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Gartenserie Teil 2

Nicht geil – so gelingen die Sonnenanbeter

Heute widmen wir uns der Peperoni und der Tomate. Oder: Wie man kleine Diven ganz gross macht.

An einem Südfenster fühlen sich die jungen Tomaten und Peperoni wohl (in der Mitte noch eine Artischocke). Auch Basilikum kann man jetzt vorziehen, falls man ein absoluter Basilikumfan ist. Normalverbraucher können ihn auch nach den Eisheiligen direkt draussen säen.

Foto: Eva Kamber

Nicht geil – so gelingen die Sonnenanbeter

Gartenserie Teil 2

Heute widmen wir uns der Peperoni und der Tomate. Oder: Wie man kleine Diven ganz gross macht.

Frühstarter. Schlaffis. Durchhänger. Das soll nicht etwa eine Beleidigung sein. Vielmehr geht es hier um junge Tomaten- und Peperonipflanzen und den einen grossen Fehler, den jeder Hobbygärtner und jede Hobbygärtnerin mindestens einmal im Leben begehen: Man zieht die Tomaten und Peperoni zu früh an.

Die Idee dahinter ist ja gut. Mehr Zeit für das Pflänzchen zum Wachsen, also auch eine frühere Ernte. So die Theorie. Die Realität sieht ganz anders aus. Nicht geil. Oder eben so richtig geil.

Steckt man die Samen nämlich schon im Februar in die Töpfchen und stellt diese auf die Fensterbank, dann schiessen die jungen Pflänzchen in kürzester Zeit in die Höhe. Sie wachsen durch die Wärme in der Wohnung dem bisschen Licht entgegen, das sie um diese Jahreszeit abbekommen. Das Ergebnis? Frühstarter, Schlaffis und Durchhänger. «Vergeilen» heisst der Fachausdruck dafür. Also das unnatürlich starke Längenwachstum von Pflanzen infolge von Lichtmangel, wobei sie dünn, instabil und blass bleiben.

Junge Tomatenpflanzen strecken sich aus dem Topf dem Licht entgegen.
Wachsen die jungen Tomaten zu schnell, dann werden sie lang, dünn und instabil. Sie kippen früher oder später um.

Vier Komponenten und Geduld

Wir brauchen:

  • Peperoni- und/oder Tomatensamen. Hier gilt: Je grösser die Frucht, desto mehr Erdvolumen braucht die Pflanze. Für den 2-Quadratmeter-Balkon empfehlen sich darum die kleinen, süssen Cherrytomaten.
  • Frische Aussaaterde.
  • Aussaatschale oder -töpfchen – gibt es im Gartencenter, allerdings funktionieren auch die Plastikschalen von früheren Traubeneinkäufen oder aussortierte Tupperware. Wichtig ist: Löcher unten reinmachen.
  • Untersetzer – Deckel der Tupperware oder ein alter Teller mit Rand tut es auch.

Damit man sich keine unerwünschten Viecher ins Haus holt, empfiehlt es sich (dringlichst), frische Erde zu verwenden. Und damit die Tomaten schöne Wurzeln machen, sollte das am besten Aussaaterde sein. Eine Erde also praktisch ohne Nährstoffe.

Als Erstes füllt man die Erde in die Aussaattöpfchen. Die Erde feuchtet man am besten an, bevor man die Samen hineinsteckt. Dann werden sie nicht durch den Wasserstrahl umhergespült. Denn die Samen sollten im Abstand von etwa drei Zentimetern einen Zentimeter tief in die Erde gesteckt werden. Sollten Sie eine Sprühflasche zur Hand haben, dann ist die Reihenfolge hinfällig. Wollen Sie Ihren Pflänzchen etwas besonders Gutes tun, dann verwenden Sie zum Giessen möglichst Regen- und kein Leitungswasser.

Fertig angesät, werden die Töpfchen auf den Untersetzern bei 22 bis 25 Grad Celsius an den hellsten Platz in der Wohnung gestellt.

Wieder warten. Besonders bei Peperoni. Die nehmen es gemütlich. Nicht aufgeben! Sie kommen schon noch. Peperoni brauchen teilweise bis drei Wochen, bis ihr Grün aus der Erde schaut.

Erziehung von Kinderpflanzen

Sobald die Pflänzchen etwa einen Zentimeter hoch sind, empfiehlt es sich, von unten zu giessen. Schütten Sie das Wasser in den Untersetzer. Die Pflanzen müssen so ihre Wurzeln strecken, um sich das Wasser holen zu können. Das macht sie deutlich robuster, und sie verzeihen später eher mal, wenn Sie im Hochsommer mit dem Giessen nicht nachkommen sollten.

Tomaten spriessen auf der Fensterbank im April.
Wer von Anfang an nicht zu kleine Töpfe verwendet, kann die Tomaten und Peperoni bis Mitte Mai in der Wohnung stehen lassen. Möglichst an einem Südfenster. Sollten die unteren Blätter gelb werden, kann man mit etwas Dünger nachhelfen.

Wer die Pflänzchen zu wahren Popeyes erziehen möchte, der stellt sie nach etwa zwei Wochen an einen kühleren, etwa 18 Grad Celsius warmen Ort. Ins Treppenhaus, Schlafzimmer oder in die Garage, vorausgesetzt, diese hat Fenster. Wer mit der Aussaat nicht zu früh angefangen hat, kann die Pflanzen aber auch bis nach den Eisheiligen an der Wärme stehen lassen. Das Wichtigste: Möglichst hell muss es sein.

Für die (zu) Ungeduldigen

Haben Sie doch zu früh angefangen? Oder war das Nordfenster nicht hell genug? (Ist es nie.) Sofern die Pflänzchen einen moderaten Geilwuchs zeigen und nicht schon beim Anschauen umfallen, dann sind sie noch zu retten. Weiss ich. Aus eigener Erfahrung …

Die vergeilten Pflänzchen kann man einfach tiefer setzen. Bis zum ersten Blattpaar. Das (vorsichtige!) Umsetzen macht ihnen nichts, denn Tomaten und Peperoni ziehen gerne mal um. Anders die Kürbisgewächse, das sind echte Stubenhocker. Tomaten und Peperoni können aus dem Stängel weitere Wurzeln wachsen lassen, deshalb werden sie durch das Tiefersetzen stabilisiert.

Tomaten spriessen auf der Fensterbank im April.
Zeigen die Tomaten oder Peperoni Geilwuchs, kann man sie bis zu den Keimblättern tiefer setzen. Das Tiefersetzen empfiehlt sich auch beim Umsetzen an den Endstandort.

Vorsicht Frischluft

Gerettet? Dann heisst es jetzt ein weiteres Mal warten. Mindestens bis die kalte Sophie am 15. Mai die Segel hisst. Ab dann können die Pflänzchen raus an die frische Luft. Aber aufgepasst: Langsam an die Sonne gewöhnen, sonst kriegen die gehegten Kinderpflanzen einen Sonnenbrand. Für ein paar Tage stellt man die Töpfchen nur stundenweise an die Sonne – und das jeden Tag ein bisschen länger. Ab Tag fünf vertragen die Pflanzen dann die volle Dosis Maisonne.

Nun können Sie die Pflanzen in einem Abstand von mindestens 50 Zentimetern an ihren definitiven Ort umsetzen. Wo das ist, hängt bei Tomaten von der Sorte ab. Hat man die Möglichkeit, die Pflanzen wettergeschützt – zum Beispiel an der Hauswand, unter dem Vordach oder in einem (Folien-)Gewächshaus – zu setzen, dann liegt man damit nie falsch. Das gilt ebenso für Peperoni. Es gibt aber auch Tomatensorten, die durchaus im Freiland gute Erträge bringen. Die Sparta ist beispielsweise eine ertragreiche, robuste Strauchtomate mit roten Früchten, die auch Regen aushält und fast jeder Witterung trotzt.

Auch beim Umzug nach draussen dürfen die Pflanzen tiefer gesetzt werden. Die Zwischenräume lassen sich wunderbar mit Basilikum oder Peterli auffüllen. Diese passen später bestens zu vielen Tomaten- und Peperonirezepten.

Was soll der ganze Aufwand?

Natürlich, Sie können die Tomaten für Ihren Garten oder den Balkon auch als Jungpflanzen im Laden kaufen, allerdings ist dort die Sortenauswahl deutlich kleiner. In den gleichen Läden erhalten Sie verschiedenste Tomatensorten als Samen. Oder wer gerne bestellt: Das Internet eröffnet uns Gartenfans die riesige, faszinierende Welt des Nachtschattengewächses.

Wie wärs beispielsweise mit der Green Zebra Arizona Hawaii Strain? Die Früchte sind gelb mit grünen Streifen. Oder lieber die Fleischtomate Zürcher Original? Eine alte, einheimische Sorte mit gerippten, roten Früchten. Oder die Ananori? Eine ertragreiche Fleischtomate, die absolut gluschtig macht.

Verschiedene Samenpäckli von Tomaten und Peperoni liegen auf einem Tisch verstreut.
Wartezeit verkürzen: Bei der Auswahl der Samen empfiehlt es sich, immer auch ein, zwei Pflanzen von den kleinen Sorten anzubauen. Die Cherrytomaten und Snackpeperoni sind deutlich früher reif.

Und sind wir ehrlich: Wenn Sie es geschafft haben, bis jetzt mit der Aussaat zu warten, dann ist der Aufwand durchaus überschaubar. Dafür können Sie zuschauen, wie aus einem Minikorn eine riesige Pflanze wird. Jedes Mal wieder faszinierend.

Weitere Anzuchten im April

Im April kann viel vorgezogen werden. Doch auch hier gilt: weniger ist mehr. Wer zu viel macht, der verliert am Ende gerne mal den Spass an der Sache.

Aubergine.

Melone.

Fenchel.

Lauch.

Zuckermais.

Artischocke.

Basilikum.

Peterli.

Gurken, Kürbis und Zucchetti frühestens ab Mitte April vorziehen. Sonst wachsen sie Ihnen bis Mai über den Kopf. Nicht pikieren. Kürbisgewächse mögen das gar nicht.

Im Garten

Neu gehen wir etwa einmal im Monat zusammen in den Garten und besprechen ­kleine Tipps und Tricks, wie dieser mit wenig Aufwand noch mehr Freude bringt.

Hier gehts zu Teil 1

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