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Sie nennen es Golf, spielen aber mit Frisbees und Körben

Was zum Geier ist eigentlich Disc Golf? Ein Verein will den noch unbekannten Sport ins Oberland holen. Doch es gibt Herausforderungen.

Lukas Hefti (links) und Andreas Erni sind die Mitgründer des Vereins Schiibe Chlöpfer.

Foto: Mel Giese Pérez

Sie nennen es Golf, spielen aber mit Frisbees und Körben

Eine unbekannte Sportart

Was zum Geier ist eigentlich Disc Golf? Ein Verein will den noch unbekannten Sport ins Oberland holen. Doch es gibt Herausforderungen.

Mit reichlich Gepäck treffen sich Lukas Hefti und Andreas Erni bei der Wiese hinter der Eishalle in Wetzikon. Aus einem der Rucksäcke zieht Erni ein Gerüst heraus, das aussieht wie ein Korb aus Ketten. «Solange wir keine anständige Anlage haben, spielen wir eben mit diesem portablen Fangkorb», erklärt er.

Eben dieser Korb ist sozusagen das Tor einer Sportart, die wohl den wenigsten bekannt sein wird: Disc Golf, eine Golfvariante mit Frisbees. Gekonnt lassen Erni und Hefti farbige Scheiben durch die Luft flitzen, verpassen den Korb teilweise nur knapp.

Bis 2023 konnte man im Sport- und Erlebnispark Milandia in Volketswil noch Disc Golf spielen. Doch Ende September desselben Jahrs schloss der Park und somit auch eine der letzten Gelegenheit in der Region.

Das Ende des Sports im Oberland? Davon wollten sie nichts wissen. Also gründeten die Wetziker Daniel Ringgenberg und Andreas Erni und der Ustermer Lukas Hefti den Verein Schiibe Chlöpfer Züri Oberland. Sie verfolgen damit das Ziel, eine Disc-Golf-Anlage im Oberland zu errichten.

Gerade läuft ein Crowdfunding dafür. Den Minimalbetrag von 3300 Franken haben sie bereits übertroffen, der Wunschbetrag liegt bei rund 16’500 Franken.

Das Golf fürs Volk?

Wie beim regulären Golf spielt man auf einer Anlage mit 18 Bahnen. Jede Bahn hat einen Fangkorb – oder auch Loch genannt –, ist zwischen 40 und 250 Meter lang und hat eine vorgesehene Anzahl Würfe, das Par. Gespielt wird mit einem etwas kleineren Frisbee, der Disc. «Es ist eigentlich das Golfen fürs Volk», witzelt Andreas Erni.

Lukas Hefti stimmt ihm jedoch zu. «Es braucht nicht viel, weswegen es so zugänglich ist. Eine Disc erhält man schon für 10 Franken. Das war es schon.» Die Nähe zur Natur ist gewährleistet, die Regeln sind einfach, und von Jung bis Alt kann jeder mitmachen. «Es gibt keine elitären Prüfungen oder Knigge-Regeln – bis auf die Regel, mit der Natur achtsam umzugehen.» Material braucht es neben einer Anlage kaum – und diese kann auf der Wiese gebaut werden wie auch im Wald.

«Neun Löcher reichen eigentlich schon aus, um gut spielen zu können», sagt Hefti. Mit «gut» meint er aber nicht nur den Spassfaktor, es geht ihm auch um das Niveau. Je mehr Bahnen, desto mehr Abwechslung, desto besser kann man die Technik und Strategie trainieren. Damals in der Milandia gab es zehn Bahnen – der Eintritt kostete 5 Franken.

Vier, aber am liebsten neun «Löcher»

Eigentlich kann man in Uster auf dem Buchholz-Areal noch Disc Golf spielen. Heute sind von den einstigen neun Körben noch vier übrig. Doch die Anlage deckt nicht ganz alle Bedürfnisse. «Aus unserer Sicht ist der Kurs auf dem Buchholz nicht mehr wirklich spielbar.» Das läge nicht nur an der gemischten Nutzung – auf dem Buchholz finden jegliche Sportarten zusammen –, sondern auch an der problematischen Platzierung der Körbe in der Nähe von Strassen oder Parkplätzen sowie die unübersichtliche Streckenführung durch die Finnenbahn.

Im Kanton gibt es neun Disc-Golf-Anlagen, gleich beim Bahnhof Stettbach hat der Golf-Kurs Mattenhof acht Bahnen. «Aber es ist wie bei allem, je weiter weg man davon ist, desto komplizierter wird es, regelmässig zu trainieren», sagt Hefti.

Vier Körbe wären für den Verein schon mal ein Anfang. Mit den 5611 Franken, die die Schiibe Chlöpfer in ihrem Crowdfunding bereits eingenommen haben, könnten sie diese bereits installieren. Ein Fangkorb kostet bis zu 750 Franken, der restliche Betrag ist für Markierungen und Regeltafeln gedacht. Doch der Verein will eine grössere Anlage bauen. «Eine Neun-Loch-Anlage wäre super», sagt Erni.

Standort noch unbekannt

Einen Standort haben die Schiibe Chlöpfer noch nicht. «Wir stehen mit der Stadt Uster im Kontakt. Dort könnte sich etwas Kleines ergeben», sagt Erni. Auch in Wetzikon haben sie ein Terrain im Auge, die Meierwiesen hinter der Eishalle.

Sie spüren von den Behörden eine gewisse Skepsis. «Es ist klar, dass die Anlage nicht im Naturschutzgebiet sein darf, aber Disc Golf ist sehr nachhaltig», erklärt Hefti. Es brauche nicht einmal eine Baubewilligung, um einen Korb anzubringen. Lediglich eine Schraube muss in den Boden. «Und es kann alles ohne Schaden zurückgebaut werden.»

Die Stadt Uster spricht nicht von Skepsis, sondern von Herausforderungen: «Die grösste Herausforderung besteht darin, einen geeigneten Standort zu finden, welcher den gewünschten Anforderungen entspricht. So soll es ein weitläufiges, grossflächiges Areal sein. Ein hochfrequentierter Ort, der Gehwege, Bahngleise, Strassen oder Parkplätze kreuzt, fällt daher weg», sagt Nina Kündig, Co-Leiterin LG Sportförderung in Uster.

Der Austausch mit dem Verein sei konstruktiv gewesen. «Wir haben die aktuelle Situation besprochen und die Bedürfnisse des Vereins aufgenommen», sagt Kündig. Die Möglichkeiten für eine kleinere Anlage seien noch offen, aber nicht konkret. Der Verein müsse jetzt jedoch selbst Standorte vorschlagen und ein Konzept einreichen. Danach würden die Möglichkeiten sorgfältig geprüft.

Ein Profi im Oberland

Obwohl der Sport so unbekannt ist, gibt es in der Region durchaus Disc-Golf-Grössen. Die Fällanderin Natalie Holloköi ist eine erfolgreiche Spielerin auf internationaler Ebene, die 2024 die Swiss Disc Golf Championships gewonnen hat. «Ich trainiere regelmässig in Winterthur oder in Zürich. Wenn ich aber etwas mehr Technik üben will, dann gehe ich auch mal auf einen Fussballplatz», sagt Holloköi.

Die spannendsten Anlagen haben nach wie vor die nordischen Länder, wo der Sport boomt. «Wenn ich in Schweden oder in Finnland bin, sind die Möglichkeiten viel grösser. Man hat Hindernisse wie Baumalleen oder muss über Gewässer schiessen, das macht den Sport viel interessanter.»

Natalie Holloköi am trainieren.
Natalie Holloköi ist Schweizer Meisterin und Disc-Golf-Profi aus Fällanden.

Dort habe man erkannt, dass sich die Natur gut mit dem Sport verbinden liesse, Hemmungen vor einer Anlage mitten im Wald hätte man nicht. «Hier zögern die Behörden, weil sie den Sport nicht kennen und nicht einschätzen können, wie verträglich es tatsächlich mit der Natur ist, dort hingegen ist es eigentlich normal und gehört dazu», sagt Holloköi.

Sie ist überzeugt, dass eine Anlage im Oberland viele positive Auswirkungen hätte, nicht nur für Profisportlerinnen: «Es ist ein schöner Sport, den wirklich jeder machen kann. Das Oberland hat so viel Platz und ist sowieso schon ein Naherholungsgebiet. Das Disc Golf würde dem zusätzlich dienen.»

Aber was passiert, wenn die Schiibe Chlöpfer keinen Standort erhalten? «Das ist eigentlich gar keine Option», sagt Erni. «Ich glaube, es ist nicht eine Frage des ob, sondern des wann. Denn Platz gibt es in der Region ja.»

Eine Randsportart zwischen Ehrgeiz und Spass

Sobald der Verein eine Bewilligung für einen Standort erhält, wird das Vorhaben vom Dachverband Swiss Disc Sports unterstützt. Seit 2012 ist der Verband Mitglied bei Swiss Olympic und unterhält eine Leistungsvereinbarung zur Förderung des Sports.

Durch das Förderkonzept soll der Nachwuchs trainiert, Athletinnen und Athleten unterstützt, Wettkämpfe organisiert und generell Disc Golf professionalisiert werden. Mit dem Projekt «Parked!» unterstützt der Verband Swiss Disc Sports Installationen von Anlagen.

Trotz all dieser Strukturen bleibt Disc Golf in der Schweiz eine Randsportart. Gerade einmal 24 Klubs gibt es landesweit. Gleichzeitig hat die Schweiz eine Nationalmannschaft, die in den letzten Jahren regelmässig an Meisterschaften Medaillen holten.

Während Erni Disc Golf als ein liebes Hobby sieht, wo der Spass im Vordergrund steht, ist Hefti ehrgeiziger: «Ich will schon besser werden und trainieren können.» Beide sind überzeugt: Mit einer vernünftigen Anlage steigt im Oberland auch das Niveau der Spielerinnen und Spieler.

Erni holt zum Wurf aus, hält dann aber doch inne: «Wenn ich jetzt ein ‹Ace› mache, also direkt in den Korb treffe, dann hast du das hoffentlich gefilmt. Das ist nämlich noch nie passiert.»

Disc Golf im Oberland

Mit einem Crowdfunding wollen die Schiibe Chlöpfer Züri Oberland am liebsten eine Neun-Loch-Anlage in der Region errichten. Den Minimalbetrag für vier Körbe haben sie bereits erreicht. Noch bis zum 25. Mai 2025 sammelt der zehnköpfige Verein Geld für eine Neun-Loch-Anlage.

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