The same procedure as every year?
Tösswegs
Wer kennt ihn nicht, den uralten Sketch «Dinner for One», von dem wir uns an jedem Altjahrabend aufs Neue berieseln lassen dürfen?
Für mich ist es jeweils Pflicht, meine Silvesterfeierlichkeiten zu unterbrechen und mich für 18 grandiose Minuten dem seichten Humor hinzugeben.
Bei mir also «the same procedure as every year», um es in den Worten des Butlers James, der die Hauptrolle in dem Klassiker mimt, auszudrücken. Mit diesem Satz lassen sich aber auch weitere Rituale, die wir pflegen, beschreiben.
Da wären etwa die immer gleichen Neujahrsvorsätze: mehr Sport, gesünder essen, mehr Geld sparen. Dass wir die Ziele nur selten erreichen oder schlichtweg vergessen, den Fortschritt zu messen, ist vielfach vorprogrammiert.
Oft scheitert das Sich-neu-Erfinden schon daran, dass die Vorsätze zu wenig konkret und die Ambitionen zu gross sind. Oder daran, dass wir kaum Verbindlichkeiten schaffen (auch wenn ich bestätigen kann, dass es durchaus möglich ist, dem Fitnessstudio monatelang fernzubleiben, obwohl man schon fürs ganze Jahr bezahlt hat).
Ob das der Grund ist, dass auf Social Media gefeierte Monatschallenges den klassischen Vorsätzen allmählich den Rang ablaufen? Kampagnen wie der Veganuary (sich den Januar über vegan ernähren) oder der Dry January (einen Monat lang auf Alkohol verzichten) erfreuen sich nämlich immer grösserer Beliebtheit.
Ich halte solche Experimente für einen spannenden Gegenentwurf zu Vorsätzen, die oft nur Frustration schaffen. Und das vor allem aus einem Grund: Sie sind befristet – das Übel ist also nach 30 Tagen wieder zu Ende. Und wenn es nicht schlimm war, umso besser.
Es muss ja keine der aufwendig beworbenen Challenges sein. Warum nicht etwas Persönliches versuchen: Einen Monat lang jeden Tag einen Film schauen? 30 Tage Tagebuch führen? Einen Monat lang nichts Neues kaufen oder täglich frisch kochen?
Und wenn auch das nicht klappt, denken Sie daran: Selbst «Dinner for One» hat probiert, sich neu zu erfinden. Die Farbfilmversion entpuppte sich als Flop, und aus der Idee, aus dem Klassiker eine Serie zu machen, ist bisher nichts geworden. Manche Dinge müssen sich vielleicht gar nicht verändern.
