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Von wegen alles Roger – die Leiden eines Oberländer Redaktors

Roger Federer tritt zurück. Ein Moment, von dem Redaktor Erik Hasselberg zwar wusste, dass er irgendwann mal kommt, mit dem er sich aber trotzdem nicht abfinden kann und will. Ein Kommentar.

Roger Federer und sein letzter Grand-Slam-Titel, gewonnen 2018 in Australien. Ich hätte mir gewünscht, noch einer käme dazu.

Foto: Keystone

Von wegen alles Roger – die Leiden eines Oberländer Redaktors

Aus. Vorbei. Nie mehr das Leiden, das Zittern, an einem Sonntag vor dem Fernseher. Wenn Roger Federer zum Gewinn eines Grand-Slam-Titels – oder wie eher üblich in den letzten Jahren – gegen die Niederlage aufschlug. Der Tennis-Star, in meinen Augen vielleicht auch Tennis-Gott, ist zurückgetreten.

Ich bin mit dem Maestro aufgewachsen. Also irgendwie zumindest. So gut wie das halt geht: er auf dem Tennisplatz, ich vor der Mattscheibe. So gestaltete sich während meiner Zeit am Gymnasium praktisch jeder Sonntag – anstatt, dass ich für die nächste Prüfung paukte.

Natürlich war ich sportbegeistert. Natürlich habe ich Fussball und Eishockey geschaut, als es bei SRF noch die Möglichkeit dazu gab.

Aber plötzlich war da dieser Basler Braunschopf, der mit der gelben Filzkugel anstellen konnte, was er wollte: Aufschlag Ass, einhändige Rückhand longline, gezogen wie ein Strich, Vorhand- und Rückhandsmash, Stoppbälle, die sich Zentimeter hinter dem Netz senken und für die allermeisten Gegner unerreichbar waren – jeder Schlag ein Traum.

Bei jedem Spiel gebannt mitzuverfolgen, wie sich dieser Vorzeigeschweizer einen weiteren Rekord sicherte und Schritt für Schritt die Spitze des Tennisolymps bestieg. Federer schaffte es, mich mit seinem glanzvollen Spiel in seinen Bann zu ziehen.

Allerdings will ich nicht lügen. Es war nicht immer einfach, Federer-Fan zu sein.

Als da plötzlich dieser junge Spanier auftauchte, Oberarme wie Oberschenkel, langes wallendes Haar: das erste Duell Nadal-Federer, die erste Niederlage. Keine einfachen Stunden oder Nachmittage für einen Teenager, der sein Idol wanken sah.

6. Juli 2008: Natürlich hat sich auch mir jener Tag ins Gedächtnis gebrannt, als Federer in seinem Wohnzimmer, auf seiner Lieblingsunterlage gegen den Spanier im wohl besten Tennismatch aller Zeiten nach knapp fünf Stunden in fünf Sätzen in der Londoner Dämmerung den Kürzeren zog. Was habe ich geflucht, geweint, die Wand angeschrien.

Handkehrum: Was habe ich die Fäuste in die Höhe geballt, als 25-Jähriger, als der Schweizer anderthalb Jahre nach seiner ersten grossen Verletzung auf die Tour zurückkehrte. Und in Australien seinen 18. Grand-Slam-Titel gewann – natürlich gegen Nadal.

Es liegt nicht an mir, jetzt zum Karriereende Federers Bilanz zu ziehen, ihn zum Grössten zu machen oder die Frage zu beantworten, was die Grundlage für einen solchen Ritterschlag wäre: Anzahl Titel? Auftreten? Wirken? Nur im Tennis oder allgemein im Sport?

So banal es klingt, es ist auch für mich eine Ära, die sich dem Ende zuneigt. Keine durchzechten Nächte mehr, kein Tennisschauen, obwohl ich doch eigentlich schlafen sollte. Federer war bis zu einem gewissen Punkt eine Konstante in meinem Leben während den letzten 15 Jahren. Und momentan weiss ich noch nicht, wer diese Lücke auf absehbare Zeit füllen könnte.

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