Massiver und moderner: So sieht das renovierte Sek-Schulhaus in Rikon aus
Im Verlauf des vergangenen Jahrs liess die Gemeinde Zell das Schulhaus Engelburg in Rikon sanieren. Technisch hat sich einiges getan. Doch von der Modernisierung profitieren nicht nur die Schüler.
Für viele Sek-Schülerinnen und -Schüler aus der Gemeinde Zell war der Beginn des neuen Schuljahrs eine doppelte Premiere: Sie starteten nicht nur in die Oberstufe, sondern durften auch ein frisch renoviertes Schulhaus Engelburg beziehen.
Von Mai 2024 bis Anfang Juli 2025 unterzog die Gemeinde das Sekundarschulhaus aus den 1960er Jahren einer Frische- und Wachstumskur – Kostenpunkt: 14,4 Millionen Franken. Pünktlich aufs neue Schuljahr konnten die Lehrerinnen und Lehrer aus dem Provisorium in das renovierte Gebäude einziehen.
In den zwei zusätzlichen Etagen stehen zwei Gruppenräume zur Verfügung, fünf Klassenzimmer und fünf Spezialräume – darunter eine Schulküche und zwei Naturwissenschaftszimmer. Dank ihnen sollen Platzprobleme der Vergangenheit angehören.
Der massive Schulkubus wirkt in seiner neuen Form noch mächtiger, als wolle er dem Namen Engelburg Taten folgen lassen. Während aussen salbeigrüne Fassadenplatten und Grau dominieren, sind die Wände im neuen, technisch aufgewerteten Gemeindesaal violett – offiziell handelt es sich um den Farbton «Aubergine» – angestrichen. Die Gemeindeversammlung wird von nun an wieder in diesem Saal tagen.



Auffällig: Vom ersten Stock aus gelangt durch die Fensterfront über dem Eingangsbereich wieder mehr Licht in den Bau. Diese gab es schon im ursprünglichen Schulhaus. Ein in den 1990er Jahren hinzugebautes Lehrerzimmer verstellte seither die Sicht. Dort, wo früher der Eingang ins Lehrerzimmer war, gibt es nun eine Art «Kaffee-Ecke» für das Lehrpersonal, die durchaus für Apéros taugen kann.

Wo man früher von der Galerie aus freien Blick auf den Saal im Erdgeschoss hatte, befindet sich heute der Aufgang in den neu aufgesetzten Schulhausteil. Und damit der Übergang zur Holzbauweise, von der man auf den ersten Blick wenig sieht.
Hightech und Holz
Eine Ausnahme bilden die beiden Gruppenräume. Dort gibt es sichtbare Holzwände – und gute Aussichten in Richtung Schwimmbad. «Der Blick ins Grüne ist perfekt, mein Highlight», sagt Marijana Despotović. Dass sie nun Holz statt das kalte Metall von den Schulcontainern antrifft, freut die Sozialpädagogin. Ihr einziger Kritikpunkt: «Etwas mehr Farbe in meinem Zimmer wäre schön gewesen.» Tatsächlich trifft man neben Holz viele Grautöne an.

Was die Technik angeht, ist das Schulhaus nun einiges moderner – so gibt es neu Wandtafeln mit einem multifunktionalen Touchscreen-Bildschirm in der Mitte, den zwei Schüler gleichzeitig nutzen können. Die Storen sind wind- und wettergesteuert, und die Lichter schalten sich automatisch ein und aus.
Als Pendant zum Saal im Erdgeschoss findet sich im Lichthof des zweiten Obergeschosses eine Lernlandschaft für Gruppenaufträge und kurze Pausen. «Wie genau wir das nutzen werden, muss sich zuerst zeigen», sagt Bruno Kägi. Er unterrichtet seit 2000 an der Schule – unter anderem Mathematik und Naturwissenschaften.
Ihm gefällt die neue Schulanlage grösstenteils. Etwa das Farbkonzept – statt «Aubergine» wäre ursprünglich ein gelb-grüner Anstrich vorgesehen gewesen. «Das hätte dann etwas stark nach Militärunterkunft ausgesehen.» Er sagt aber auch: «Man sieht jetzt, was man anders hätte machen können.»

Als Beispiel nennt Kägi die Klassenzimmer, die für seinen Geschmack zu lang und zu schmal, ja «schlauchartig» ausfallen. Ansonsten ist er zufrieden mit seinem neuen Arbeitsplatz – in das es ein alter Lehrkorpus aus dem ersten Schulhausinventar geschafft hat. Zu Kägis Reich gehören nicht zuletzt die neuen Naturwissenschaftszimmer, die im obersten Stock liegen.
«Ich hatte einen riesigen Wunschzettel, und das meiste davon wurde erfüllt», freut er sich. Seit er hier arbeite, träume er von einem neuen Zimmer für Chemie, Physik und Biologie. Nicht zuletzt, weil die alten Zimmer nach über 50 Jahren schulischer Experimentierfreudigkeit nicht mehr allzu frisch ausgesehen und gerochen hätten.
Keine Kompromisse bei der Sicherheit
Vor allem in Bezug auf die Sicherheit hat sich hier einiges getan: So haben die Giftschränke neu separate Abluftrohre, sollte sich eine Substanz verselbständigen. Die gefährlichen Experimente muss Kägi künftig in einer sogenannten Kapelle durchführen – einem Glaskasten mit separatem Abzug. Das habe nicht nur Vorteile. «Anders als in der Industrie will man im Unterricht zum Beispiel, dass mal ein Gas nach faulen Eiern stinkt», so Kägi.


Wegen Vorschriften musste man mehrmals während der Bauphase über die Bücher – so brauchte es eigens für die beiden Zimmer eine Speziallüftung. Sicherheitsbedenken fiel auch Kägis Wunsch nach einer zentralen Gasversorgung zum Opfer. Er wisse von Schulen, bei denen man nachträglich noch habe Hand anlegen müssen, weil gewisse Einrichtungen gegen Vorschriften verstossen hätten.
Insofern fällt Kägis Gesamtfazit positiv aus: «Wir haben eine sehr grosszügige Gemeinde.» Despotović ist ebenfalls zufrieden mit dem neuen alten Schulhaus. Und die Schüler? Eine Kritik hat Kägi bereits vernommen: «Die Wege sind jetzt weiter, weil es eine Treppe mehr zu überwinden gilt.»