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Wie ich zum Kaffee-Snob wurde

Für den Redaktor ist Kaffee weit mehr als ein Wachmacher. Er ist regelrecht verrückt danach. Doch seit seiner Verwandlung zum Kaffee-Snob ist alles anders.

Seit der Redaktor eine Kaffeemaschine besitzt, hat sich seine Beziehung zum Kaffee dramatisch verändert.

Foto: Noah Salvetti

Wie ich zum Kaffee-Snob wurde

Tösswegs

Mein liebster Kaffee – nachts träume ich von dir, tagsüber lässt du mein Herz höherschlagen. Sag mir, was würde ich ohne dich nur tun? Stopp.

So schön es auch wäre, ich erspare Ihnen an dieser Stelle mein kitschiges Loblied auf das schwarze Gold mit dem dunkelbraunen Häubchen. Stattdessen erzähle ich Ihnen von einer Verwandlung, die ich unlängst durchmachen musste: der Verwandlung vom Kaffee-Fan zum regelrechten Kaffee-Snob.

Doch lassen Sie mich von vorne beginnen. Der koffeinhaltige Wachmacher und ich, wir hatten einen harzigen Start.

Ich, noch im vorpubertären Alter, wusste dieses im Himmel erfundene Getränk anfänglich zu wenig zu schätzen. Mit zwei grosszügigen Löffeln Zucker spülte ich den Trank herunter, und nur langsam schaffte ich es, die Schönheit hinter seiner bitteren Fassade lieben zu lernen.

Im Lauf der Zeit wurde Kaffee zu meinem Wegbegleiter – ich trank vier, manchmal fünf Tassen pro Tag und hatte nie etwas an seinem Geschmack auszusetzen.

Ob aus dem Selecta-Automaten mit Plastik-Rührstäbchen, aus der Kapsel oder aus dem schlecht eingestellten Vollautomaten im gutbürgerlichen Lokal: Nichts vermochte meine Liebe zum Kaffee zu schmälern.

Seit ich selbst stolzer Besitzer einer Espressomaschine bin, ist alles anders. Mein Kaffeekonsum ist sogar zurückgegangen.

Nicht etwa, weil das Mahlen der Bohnen, das Verdichten des Mahlguts und das Einspannen des Siebträgers erheblich länger dauern als das Bedienen einer Nespresso-Maschine – die vielen einzelnen Schritte sind ein schönes Ritual. Sondern vielmehr, weil ich nunmehr Qualität vor Quantität stelle.

Lieber verzichte ich, als eine Tasse schlechten Kaffee über mich ergehen zu lassen.

So kommt es, dass ich beim Besuch eines Restaurants zweimal überlege, ob ich nicht lieber ein Wasser bestellen soll. Manchmal nimmt mir nur schon der Blick zur Kaffeemaschine diese Entscheidung ab.

Verflucht seid ihr, ihr sündhaft teuren Gastro-Allzweckmaschinen, die alles von heisser Schoggi bis Bouillon brühen könnt! Lieber verzichte ich, als eine Tasse schlechten Kaffee über mich ergehen zu lassen.

So weit, so unproblematisch. Schwierig wird es, wenn Leute in den sozialen Medien stolz ihre mit Schlagsahne bedeckten Frappuccinos zur Schau stellen. Und sich, als wäre das nicht schon genug schlimm, dann auch noch «coffee lover» schimpfen.

Man sieht einen Becher, gefüllt mit einem kaffeeähnlichen Getränk, auf einem Holztisch.
Alles, aber kein Kaffee: Für Menschen, die diese Getränke schlürfen und sich «coffee lover» nennen, hat der Redaktor wenig übrig (Symbolfoto).

Oder noch schlimmer, ihre Caffè-Latte-Softdrinks als Kaffee bezeichnen, obwohl sogar die Verpackung zugibt, dass es sich dabei um nicht mehr als ein «Milchmischgetränk» handelt.

Doch spätestens wenn meine Mitbewohner die Dreistigkeit besitzen, vor meinen Augen Instant-Kaffee zuzubereiten, droht das Fass endgültig zu überlaufen.

Immerhin: Guter Kaffee aus Kolbenmaschinen ist angesagter denn je, und Lokale für «Specialty Coffee» schiessen wie Pilze aus dem Boden. Dafür gebe ich dann gerne mal ein paar Franken mehr aus. Und nehme sogar einen längeren Fussmarsch durch eine unbekannte Stadt in Kauf.

Denn ein exzellenter Kaffee schafft es nicht selten, die traumatischen Erfahrungen von zig schlechten zu verdrängen.

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