Abo

Wirtschaft

Jubiläum und Nachfolge

Maler Schaub in Zürich und Wetzikon feiert 125 Jahre

Seit 125 Jahren gibt es die Maler Schaub AG. Jetzt hat die fünfte Generation übernommen.

Stabübergabe: Im 125. Jahr des Bestehens geht das Familienunternehmen von Vater Theo Schaub auf Tochter Fabienne über.

Foto: Simon Grässle

Maler Schaub in Zürich und Wetzikon feiert 125 Jahre

Jubiläum und Nachfolge

Ein Jubiläum und die Vertreterin einer neuen Generation an der Spitze: Die Schaub Maler AG hat am Freitag in Wetzikon gefeiert.

Nach 29 Jahren an der Spitze der Familien-AG hat Theo Schaub die Geschäftsleitung an seine Tochter Fabienne übergeben. Die Ökonomin und Malermeisterin führt die Schaub Maler AG seit April in der fünften Generation. Und es gibt einen weiteren Grund zum Feiern: das 125-jährige Bestehen. Am Freitag gab es in Wetzikon einen Tag der offenen Tür für Kunden und Gäste.

Theo Schaub hat sich mit 64 Jahren auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten zurückgezogen. In der Unternehmenschronik, die im Jahr 2000 zum 100-Jahr-Jubiläum erschienen war, ist er als Theo Schaub IV aufgeführt. Sein Vater Theo Schaub III hatte die Firma von 1966 bis 1995 geleitet, ehe er an die vierte Generation übergab. Auch Theo Schaub I und II (ja, die hiessen wirklich alle Theo) waren bereits Malermeister.

«Wir sind eng mit dem Oberland verbunden»

Dass das 125-jährige Bestehen auch in Wetzikon gefeiert wurde, ist kein Zufall. «Wir sind der grösste Malerbetrieb im Oberland», sagt Fabienne Schaub. «Obwohl unser Hauptsitz in Zürich ist, sind wir eng mit dem Oberland verbunden.» Nicht nur geschäftlich, sondern auch familiär: «Meine Urgrossmutter war eine Hürlimann aus Bäretswil.»

Die Geschichte der Firma in Wetzikon geht auf Malermeister Fritz Häfeli zurück. Dieser hatte 1945 die Fritz Häfeli AG gegründet und 1973 an seinen Sohn Fritz Häfeli junior übergeben. Das Unternehmen hatte einen ausgezeichneten Ruf in der Region. Neben den Malerarbeiten wurden Hebebühnen vermietet und ein Spritzwerk betrieben. Zu den Kunden zählten Private, Verwaltungen, Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen, Industrie sowie die öffentliche Hand.

«Niemand hatte auf einen Zürcher gewartet»

Im Jahr 2006 schliesst sich das Wetziker Unternehmen im Rahmen einer Nachfolgeregelung mit der Schaub Maler AG zusammen. «Es war kein einfaches Unterfangen», erinnert sich Theo Schaub IV. «Niemand im Oberland hatte auf einen Stadtzürcher gewartet.» Um den guten und bekannten Namen weiterzuführen, bleibt die Fritz Häfeli AG mit ihren 15 Mitarbeitern vorerst ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der Schaub Holding.

In der Festschrift zum 70-Jahr-Jubiläum im Jahr 2015 wird Fritz Häfeli zum Verkauf folgendermassen zitiert: «Mit Herrn Theo Schaub fand ich den richtigen Partner. Ich durfte mit ihm erleben, wie sich zwei faire Malermeister (und Offiziere) begegnen, verhandeln und übereinkommen.» Häfeli ist zu jener Zeit Hauptmann einer Grenadier-Kompanie, Schaub sollte später im selben Dienstgrad eine Oberländer Füsilier-Kompanie führen.

Im Jahr 2015 wird die Übernahme auch auf Briefköpfen, Rechnungsadressen und Servicefahrzeugen vollzogen. Die Schaub Maler AG kann also guten Gewissens als Oberländer Unternehmen betrachtet werden. Zeichen dafür ist die finanzielle und ideelle Unterstützung zahlreicher Vereine in der Region, darunter der FC und der EHC Wetzikon, der SAC und der Skiclub am Bachtel. Auch der Konzertflügel in der Kulturgarage Wetzikon ist eine Dauerleihgabe von Hobbypianist Theo Schaub.

Heute arbeiten 28 Mitarbeitende für den Malerbetrieb in Wetzikon.

Gruppenbild mit drei Männern und einer Frau. Sie posieren vor weissen Lieferwagen der Schaub Maler AG.
Tag der offenen Türe in Wetzikon zum 125-Jahr-Jubiläum (v.l.): Sascha Kobus, Betriebsleiter Wetzikon, Theo Schaub, Verwaltungsratspräsident der Schaub Maler AG, Geschäftsführerin Fabienne Schaub und Danko Rihter, Leiter Maler-Service in Wetzikon.

Doch angefangen hat die Geschichte der Familien-AG früher, viel früher. Es ist eigentlich eine Geschichte von zwei Familien. Den Grundstein legt im Jahr 1900 Johannes Vannini mit der Gründung eines Malergeschäfts in Zürich. Nach seinem Tod im Jahr 1930 übernimmt Sohn Jean die Firma.

Im selben Jahr lernt dieser den Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler kennen. Dessen Kampf für den kleinen Mann und gegen die Interessenverflechtungen von Politik und Wirtschaft entsprechen Jean Vanninis Gefühl für soziale Gerechtigkeit.

20 Jahre lang sitzt Vannini für den von Duttweiler gegründeten Landesring der Unabhängigen (LdU) im Zürcher Gemeinderat. Sozial denkt und handelt er aber nicht nur im Rathaus, sondern auch im eigenen Unternehmen. Bereits im Jahr 1942 führt er als erster Malermeister der Schweiz eine Pensionskasse für seine Angestellten ein.

Die Familie Schaub ist seit 1927 in Zürich ansässig. 1933 machen sich Theo II und sein Bruder David in Höngg als Maler selbständig und gründen die Gebrüder Schaub AG.

Ein Maler und sein Sohn posieren für ein Foto. Das Bild ist um 1920 entstanden und ist schwarz-weiss.
Der Kirchenmaler Theo Schaub I mit seinem Sohn und Lehrling Theo II.

Im Jahr 1965 verbinden sich die Stränge der Familien Schaub und Vannini, als Jean Vannini einen Käufer für sein Malergeschäft sucht. Er hat zwar drei Töchter, doch in der damaligen Zeit ist es undenkbar, dass eine Frau die Firma weiterführen kann.

Auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger wird Jean Vannini im tüchtigen Theo Schaub III fündig. Dieser verlässt das Familienunternehmen seines Vaters und seines Onkels und übernimmt das wesentlich grössere Malergeschäft in Hirslanden.

Die Gründung der Vannini & Schaub AG

Das Unternehmen wird in Vannini & Schaub umbenannt. Es ist nicht die einzige Veränderung, die der neue Besitzer vollzieht. Er nutzt für damalige Zeiten modernste Techniken. So führt er beispielsweise neue Spritztechniken ein, die rationeller und gleichzeitig gleichmässiger sind.

Auch schafft er die gelben Zahltagssäckchen ab, die alle zwei Wochen auf den Baustellen verteilt werden, und überweist die Monatslöhne bargeldlos. Und schon 1967 setzt er seinen ersten Maler-Servicewagen ein – eine vollständig eingerichtete, fahrende Malerwerkstatt.

Selbiges tut übrigens auch Fritz Häfeli, der mit zwei Wellblech-Citroëns als «fahrende Malerwerkstätten» im Oberland unterwegs ist.

Ein Maler steht vor einem Service-Spritzbus der Schaub Maler AG.
Schon 1967 schaffte Theo Schaub III das erste Servicefahrzeug an. Heute sind 50 solcher Busse für die Schaub Maler AG im Einsatz.

Theo Schaub III führt das von Jean Vannini 1942 ins Leben gerufene betriebliche Sozialwerk weiter und baut es in den 1970er Jahren sogar noch aus – trotz Wirtschaftskrise. Er engagiert sich auch politisch: Von 1982 bis 1999 vertritt er die FDP im Zürcher Kantonsrat und ist Mitglied des Bankrats der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Start mitten in der Krise

1988 tritt Malermeister Theo Schaub IV in die väterliche Firma ein. Er hat nach der Wirtschaftsmatura das Malerhandwerk von der Pike auf gelernt, daneben Wirtschaft in St. Gallen studiert und die Kunstgewerbeschule Zürich besucht. 1996 übernimmt er von seinem Vater die Geschäftsleitung – mitten in einer jahrelangen Rezession, die auf den Golfkrieg 1990/1991 folgt.

Das Baugewerbe steckt in der Krise, die Preise sind im Keller, um jeden Auftrag muss gekämpft werden. Theo Schaub IV entscheidet sich zu einer forschen Vorwärtsstrategie, ergänzt den Fahrzeugpark und setzt Mittel für Innovationen frei.

Früh erkennt er die Bedeutung einer hohen Flexibilität und baut den Service aus. Was mit drei Kleinbussen begonnen hat, ist heute eine Flotte von rund 50 Servicefahrzeugen.

Der Mut sollte sich auszahlen. In der Ära von Theo Schaub IV kommen zum Stammhaus in Zürich-Hirslanden drei weitere Standorte in Oerlikon, Zumikon und im Jahr 2006 in Wetzikon hinzu. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen rund 130 Mitarbeitende, darunter acht Lernende in den Berufen Maler und Gipser. Die Berufsbildung war und ist eine Herzensangelegenheit für die Familie. «Das hat sich in der Branche herumgesprochen», sagt Theo Schaub. Einen Fachkräftemangel kenne das Unternehmen nicht.

Die Firma bietet eine breite Palette an Dienstleistungen: Neben klassischen Malerarbeiten von Denkmalschutzobjekten bis hin zu ausgewählten Neubauten gehören auch ein Graffiti-Service, Gipserarbeiten und professionelle Lackierungen im Spritzwerk zum Angebot. Steckenpferd bleibe der Malerservice für kleine Aufträge, so Theo Schaub.

Das Unternehmen legt Wert auf Nachhaltigkeit. Bereits vor knapp 40 Jahren wurde in Zürich die erste Abwasserreinigungsanlage in einem Malerbetrieb im Kanton installiert. An der Industriestrasse 9 in Wetzikon liefert heute eine grosse Photovoltaikanlage rund 70 Prozent des Jahresbedarfs an elektrischer Energie. Und wo immer möglich werden mineralische Farben und wasserverdünnbare Lacke eingesetzt.

Die fünfte Generation übernimmt

Seit April steht die fünfte Generation in der Person von Fabienne Schaub (37) an der Spitze der Familien-AG. Die älteste Tochter von Theo IV verfügt über einen Master in Unternehmensführung der Universität St. Gallen und ist diplomierte Malermeisterin.

«Ich freue mich, mit unserem motivierten Team und qualifizierten Mitarbeitenden auch in Zukunft höchste Qualität und erstklassigen Service zu bieten», sagt Fabienne Schaub zu ihrer neuen Aufgabe. So, wie es bereits vier Generationen vor ihr getan hatten.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.