Es gibt aber auch die Hoffnung, dass das Wetziker Parlament gemerkt hat, dass dies der falsche Weg ist.
> > Lesen Sie hier, was das Wetziker Parlament genau entschieden hat.
Es ist ein Zeichen der Zeit, dass viele Gemeindebehörden ihr Heil in der Flucht in ein eigenes, hausgemachtes Informationsgefäss suchen. Gemeindeblätter sind im Trend, dort ist man auch bereit, Geld zu investieren. Beispiele im Oberland gibt es einige. Ähnliches passiert seit einigen Jahren auch in den Verwaltungen. Es gibt praktisch keine Gemeindeverwaltung mehr ohne Kommunikationsverantwortliche, die den Informationsfluss an die Öffentlichkeit zumindest kanalisieren. Und kanalisieren heisst auch lenken. Es geht um die Informationshoheit.
Die kritische Berichterstattung ist aber eine der wichtigsten Aufgaben der Medien und vor allem auch der Regionalmedien. Sie wurde in den vergangenen Jahren teilweise vernachlässigt, weil viele Medienunternehmen strategisch nicht immer die richtigen Entscheide getroffen haben. Teilweise haben sie auch den Fokus auf ihr Kerngeschäft verloren. Es ging vielerorts nur noch ums Sparen. Das führt zur Situation, in der wir uns heute befinden. Alles jammert, man komme in den Medien zu kurz – Gemeinden, Parteien, Vereine. Und sie haben teilweise sogar recht. Die Aufgabe der Medien ist es, ihnen eine Stimme zu geben, ausgewogen und fair. Und sie müssen wieder kritischer sein.
Die Lösung ist es aber nicht, Monatspublikationen mit öffentlichen Geldern auf den Markt zu werfen. Ein solches Vorhaben hilft der politischen Diskussion nicht. Diese läuft nicht im Monatsrhythmus. Da hilft auch ein Onlineportal nichts. Wie die Diskussion online funktioniert, wissen wir nur zu gut. Sie wird nicht auf dem «offiziellen» Kanal spielen, sondern dort, wo sie der Demokratie nicht förderlich ist: auf den Social-Media-Kanälen, die den eigenen Meinungen und Vorlieben entsprechen und wo kaum ein differenzierter Austausch stattfindet.
Die Budgets der Gemeinden – auch in Wetzikon – wachsen jedes Jahr, und ein Ende ist nicht in Sicht. Ein haushälterischer Umgang ist sehr wohl angezeigt und muss durch die Medien hinterfragt werden. Auch die Gemeinden müssen sich auf die Kernaufgaben konzentrieren wie die Medienunternehmen. Denn wir sind genauso in der Pflicht; erstens, mit unseren Inhalten den Menschen im Oberland das zu bieten, wofür sie bereit sind zu zahlen. Und zweitens, uns der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zu stellen und sie zu pflegen. Von einer lebendigen, funktionierenden Demokratie, in der die Medien auch ihre Kontrollfunktion wahrnehmen, profitieren letztlich alle.
Gemeindeblätter ersetzen keine Zeitungen.
Erlauben Sie mir noch dies: Eine Diskussion, ob und wie die Öffentlichkeit (und durchaus auch die Gemeinden) einen Beitrag zur Unterstützung der Medien leisten soll, ist meines Erachtens legitim. Gemeindeblätter allein können Regionalzeitungen nicht ersetzen. In den vergangenen 20 Jahren sind in der Schweiz 70 Zeitungen verschwunden. Und dort, wo es keine regionalen Zeitungen mehr gibt, stirbt in absehbarer Zeit die Auseinandersetzung mit dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld. Dass es nicht so weit kommt, muss der Demokratie etwas wert sein.
Ein Nachtrag zur Transparenz: Die Zürcher Oberland Medien AG gibt auch den «Glattaler» heraus. Eine wöchentlich erscheinende Gratiszeitung im Grossraum Dübendorf. An den «Glattaler» zahlt die Stadt Dübendorf ebenfalls einen jährlichen Betrag. Die Redaktion in Dübendorf arbeitet unabhängig. Und trotzdem ist die Ausgangslage in Dübendorf eine andere. In einem wöchentlichen Rhythmus ist die politische Debatte gewährleistet.
