Die ganze Schweiz hat ein Schneeproblem. Die ganze Schweiz? Nein. In Uster türmt sich der Schnee auch bei sechs Grad im Schatten und viel Wintersonne.
Dabei vermissen ihn viele schmerzlich, den Schnee, der die Welt jeden Winter in eine verzuckerte Märchenlandschaft verwandelt. Zumindest war das früher so. Mittlerweile hat man sich im Schweizer Mittelland damit abgefunden, dass sich das kalte Weiss gerne rarmacht. Die Schneepfosten an den Wegrändern und die grossen Schneeräumungsmaschinen im Gemeindeschuppen sind längst überflüssige Dekoration.
Ganz zum Vorteil der Skigebiete. Dort wittert man die grosse Chance, hört schon die Kasse klingeln und sieht vor dem inneren Auge die «Unterländer» in Scharen auf die Pisten strömen, um dem Schnee nahe zu sein. Doch Mutter Natur ist unerbittlich. In Gestalt der menschgemachten Klimaerwärmung sucht sie auch die hohen Lagen heim – und lässt den Schnee zur Mangelware werden.
Doch Uster ist anders. Dort erfreut man sich ab der weissen Pracht. Die gibt es in der drittgrössten Stadt des Kantons in rauen Mengen. Im Stadtpark, direkt neben dem Eisfeld, weckt ein imposanter Schneeberg die Aufmerksamkeit der Passanten – und auch jene der Lokaljournalistin. Sie wittert die grosse Story. «Schneewunder in Uster!», so titelt sie in Gedanken.
«Wir haben es extra für uns schneien lassen», sagt die Schlittschuhvermieterin mit verschmitztem Lächeln. Es ist ein Scherz. Die Stadt ist nicht über Nacht zum Olymp der Wettergötter mutiert. Für den Schneeberg gibt es eine irdische, wenn auch nicht alltägliche Erklärung: Jeden Tag muss das Eisfeld gereinigt werden, damit es wieder schön glatt und glänzend ist.

