Nena in Dübendorf: Was die 1980er mit uns machen
Nenas Hits begeistern auch mehr als 40 Jahre nach ihrem Erscheinen. In Dübendorf zeigte sich, dass dabei ein Gefühl besonders häufig aufkommt: Nostalgie.
Es ging nicht nur um Musik, als man mit den Gästen sprach, die für das Konzert von Nena Schlange standen. Selbstverständlich sang man am vergangenen Samstagabend gelegentlich einen ihrer Ohrwürmer. Davon hat die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Gabriele Susanne Kerner heisst, schliesslich genug. Dass ihre Lieder kleben bleiben wie Kaugummi auf heissem Asphalt, ist nur ein Aspekt, weshalb Nena selbst nach über 40 Jahren noch immer erfolgreich Fans anzieht.
Fragte man die Generation X, was Nena mit ihnen mache, war die Antwort oft: «Nostalgie. Ich denke dann zurück an meine Jugend.» Fragte man die Gen Z, hiess es ebenfalls: «Nostalgie». Hä? Wie geht das denn?
«Sie weckt Erinnerungen, die wir nie hatten», sagte der 19-jährige Nicolas schmunzelnd. Obwohl er die 1980er nur vom Hörensagen kennt, hat die Dekade einen prägenden Eindruck hinterlassen – als sei damals alles besser gewesen.
Heute sei alles so kurzlebig und unecht. «Vieles wird bloss noch für Likes gemacht», ergänzte Fiona (21). Gerade im Vergleich könne die Musik von heute kaum mit der von damals mithalten. Es fehle Leidenschaft und Tiefgründigkeit. Dies spiegle sich auch in der Gesellschaft wider.
Einige ältere Fans teilen diese Einschätzung. «Wir waren mal menschlicher, Nena erinnert uns daran.» Die Gespräche drehten sich um die Digitalisierung, veränderte Freundschaften und den Leistungsdruck. Immer wieder verglichen die Fans die Gegenwart mit ihrer Jugend.
So auch die ehemaligen Schulkameraden Gabi (51), Stefan (51) und Michi (50). «Es war eine gute Zeit, weniger zynisch als heute», sagte Stefan.
Fans seit dem ersten Song
Doch vor allem war es die Zeit der Jugend. Gabis allererstes Konzert beispielsweise war das von Nena: «Das war ihre erste Tour. Ich musste am Nachmittag schlafen, damit ich am Abend auch wirklich fit war», sagte sie lachend.
Es sind solche Anekdoten, die für eine herzliche Stimmung vor dem Konzert sorgten. Und davon hatten Manu (48), Bigi (61) und Tanja (55) einige auf Lager. «Ich bin seit dem Hit ‹Nur geträumt› ein Nena-Fan», sagte Tanja. Seit Anfang an also. «Meine Eltern sind noch heute geschädigt, weil ich sie rauf und runter hörte. Mein ganzes Zimmer war voll mit Postern von ihr.» Auch vom Film «Gib Gas – Ich will Spass» blieben Tanjas Eltern nicht verschont: «Ich lud alle meine Klassenkameraden ein, damit wir den zusammen schauen konnten.»
Bigi ist ebenso ein Riesenfan. Sie hat sich sogar etliche Luftballons auf den Arm tätowieren lassen: «‹99 Luftballons› ist mein Lieblingslied. Mein Vater sagte immer, das sei vertonter Krach, er hörte ja schliesslich nur Hudigäggeler.» Die drei Frauen schwärmten von der Zeit der Kassetten, erzählten von «Bravo»-Heften, vom Band-Schwarm oder wie sie Nenas Stil bewunderten. «Sie war schlicht eine Ikone», so das Fazit der Frauen.
Salome (53) und Laura (21) sind Mutter und Tochter. Als die Sängerin ihre ersten Hits landete, besuchte die Mutter noch die Primarschule. «Ich war die, die neben dem Kassettenrekorder sass und immer wieder den Radiomoderator aus der Aufnahme drückte.»
Dass die Tochter denselben Musikgeschmack wie die Mutter aufweist, ist kein Ergebnis mütterlichen Einflusses, sondern Zufall. «Laura ist von allein auf Nena gestossen, und das macht mich natürlich sehr glücklich», sagte Salome.
Was gefällt der 21-Jährigen denn so an Nena? «Sie vermittelt die Stimmung einer Zeit, die so anders ist als die von heute. Das macht mich irgendwie nostalgisch.» Wo wir wieder bei der Nostalgie wären.
Und ganz egal, ob man nun die 1980er miterlebt hat oder nicht: Dieses Jahrzehnt macht etwas mit uns, es lässt uns schönere Zeiten ersehnen. Ob damals wirklich alles besser war, darüber lässt sich sicherlich streiten. Aber ein bisschen träumen darf doch sein.
