Bald gehen in Kollbrunn die letzten «Thüringer» über die Theke
Rostbratwurst-Imbiss macht dicht
Nur wenige Wochen nach dem Ein-Jahr-Jubiläum ist alles aus. Der Traum vom Rostbratwurst-Imbiss an den Toren zu Kollbrunn ist geplatzt. Dabei hätten die Betreiber im Sommer so richtig durchstarten wollen.
Es war eine einzigartige Geschäftsidee, mit der sich der heute 80-jährige Conradin Joos letzten Frühling in die Selbständigkeit wagte. Gemeinsam mit seinem Freund, dem gebürtigen Thüringer Jens Koch, eröffnete er am Ortseingang von Kollbrunn einen Imbiss mit ostdeutschen Spezialitäten.
Im Fokus: die Rostbratwurst Thüringer Art. Nun nimmt die Geschichte ein jähes Ende. Der Essensstand steht vor dem Aus. Bis Ende März dürfen Joos und sein Geschäftspartner noch Gäste bedienen. Dann heisst es Zelte abbrechen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Es fehlt dem Betrieb aber nicht etwa an Kundschaft. Auch wenn Joos durchblicken lässt, dass es noch Luft nach oben geben würde: «Wir hätten sicher Gas geben müssen, aber wir hätten weitergemacht.» Und auch Kollege Koch ist sich sicher: «Diesen Sommer hätte das Ganze so richtig ins Rollen kommen können.»
Denn das Konzept mit den Thüringer Spezialitäten sei stets gut angekommen, und man habe praktisch nur Positives gehört. Kürzlich bewirteten sie sogar eine 30-köpfige Gruppe, die das ganze Zelt füllte.
Nicht bewilligungsfähig
Das Problem liegt anderswo. Der Imbissstand benötigt eine Baubewilligung. Vergangenen Herbst reichte Joos deshalb ein nachträgliches Baugesuch ein. Anfang Januar folgte die vernichtende Antwort – ein Schreiben mit mehreren Gründen, weshalb die Gemeinde das Vorhaben in seiner jetzigen Form nicht bewilligen kann.
Demnach werden die Gestaltungsanforderungen nicht eingehalten. Im Planungs- und Baugesetz ist von einer «befriedigenden Gesamtwirkung» die Rede, die bei der Gestaltung von Bauten erreicht werden muss – auch in Bezug auf verwendete Materialien und Farben.
Weiter stellt die Gemeinde einen Verstoss gegen das Gastgewerbegesetz fest, weil im Zelt geraucht wird. Und sie wirft den Betreibern vor, das Energiegesetz nicht einzuhalten. Denn das Vorzelt mit den Sitzplätzen wird mit einer Gasheizung beheizt.
Es ist aber vor allem eine Passage im Brief, die bei Joos und seinem Kameraden für Unverständnis sorgt. «Sie beantragen eine unbefristete Baubewilligung», schreibt das Amt dort. «Konkret ausgedrückt heisst das, dass das Gebäude gleich zu beurteilen ist, unabhängig davon, ob dieses nun provisorischen Charakter hat oder aus massiven Materialien gebaut ist.»
«Ich verstehe nicht, wieso die Gemeinde den Stand als fixe Baute und nicht als Provisorium ansieht», sagt der Unternehmer, «und wieso sie keinen Unterschied macht zwischen Imbiss und Gaststätte.»
Schliesslich sei klar, dass es sich nicht um eine dauerhafte Lösung handle. «Wir haben einen ganz normalen Mietvertrag mit den Eigentümern des Grundstücks, mit jeweils drei Monaten Kündigungsfrist.»
Das gesamte ehemalige Spinnerei-Areal gehört der Swiss Property AG, die dort längerfristig Pläne für ein neues Quartier hegt. Für den Stand hat Joos von den Eigentümern eine befristete Zusage für fünf Jahre erhalten.
Die Krux mit den provisorischen Bauten
Eine kurze Umschau zeigt: Der Umgang mit temporären Bauten wie Imbissständen ist nicht überall gleich. Grössere Gemeinden, so etwa die Städte Uster und Wetzikon, halten in Merkblättern fest, wie sie solche Bauten handhaben.
So ist etwa in Wetzikon ausnahmsweise eine befristete Bewilligung möglich, selbst wenn nicht alle Vorschriften eingehalten werden. Diese ist aber an Bedingungen geknüpft. In der Gemeinde Zell gibt es nichts dergleichen, wie das Bauamt auf Anfrage bestätigt.
Den Begriff einer temporären Baute gebe es im übergeordneten Baurecht nicht, so die Gemeinde. Entsprechend werden in Zell Vorhaben mit provisorischem Charakter gleich beurteilt wie jene, die auf dauerhafte Nutzung ausgelegt sind. Ausnahmen gibt es keine.
Beim Schreiben aus dem Januar handelte es sich noch nicht um einen definitiven Entscheid. Vielmehr hat die Gemeinde Joos’ Baugesuch sistiert. Für die weitere Prüfung hätte er innert eines Monats weitere Unterlagen einreichen müssen – für ihn ein aussichtloses Unterfangen. Deshalb hat er sein Gesuch zurückgezogen.
Dass sein Projekt damit vorläufig gescheitert ist, tut dem Inhaber vor allem auf einer menschlichen Ebene leid. «Die Idee war, meinem Freund zu helfen, über die Runden zu kommen.» Seitdem Jens Koch, seines Zeichens Lkw-Chauffeur, seine Zulassung verloren hat, tut er sich schwer, einen Job zu finden.
Auch deshalb wollen die beiden Männer nicht aufgeben. «Wir versuchen jetzt, mit dem Imbisswagen auf Märkten Fuss zu fassen», sagt Joos. Doch zunächst steht am kommenden Wochenende eine Abschiedsparty an. Dann gehen im Rostbratwurst-Imbiss noch einmal waschechte «Thüringer» über die Theke.