Macht weniger Besitz glücklich?
Tösswegs
Singles Day, Black Friday, Cyber Monday – die Rabattschlacht, das Hochfest der Konsumgesellschaft, ist zurück. Auch wenn es inzwischen einige Geschäfte gibt, die bewusst nicht am Schnäppchen-Wahnsinn teilnehmen, so ist es doch schwer, sich der schieren Masse an Sonderangeboten zu entziehen.
Aufgefallen ist mir das erst, als ich neulich am Bahnhof ein riesiges Black-Friday-Plakat eines Haustierfachgeschäfts antraf. Stell dir vor, sie schmeissen dir die Aktionsware regelrecht hinterher, und du kaufst deinem Hund ein neues Halsband. Oder eine automatische Trockenfutterstation für deinen Kater – solls geben.
Ich habe das Glück, dass mich die Schnäppchen-Angebote einigermassen kaltlassen. Den Black Friday nutze ich vor allem dann, wenn ich sowieso schon länger etwas anschaffen wollte. Ein neues Handy etwa, oder einen Fernseher.
Dass ich nicht in den Kaufrausch verfalle, hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit einem Bewusstsein dafür, was man alles zum Leben braucht. Dazu bewogen hat mich – auch wenn sich das kitschig anhört – die Netflix-Doku «Minimalism».

Sie handelt von zwei erfolgreichen Berufsleuten, die die Mehrheit ihres materiellen Besitzes verkauften, um sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren – die eben oft keinen materiellen Wert haben. Das Phänomen gewann an Popularität und lieferte einfallslosen deutschen Filmemachern gar eine Kinofilm-Idee («100 Dinge»).
Beispiele für den minimalistischen Lebensstil gibt es auch hierzulande, etwa Alan Frei, Gründer des Sexshops Amorana – dieser gibt an, nicht mehr als 117 Dinge zu brauchen. Ein krasser Kontrast zum durchschnittlichen Schweizer Haushalt, der rund 10’000 Gegenstände zählt.
Bleibt die Frage: Wie realistisch ist das? Ich für meinen Teil musste die schmerzliche Erfahrung machen, dass über Minimalismus zu sinnieren zuweilen wesentlich einfacher ist, als ihn tatsächlich umzusetzen.
Denn während ein gesundes Konsumverhalten ein guter Anfang ist, ist da ja noch der ganze «Plunder», den man über die Jahre angehäuft hat. Und dann müsste man den Kram auch noch zählen, damit man im Nachhinein damit angeben kann, wie viel man losgeworden ist.
Dass ich noch lange nicht am Ziel bin, wurde mir beim Einräumen der Zügelkartons für meinen bevorstehenden Umzug einmal mehr klar. Doch was nicht ist, kann ja noch werden – ich bleibe jedenfalls optimistisch.
