So strahlt das Spital Uster keine Stabilität und Ruhe aus
Kommentar zum CEO-Abgang
Der Direktor des Spitals Uster will sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Dies in einer Zeit, in der das Spital angeschlagen dasteht.
Das Spital Uster liegt auf der Bahre und blutet. Nicht nur ein bisschen. Sondern ganz ordentlich an der finanziellen Halsschlagader, sein Überleben steht auf dem Spiel. Und jetzt verlässt der Chef das Haus.
So lässt sich das aktuelle Geschehen am Spital Uster zusammenfassen. Seit Anfang Jahr klar wurde, dass das Spital eine kräftige Finanzspritze in Form einer Aktienkapitalerhöhung von 40 Millionen Franken braucht, ist der rasende Puls des Gesundheitsinstituts weitherum spür- und hörbar. Entlassung von Mitarbeitenden, Auslagerung von speziellen Operationen ausgerechnet an jene Klinikgruppe, an die der scheidende Spitaldirektor Andreas Greulich jetzt wechselt.
Von zehn Aktionärsgemeinden hat sich bislang die Hälfte gegen eine vollumfängliche Aktienkapitalerhöhung ausgesprochen. In schön schweizerisch kompromissbereiter Art hiess es in den letzten Monaten da und dort: «Ja klar, Spital und Gesundheitsversorgung sind wichtig, doch unsere finanziellen Gemeindesorgen sind wichtiger. Hier gibt es ein Zückerli in Form eines symbolischen Beitrags.»
Nur reicht dieses Zückerli nicht, wenn es um die Existenz des Spitals geht. Also geht es in Gespräche mit den Gemeinden. Und siehe da: plötzlich alles gut. Jetzt stehen alle hinter der Finanzspritze. Im Kommunikationsjargon heisst das so schön: «An ihrer ausserordentlichen Generalversammlung vom 25. Oktober haben sich die Aktionärsgemeinden nun geschlossen hinter das Spital gestellt und einstimmig beschlossen, sich bei ihrer jeweiligen Bevölkerung für die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel einzusetzen.» Hat das Spital etwa die Peitsche gezückt, um widerspenstige Gemeinden in die Spur zu bringen?
Wenn, wie das Spital verlauten lässt, nun doch alles auf so gutem Weg ist, die Eigenkapitalquote auf ein existenzsicherndes Niveau zu bringen, wieso geht dann ausgerechnet jetzt der Spitaldirektor neue Wege? Auch wenn sich einem im Leben plötzlich neue Chancen bieten wie jetzt vielleicht für Greulich: Angefangenes wird zu Ende gebracht.
Doch zu Ende gebracht ist noch gar nichts. Nachdem man gemeinsam die Blutung der Hauptschlagader, zumindest vorübergehend, stoppen konnte, endet die Zusammenarbeit zwischen Spital und CEO. Der Zeitpunkt mutet seltsam an. Und er ist alles andere als ein Zeichen für Stabilität, für ein «Ja, wir schaffen das». Dabei wäre es genau das, was die Region und die Aktionärsgemeinden in diesem Moment bräuchten.
Denn eines ist klar: Die Kosten für die Versorgung des Patienten Spital Uster zahlen die Gemeinden und das Volk. Dieses hat es in den kommenden Monaten in der Hand, ob es einen der grössten Arbeitgeber in der Region verbluten lassen will.
