Open Air in Bauma hat sich von der WG-Party zum Festival gemausert
Musikfestival im Tösstal
Innert acht Jahren machten die Organisatoren das Althörnli Open Air von der improvisierten Party zum gestandenen Festival. Am kommenden Wochenende steigt die Party zum sechsten Mal. Das hat auch mit Glück zu tun.
Das Rauschen der Töss, Kuhglockengebimmel und das Knattern eines Traktormotors – das ist vertrautes Terrain für Tösstaler Ohren. Eingängige Melodien und wummernde Bässe gehören nicht dazu. Das dürfte viele freuen. Doch wer Letztere sucht – Stichwort Festivalsommer –, muss trotzdem nicht in urbanere Gegenden aufbrechen.
Denn mit dem Althörnli Open Air in Bauma hat das Tösstal sein ganz eigenes, dreitägiges Festival. Und das nicht erst seit gestern. Kommendes Wochenende findet es bereits zum sechsten Mal statt.
Mit 13 Acts und rund 200 Gästen pro Tag zählt es zu den kleineren Festivals in der Region. Dass es bisher weitgehend unter dem Radar flog, hat mit den Ursprüngen des Events zu tun – und mit den Menschen, die dahinterstecken.
Entstanden ist das Althörnli Open Air aus einer Geburtstagsparty, die eine Ustermer WG für einen ihrer Mitbewohner organisierte. Das war im September 2017.
Vom Geburtstagsfest zum Open Air
«Wir stellten ein eintägiges Fest auf die Beine und luden Kollegen von uns ein, die in einer Band spielten», erinnert sich OK-Präsident Jan Copes. Austragungsort war die Wiese neben dem Elternhaus eines Freunds im Althörnli in Steg. Heute ist davon nur der Name geblieben.
Schnell zeichnete sich ab, dass aus der Party mehr werden sollte als ein Geburtstagsfest im Kreis von Mitbewohnern und Freunden. «Es war so cool, dass wir beschlossen, noch mal so etwas zu machen», sagt Copes, «aber über zwei Tage verteilt, um den Aufwand zu rechtfertigen.»
Ein Jahr später war es so weit – zehn Bands standen im Programm, ein neuer Stern am Festivalhimmel war aufgegangen. Das Motto stand schnell fest: «Wir wollten ein Festival machen, das wir selbst gerne besuchen würden», sagt Copes.
Will heissen: ein Festival an einem schönen Ort, mit guter Musik, qualitativem Essen und der Möglichkeit, den Alltag kurz zu vergessen. Ohne Menschenmassen und nicht profitorientiert.
Mit diesem Gedanken im Kopf und ohne Werbebudget trommelte die sechsköpfige WG rund 200 Gäste zusammen. «Das war ein rechter Sprung und die Organisation ziemlich ‹freestyle›.»
Bewilligung? Gab es keine. Eine Info an die Nachbarn musste genügen. Einzige Bedingung des Bauern, der seine Wiese als Festivalgelände zur Verfügung stellte: Das Fest muss nach dem Heuen stattfinden, damit die Besucher das Feld nicht kaputt trampeln.
Lokale Bands im Programm
Nicht weniger improvisiert war die Tontechnik auf der selbst gebauten Bühne. «Mein Mitbewohner und ich hatten eine ungefähre Ahnung davon, weil wir ab und zu auf Konzerten den Eventtechnikern zugearbeitet hatten», sagt Copes. Den Rest erledigten sie mithilfe von Youtube-Tutorials und einem ersteigerten Mischpult.
Heute, acht Jahre später, ist alles ein wenig anders. Das neunköpfige OK ist jetzt ein Verein, das Open Air kein spartanisch organisiertes Fest mehr. Sondern vielmehr ein Event mit gebuchten Künstlern, lokalem Catering, Vorverkauf und Komposttoiletten. «Dieses Jahr haben wir sogar erstmals eine Eventversicherung», erzählt Copes begeistert.
Mit dem Wachstum stiegen auch die musikalischen Erwartungen an die Auftritte. Zwar schaut man nicht auf die Anzahl Spotify-Streams, und die grossen Namen sucht man im Line-up des kleinen Open Airs vergeblich. «Aber das Niveau hat sicher zugenommen. Früher haben wir noch jeden auf die Bühne gelassen, der ein Instrument bedienen konnte», sagt der OK-Präsident.
Stilmässig ist das Althörnli Open Air ein bunter Strauss: Von Reggae über Worldmusic bis hin zu Punk ist jedes Genre willkommen. Die Künstler sind zumeist jung und oft aus der Region. Mit den Illegal Aliens ist dieses Jahr etwa eine Rockband aus Wila im Programm.




Geändert hat sich über die Jahre der Austragungsort – wenn auch nicht ganz freiwillig. Nachdem die Familie des ehemaligen Mitbewohners aus Fischenthal weggezogen war, tat es das Festival ihr gleich. Der Event wurde ins Gebiet Halden in der Nähe des Weilers Seewadel verlegt.
Naturschützer ziehen Reissleine
Doch selbst damit war bald Schluss. Das Amt für Landschaft und Natur entzog dem OK die Bewilligung, nachdem die Gemeinde bereits ihr Okay gegeben hatte.
Der Grund: Das Festivalgelände liegt in der Nähe eines Naturschutzgebiets von kantonalem Interesse. Zudem hätte das Festival laut Kanton die Rehkitze und ihre Mütter während ihrer Setzzeit gestört.
Nach einer Begehung erteilte das Amt eine einmalige Ausnahmebewilligung. Dieses Jahr startete der Verein einen neuen Versuch für eine Genehmigung – und scheiterte erneut am Kanton.




Da half es auch nicht, dass die Organisatoren dem Amt die Hand reichen wollten: etwa mit speziellen Abschrankungen und Bodenschutzmatten. «Wir haben ihnen sogar angeboten, unser Open Air für Aufklärungsarbeit zu nutzen», sagt Copes.
Frustrierend sei der Entscheid aber vor allem aus einem Grund: «Uns ist die Natur selbst ein grosses Anliegen, und wir unternehmen viel, um diesen Eingriff so verträglich wie möglich zu gestalten.» Die Absage fühle sich an, als werde einem «vom eigenen Team eins ausgewischt».
Holzhütten statt Festzelte
Immerhin – eine Ausweichmöglichkeit war schnell gefunden. Eine Wiese in Bliggenswil, gut 25 Gehminuten vom Bahnhof Bauma entfernt, sollte es richten. Den Landwirt kannten die Organisatoren bereits flüchtig. «Er findet es gut, dass etwas läuft», meint Copes.
Der Verein will nicht nur verschiedenste Künstler, sondern auch ein diverses Publikum anlocken. Copes beschreibt es so: «Wenn der Student aus Zürich mit der Bäuerin aus Fischenthal ins Gespräch kommt, dann ist das doch etwas vom Schönsten.»
Trotz Wachstum hält das Open Air an seinen ursprünglichen Werten fest – es ist nicht profitorientiert und werbefrei. Zur Philosophie gehört nicht zuletzt der «hausgemachte» Charakter des Festivals. «Wir bauen alles selbst, du siehst auf dem ganzen Gelände kein einziges normales Festzelt», erklärt Copes.
Das soll auch in Zukunft so bleiben. «Das Open Air soll finanziell auf eigenen Beinen stehen, aber weiterhin ein Hobbyprojekt bleiben. Und es soll jedes Jahr ein kleines Stück besser werden.»
Hinweis: Das Althörnli Openair findet vom Freitag, 28. bis Sonntag, 30. Juni in Bauma statt. Weitere Informationen zu Eintritt, Programm und Standort findet man auf dieser Webseite.