Rasieren wie vor 100 Jahren – Bubiker Vintage Barber im Test
Ein Mann, ein Bart
Der stellvertretende Chefredaktor Erik Hasselberg ist stolzer Bartträger. Da sein Gesichtspelz etwas arg struppig wurde, hat er dem neuen Vintage Barber einen Besucht abgestattet.
Freundlich werde ich von Csilla Stierli, Barbera in Bubikon, begrüsst. Die 43-Jährige nimmt sich heute meines Barts an – oder vielleicht sollte ich eher sagen: des struppigen Ungetüms, das mein Antlitz verdeckt.
Seit sicher zwei, wenn nicht sogar drei Monaten war ich nicht mehr beim Barber. Eigentlich ein Unding für so einen stolzen Bartträger wie mich. Verkehre ich normalerweise in Barbershops in und um Zürich, bin ich eher selten in den Frisierstuben der Region unterwegs. Etwas, das ich nach dem Besuch bei Csilla Stierli und ihrem Barbershop ändern werde.
Während sie mich durch die Töffwerkstatt ihres Mannes in einen angrenzenden, von Licht durchfluteten Raum bringt, bietet mir ihr Mann schon das erste Getränk an. Eine Cola am frühen Nachmittag dünkt mich die richtige Wahl.
Auf einem bequemen Sessel nehme ich Platz. Das Zimmer ist klein, aber nicht eng. Die Wände sind teilweise mit alten, verkohlten Holzelementen verkleidet, direkt neben der Tür steht eine wunderschöne, alte Registrierkasse.

Man merkt, mit wie viel Liebe und Leidenschaft der Barbershop eingerichtet wurde. Das Vintage-Konzept, dem sich Csilla und Michi Stierli verschrieben haben, ist spürbar.
Auch zu spüren ist, mit wie viel Präzision die gelernte Coiffeuse ihr Werk verrichtet. Nachdem sie meiner langen Mähne einen schnellen, aber sauberen Undercut verpasst hat, geht es meinem Bart ans Eingemachte. Mit viel Routine wird der elektrische Rasierer angesetzt, werden die Seiten gestutzt. Immer wieder mustert mich die 43-Jährige eingehend mit ihren grünen Augen. Kein Haar wird dem Zufall überlassen.
Dann geht es in die Schräglage. Augen zu, Kopf nach hinten, entspannen und geniessen. Wangen und Hals werden mit Pinsel eingeschäumt, die Konturen mit dem Rasiermesser gesetzt. Es spricht für Csilla Stierli, dass ich wirklich fast einschlafe, während im Hintergrund – wie könnte es anders sein – Radio Vintage dudelt.

Etwas irritierend mutet an, dass die Behandlung mit einem warmen Handtuch erst nach der Nassrasur erfolgt. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass mir warm-feuchte Tücher vor der Nassrasur aufs Gesicht gelegt werden, um die Poren zu öffnen und das Barthaar einzuweichen.
Nichtsdestotrotz bin ich nach rund 50 Minuten sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Übergänge stimmen, Länge Schnauz und Bart passen zueinander, das vorherige Ungetüm ist gebändigt. Auch das verwendete Bartöl und die benutzte Pomade überzeugen mich.
Für das Ergebnis bezahle ich 50 Franken. Preis und Leistung stimmen für mich, und das Ambiente und die Ruhe laden mich dazu ein, vielleicht bald wieder hier meinen Bart schneiden und pflegen zu lassen.
