Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Lifestyle

Game-Entwickler aus Dübendorf

Schweizer Gemeinden kaufen – und in die Schlacht schicken

Pascal Scheidegger aus Dübendorf lässt in seinem Videogame Schweizer Gemeinden gegeneinander kämpfen. Das Spiel ist liebevoll gestaltet, kann aber auch richtig ins Geld gehen.

Echte Heimarbeit: Pascal Scheidegger hat sein Game in seiner Wohnung in Dübendorf programmiert.

Foto: David Marti

Schweizer Gemeinden kaufen – und in die Schlacht schicken

Pascal Scheidegger aus Dübendorf lässt in seinem Onlinegame Schweizer Gemeinden gegeneinander kämpfen. Das Spiel ist liebevoll gestaltet, kann aber auch richtig ins Geld gehen.

Pascal Scheidegger lässt auf seinem Laptop Dübendorf gegen die Aargauer Gemeinde Ehrendingen kämpfen. Die virtuelle Schlacht ist schnell geschlagen: Ein kurzer roter Ladebalken, ein paar nett animierte Schwerter, die sich kreuzen – und schon hat Dübendorf verloren.

Der Gegner, ein Spieler mit dem Namen Fondue Fighter, bekommt Erfahrungspunkte und steigt in der Rangliste auf. Scheidegger bekommt hingegen nichts. Doch das ist dem Dübendorfer egal. Als Erfinder des Games kennt er es in- und auswendig. Es heisst «Das Spiel, wo du Schweizer Gemeinden kaufen kannst», abgekürzt DSWDSGKK.

Was für ein holpriger Name. Scheidegger lacht. Er habe sich den deutschen TV-Entertainer Stefan Raab zum Vorbild genommen, der in seiner Show jeweils solche irrwitzigen Bezeichnungen eingebaut habe.

In seiner Wohnung in Dübendorf hängt ein Gemälde des Matterhorns. «Ich habe einen Bezug zum Wallis, wo mein Vater herkommt», antwortet Scheidegger auf die Frage, ob er ein Patriot sei. Er fügt an: «Ich lebe gerne in der Schweiz. Deswegen fand ich es auch reizvoll, ein Spiel nur für die Schweiz zu machen.»

Brotjob zu langweilig

Der 40-jährige Junggeselle machte sich vor zwei Jahren selbständig. Zuvor hatte er eine führende Stelle als IT-Fachmann beim Medienhaus Ringier in Zürich.

Als Selbständiger begann er aber nicht sofort mit dem Programmieren des Onlinegames. Scheidegger baute sich einen Buchverlag für Reiseführer auf. Er bezahlt Autoren, für ihn ein Buch zu schreiben, und verkauft es dann über Amazon oder Orell Füssli. Obwohl er dieses Geschäft immer noch betreibt, sagt er: «Irgendwann ist mir das zu langweilig geworden.»

Eine Schwäche fürs Spielen hatte Scheidegger schon seit klein auf. Als Kind bastelte er ein Monopoly, doch seine Freunde fanden das Brettspiel zu wenig «fair». Seine ersten Gehversuche als Spieledesigner auf dem Computer folgten im Teenageralter, als er sein damaliges Wohnquartier nachbaute, in dem seine Freunde zusammen interagieren konnten.

Und jetzt also DSWDSGKK. Die Idee, dieses zu entwickeln, sei ihm über Nacht gekommen. Zwei oder drei Monate – so genau weiss er es selbst nicht – hat er daran gearbeitet. Über TikTok stellte er seine Idee vor. «Immer mehr Leute haben die Idee kommentiert. Sie fanden es cool.»

Über 130 Leute trugen sich auf einer Warteliste ein, die er für die Erscheinung des Spiels erstellt hatte. Geblieben sind ein paar Dutzend Gamer, die regelmässig ihre Gemeinden in den «Krieg» schicken.

120-Franken-Kampf um Zürich

Ab 5 Franken ist man dabei und kann sich eine Gemeinde kaufen. Allerdings hat das Game einen Haken: Wer eine Gemeinde kauft, kann nicht sicher sein, dass er diese auch behält. Denn Spieler können jederzeit überboten werden wie bei einer Auktion, die nie endet. Mit der Konsequenz, dass der Spieler seine Ortschaft verliert. Hat er keine weitere Gemeinde, ist er vom Game ausgeschlossen, sofern er nicht wieder Geld investiert.

So ergangen ist es einem Gamer, der sich die Stadt Zürich für 5 Franken kaufte. Letztlich bezahlte er 50 Franken – und besitzt Zürich nun trotzdem nicht. Sein Kontrahent – ein User namens ZueriLove – gab insgesamt 70 Franken aus, um die Gemeinde zu erobern.

«Ja, da haben sich zwei intensiv ‹gebattelt›», sagt Pascal Scheidegger. Dass die beiden Spieler zusammen 120 Franken ausgegeben hätten, sei ihm nicht bewusst gewesen. Nachgerechnet habe er das nie. «Vielleicht muss ich mir überlegen, eine Grenze einzubauen.» Ums Geld gehe es ihm nicht, sagt Scheidegger. Sein Einkommen erziele er mit dem Verlag.

Kantönligeist und Rütlischwur

Die Spieler will er mit Herausforderungen bei Laune halten. So müssen sie gewisse Aufgaben erfüllen, um Erfahrungspunkte zu sammeln. Diese können sie wiederum einsetzen, um liebevoll designte Skill-Karten freizuschalten: Kantönligeist, Helvetia, Chrüsimüsi, Fasnacht, Rheinfall, Rütlischwur oder Cervelat-Prominenz. Jede Karte hat einen bestimmten Wert in den Kategorien Tradition, Stärke, Genuss und Ulk. Diese Faktoren entscheiden zusammen mit einer virtuell gewürfelten Zahl die Schlacht.

Eine Karte spezifisch fürs Glattal hat der Dübendorfer Erfinder jedoch nicht kreiert, doch er ist offen dafür. «Wenn ich es ein wenig weiterspinne ... Mal schauen, vielleicht fällt mir noch was ein.»

Kampagne und neue Gegenstände

Pascal Scheidegger will sein Game mit Updates weiterentwickeln. Neu hat er einen Marktplatz eingeführt, wo Spieler ihre Gemeinden an andere verkaufen können. Weiter sind nun sammelbare Gegenstände und ein Kampagnenmodus Teil des Spiels. Allenfalls will er eine Kampagne spezifisch fürs Glattal kreieren.

Karte mit einer Armbrust darauf.
Dübendorf hat nun sein eigenes spezifisches Item, das von den Spielern gesammelt werden kann.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns