Kaltenborn muss sich nun beweisen
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit gebieten eigentlich zur Zurückhaltung. Denn als das Sauber-Team 2013 neue Partner und eine gesicherte Zukunft dank russischem Geld verkündete, entpuppte sich am Ende alles als ein Luftschloss. Doch diesmal gibt es allen Grund zur Zuversicht. Eine Schweizer Investmentfirma ist die neue Besitzerin des Rennstalls, und ihr Hintergrund ist nicht ominös, sondern seriös. Zwar sind die Retter eigentlich schwedisch und nicht schweizerisch, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die 350 Angestellten im Hinwiler Werk aufatmen dürfen. Genauso wie die Zulieferfirmen, von denen manche existenziell von Sauber abhängig sind, und deren Personal.
Dass die Investoren gleich das komplette Aktienpaket übernehmen, bedeutet auch, dass Peter Sauber sein Lebenswerk zum zweiten Mal verkauft hat. Der Rückkauf des Teams von BMW war für ihn eine emotionale Angelegenheit; er brachte ihm damals viel Respekt ein. Zuletzt aber drohte das, was er über Jahrzehnte aufgebaut hatte, zum Scherbenhaufen zu werden. Für Peter Sauber ist zu hoffen, dass die Lösung diesmal wirklich nachhaltig ist – und er seinen Ruhestand endlich geniessen kann. Das Team wird weiterhin seinen Namen tragen – das ist erfreulich.
Auch Monisha Kaltenborn darf bleiben, aber nicht als Mitbesitzerin. Sie erleidet einen Machtverlust und ist eigentlich nur noch eine Angestellte. Die Teamchefin soll sich dem Vernehmen nach in früheren Verhandlungen stets an Macht und Aktien geklammert haben – davon rückte sie nun ab, womöglich, weil es sonst keinen anderen Ausweg gab. Kaltenborn muss nun den Beweis antreten, dass sie das Team aus der sportlichen Misere führen kann. Nicht nur die Finanzen sind dabei entscheidend, sondern auch schlaues Management. Die Krone als effizientestes Team der Formel 1, die lange Sauber gehört hatte, setzen sich derzeit andere auf – und fahren im Gegensatz zu Sauber mit vergleichbaren Ressourcen WM-Punkte ein.

