«Durst» – der Hilferuf unserer grossen Tanne erreicht mich in diesem Sommer beinahe täglich. Die ungewöhnliche Hitze machte auch ihr zu schaffen. Trotz gewaltiger Wurzeln und weit verbreiteter Kontakte.
Also dehnte sie ihre Kommunikation – sonst tritt sie nur mit Kolleginnen und anderen Pflanzen in Kontakt – auf die menschlichen Wesen aus. Glücklicherweise ist mir kurz zuvor «Das geheime Leben der Bäume» in die Hände gefallen, eine Lektüre, die mir eine neue, mir bis anhin unbekannte Welt, eröffnet hatte. Deshalb habe ich den Ruf überhaupt gehört.
Dass sich die Bäume allerdings mit ihren Hilferufen an Menschen wenden, zeigt, wie gross die Not ist.
Buchen beispielsweise verständigen sich über ihre Wurzeln, die von Pilzen umhüllt sind, und die Signale von einer zur anderen leiten. So erfährt ein Baum, dass es dem anderen nicht so gut geht. Also schickt er ihm Nahrung in Form von Zucker, um ihn aufzupäppeln.
In einem anderen Beispiel zeigen sich Bäume als soziale Wesen. Droht die Gefahr eines Schädlingsbefalls, sendet der Betroffene Duftstoffe aus. So werden Vögel und Insekten angelockt, welche sich an den Schmarotzern gütlich tun und so zur Rettung beitragen.

