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Wer ist schuld?

Schuld sind immer die anderen. Warum das für einmal zutreffend ist, kommentiert der stv. Chefredaktor.

Der stv. Chefredaktor Erik Hasselberg kommentiert den finanziellen Verlust des Spitals Uster.

Foto: Erik Hasselberg/Jasmin Oberle

Wer ist schuld?

Kommentar zum Minus des Spitals Uster

Das Spital Uster meldet für das Jahr 2022 einen Millionenverlust. Wieso der Schwarze Peter nicht dem Spital zugeschoben werden kann, lesen Sie in unserem Kommentar.

Nach zuletzt schwierigen Zeiten hat das Spital Uster die Zahlen im Griff. Mehr ambulant behandelte Patienten, mehr operative Eingriffe, ein gesteigertes Betriebsergebnis um 3,4 Millionen Franken. Das klingt schön, das klingt rosig. Eigentlich.

Das gute Ergebnis trübt ein Verlust, den das Spital auch im letzten Jahr eingefahren hat: 5,2 Millionen Franken. Das ist mehr als nur ein Fünfliber, den es aus der Portokasse zu stemmen gilt. Und sofort schwant einem Böses. Im letzten Jahr zuerst auf der provisorischen Spitalliste des Kantons gelandet, manövriert sich doch nicht etwa einer der grössten Arbeitgeber der Stadt Uster wieder in eine Schieflage?

Ein Rekurs als Wurzel allen Übels

Nein, tut er nicht. Das Spital hat seine Aufgaben gemacht. Vielmehr muss es büssen für das aufmüpfige Verhalten einiger Anwohnender. Sie rekurrierten gegen die Umbaupläne des Spitals und den vorgesehenen 33 Meter hohen Neubau einer Reha-Klinik. Der Weg durch die Institutionen endete erst vor dem Bundesgericht. Dieses gab den Rekurrenten recht und beerdigte das Bauvorhaben des Spitals.

All das schlägt sich jetzt in der Jahresrechnung nieder. So sehr, dass es für das Spital eine Erhöhung des Aktienkapitals der Aktionärsgemeinden braucht. Denn seit Anfang Jahr operiert es als gemeinnützige AG. Die Aktienkapitalerhöhung könnte die Ustermer Steuerzahlenden bis zu 20 Millionen Franken kosten.

Signalwirkung der Stadt

Im Vorfeld der Abstimmung, ob das Spital von einem Zweckverband in eine AG überführt werden sollte, wurde argumentiert, dass eine Verpflichtung zur Nachfinanzierung entfalle. Nun kommt es aber zum frühestmöglichen Zeitpunkt de facto zu einer solchen. Es wirkt von aussen betrachtet unschön, dass das Argument der finanziellen Sicherheit wie eine Seifenblase zu platzen scheint. Doch gilt es zu bedenken, dass zumindest in diesem Fall die finanzielle Schieflage nicht selbst verschuldet ist.

Die Aktienkapitalerhöhung für das Spital ist wichtig, damit es sich auch in Zukunft in einem schwierigen Umfeld abgesichert bewegen kann. Wer ein starkes Spital Uster will, der folgt der Signalwirkung der Stadt. Diese hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Verlusts ihre finanzielle Unterstützung zugesagt. Diese Finanzspritze braucht das Spital jetzt, damit die finanziellen Sorgen nicht chronisch werden.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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