Das Dorf hat gesiegt
Kommentar
Die Volketswiler lehnen die Initiative «Parlamentsgemeinde» ab – und zwar deutlich mit 66 Prozent der Stimmen. Mit dem Entscheid für den Erhalt der Gemeindeversammlung haben sich die Stimmberechtigten auch für das urdörfliche Leben ausgesprochen.
Es ist ein Ja zu einer Gemeindeversammlung, in der die direkte Demokratie zelebriert wird und ein halbjährliches Wiedersehen mit mehr oder minder den gleichen Leuten möglich ist. Dabei können Partikularinteressen die ansonsten dürftige Beteiligung plötzlich in die Höhe schnellen lassen. So geschehen an der Gemeindeversammlung vor wenigen Tagen, als ein Aufmarsch grüner Sympathisanten die Einzelinitiative zum Schutz der Artenvielfalt durchbrachte.
Die dörfliche Wahrnehmung der Volketswilerinnen und Volketswiler scheint fest in den Köpfen verankert. Der starke Dorfcharakter zeigt sich in Volketswil auch immer wieder, wenn die Ortsteile unzufrieden mit der Regierung sind. Das hat den Gemeinderat schon öfters zum Gang nach Canossa gezwungen.
Raub am Gemeindebegriff
Die fast 20'000 Einwohner starke Gemeinde will sich nach wie vor nicht den Stempel Stadt aufdrücken lassen. Der Inbegriff einer anonymen Stadt dürfte für einige das Parlament sein. Plötzlich ein Stadt- statt ein Gemeindehaus oder eine Stadt- statt eine Gemeindepolizei zu haben – all das ist ein Raub am Gemeindebegriff und letztlich an der dörflichen Struktur.
Natürlich dürften auch die Kosten eines Parlamentsbetriebs eine gewichtige Rolle gespielt haben. Auch wenn vor der Abstimmung keine konkrete Summe genannt wurde, ist die Angst vor einem zu tiefen Griff in die Gemeindekasse da, weil es sich im Endeffekt ja um Steuergelder handelt.
Volketswil bleibt mit dem Urnenentscheid weiterhin eine Gemeindeversammlung erhalten, an der oft so wenige Leute mitmachen, dass man sich tatsächlich in einem kleinen Dorf wähnt.
