Beschwipst unter Pensionierten im Jazzclub
Tösswegs
«Ich habe keine Kulturlegi», log ich den Mann an der Kasse eines Jazzclubs an. Ich wollte als Erwachsene ausgehen. Eine, die keine Subventionen braucht, um den Eintrittspreis bezahlen zu können. Nach langer Zeit hatte ich mich wieder mal am Abend unter das Volk gemischt: mit neuem Lippenstift, frischem Lohn und hohen Erwartungen.
Mit dem Nachtleben hatte ich eigentlich abgeschlossen. Ich kannte es in- und auswendig: erst eine Stunde vor dem Club, dann eine weitere an der Garderobe anstehen, um anschliessend an der Bar umhergeschubst zu werden. Drink runter-«exen», Schlange stehen vor der Frauentoilette. Um sechs Uhr torkelnd behaupten, dass die Musik Müll war. Am nächsten Morgen sich für den Abend zuvor schämen. Ich hatte die Schnauze voll davon.
An der Bar des Jazzclubs bestellte ich einen Whisky Sour. Zu meiner Überraschung zahlte ich etwa die Hälfte davon, was in der Stadt Zürich so üblich ist – und das mit einer doppelten Menge Alkohol serviert. Der Abend fing schon mal hervorragend an.
Lässig stand ich am Tresen und schlürfte meinen Cocktail weg. Ich beobachtete den schicken Raum und belauschte das feine Publikum um mich herum.

