Wer Politikerinnen und Politikern zuhört, kennt sie: Politfloskeln. Sie fallen in der Arena, werden bei Abstimmungskampagnen auf Plakate gedruckt und werden in Videos in Endlosschlaufe wiederholt.
Ich persönlich habe eine totale Antipathie entwickelt gegen einige davon. Natürlich ist man selbst nicht gefeit davor. Hören Sie von mir eine dieser Floskeln – sprechen Sie mich gerne darauf an. Sie sollen aus meinem Wortschatz verschwinden.
Es ist allerhöchste Zeit. Gelegentlich ist es neuerdings auch schon fünf nach zwölf. Das entsprechende Statement soll damit an Dringlichkeit gewinnen. In der Klimapolitik oder bezüglich Altersvorsorge ist die Floskel besonders beliebt. Selbst wenn sie oft mit gutem Hintergedanken ausgesprochen wird, tönt sie für mich nie nach Dringlichkeit, sondern eher nach: «Man sollte dann bei Gelegenheit mal was tun.»
Zu vergleichen mit den letzten Minuten im Bad, bevor man aus dem Haus müsste. Fünf Minuten reichen locker für einen Kaffee, Zähneputzen und Haare stylen. Beim nächsten Blick auf der Uhr ist es dann aber oft bereits zu spät.
Politikerinnen und Politiker haben oft eine ideale Welt im Kopf, auf die sie hinarbeiten. Das Problem: Genau diese ideale Welt ist oft nicht kompromisslos zu erreichen.

