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Ein E-Bike-Erlebnis für die Seele

Die Herzroute ist eine E-Bike-Route der besonderen Art. Eine Reportage auf der «Route 99» von Wattwil durch das Zürcher Oberland nach Rapperswil.

Ein E-Bike-Erlebnis für die Seele

Verlagsbeilage «Mobilität»

Die panoramareiche Herzroute wurde spezifisch für E-Bikes ausgelegt und führt mit 13 Etappen von Romanshorn bis Lausanne quer durch die ganze Schweiz. Eine dieser Etappen schlängelt sich ab Wattwil über die Toggenburger Hügel durch das Goldingertal ins malerische Zürcher Oberland.

Die perfekt ausgeschilderte E-Bike-Route – die «Route 99» – führt auf ausgesuchten, verkehrsarmen Wegen und Strässchen durch touristisch wertvolle Regionen und Ortsbilder der Schweiz. Die Route kann sowohl in Romanshorn als auch in Lausanne gestartet werden und bietet dank ihren 13 Tagesetappen-Start- und -Endpunkten Flexibilität für die Velofahrerinnen und -fahrer. Auf einer dieser Etappen wird das Zürcher Oberland durchquert.

Diese neu geschaffene Höhenverbindung in Richtung Zürichsee ermöglicht den Wechsel von einem Kanton in den anderen – und das mit dem Velo. Die Strecke führt entlang den voralpinen Hangflanken ins Goldingertal, wo sich das atemberaubende Panorama über den Zürichsee eröffnet, weiter über den Hasenstrick am Bachtel und schliesslich in das zauberhafte Rapperswil. Wir haben diesen Herzroute-Abschnitt getestet und sind mit E-Bikes von Wattwil nach Rapperswil gefahren.

Von Wattwil über den Oberricken zum Atzmännig

An einem lauen Sommermorgen treffen wir uns in Wattwil, dem heutigen Startpunkt unserer Herzroute-Etappe, und holen unsere Leih-E-Bikes bei einem Partnerladen der Herzroute ab. Obwohl die «Route 99» – sofern man gut trainiert ist – auch mit herkömmlichen Fahrrädern befahren werden kann, haben wir uns dazu entschieden, die Etappe durch das Zürcher Oberland originalgetreu mit E-Bikes zu erleben. An jedem Etappenort der Herzroute können sich auch diejenigen, die kein eigenes elektrisches Fahrrad besitzen, bei einer Vermieterstation ausrüsten lassen (Reservation erforderlich).

Milde 19 Grad beträgt die Aussentemperatur morgens um 9 Uhr, und die Sonne kämpft sich bereits durch die Restwolken der vergangenen Gewitternacht. Wir sind guter Dinge und starten unsere Testfahrt zwar unter etwas Zeitdruck, da es mittags wieder zu gewittern beginnen soll, aber dennoch voller Vorfreude. Unser erstes Ziel ist der Anstieg, der uns von Wattwil aus auf den Oberricken führt.

Langsam klart der Himmel auf, die Luft auf dem Hügel fühlt sich frisch und sauber an, die Energie von Bikes und Bikenden ist aufgeladen, und der Blick in die grüne Landschaft lässt den Alltagsstress direkt vergessen. Inmitten von saftig grünen Sommerwiesen schlängelt sich die Strecke an kleinen Bauernhöfen und dichten Wäldern vorbei. Und die geliehenen E-Bikes transferieren uns nach der Überquerung des Oberricken und einer kurzen Eingewöhnungszeit tadellos in Richtung Abenteuerort Atzmännig.

Rasante, kurvenreiche Abfahrt

Am Atzmännig angekommen, legen wir eine erste kurze Pause ein, geniessen den Ausblick ins Goldingertal und testen die E-Bike-Ladestation an unseren Leihvelos aus. Auf dem Atzmännig, direkt vor dem Restaurant bei den Veloständern, können die elektrischen Zweiräder aufgeladen werden, was später eine sorgenfreie Weiterfahrt garantiert. Währenddessen gönnen wir uns eine erste kleine Kaffeepause.

Da sich der Himmel langsam von Norden her verdunkelt und die Wolken den Kampf gegen das Sonnenlicht aufnehmen, entscheiden wir uns nach einem Blick auf das Regenradar, schon bald wieder weiterzufahren, in der Hoffnung, dem Regen zu entkommen.

Die «Route 99» ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Auf und Ab. Einerseits führt sie uns nochmals einige steile Anstiege hinauf zu wunderschönen Aussichtspunkten, andererseits bietet sie aber auch immer wieder rasante Abfahrten. So passieren wir Weidewirtschaften, Käsereien und Unterholz und erreichen entlang der sonnigen Talflanke oberhalb des Dorfs Wald das Zürcher Oberland.

Grosser Spass trotz Regenwetter

Während sich die dunklen Wolken zu entleeren beginnen und wir die ersten dicken Regentropfen auf unserer Haut spüren, fahren wir im Streifzug an Gibswil und Hueb bei Wald vorbei und sagen dem stämmigen Bachtel den Kampf an. Mit seinen 1115 Metern über Meer gehört er zu den höchsten Gipfeln im Zürcher Oberland. Das spüren auch unsere Beine, während wir ihn erklimmen und nach diesem intensiven Aufstieg unser nächstes Ziel, der «Hasenstrick», vor unseren Augen erscheint.

Der «Hasenstrick» ist ein Landgasthof, dessen Restaurantterrasse einen atemberaubenden Panoramablick über den Zürichsee und auf die Innerschweizer Alpen bietet. Je näher wir dem Aussichtspunkt kommen, desto trockener werden auch die Strassen wieder. Eigentlich wäre es schön, hier nochmals eine Pause einzulegen, um den grandiosen Ausblick auszukosten. Doch die zwar noch entfernten Blitze und das leise Grollen des Donners lassen uns diesen Gedanken schnell wieder vergessen.

Stattdessen fahren wir weiter, um beim Ritterhaus in Bubikon, das direkt an der Herzroute liegt, Schutz zu suchen. Der Fahrtwind streicht uns durchs Haar, als wir die relativ steile Strasse vom Bachtel in Richtung Hadlikon und Bubikon hinunterrasen und uns auf kleinen asphaltierten Feldwegen zum Ritterhaus fortbewegen. Trotz hoher Geschwindigkeit und maximaler elektrischer Unterstützung holen uns die ersten Regentropfen bereits wieder ein, als die über 800 Jahre alten Steinmauern vor uns auftauchen.

E-Bike vor normalem Velo

Das Ritterhaus gilt als die am besten erhaltene Kommende des Johanniterordens in Europa, und wir lassen es uns nicht nehmen, einen Blick hinter diese ehrwürdigen Gemäuer zu werfen – nass werden wir nun sowieso, denn es regnet bereits in Strömen. Nachdem wir den historischen Ort wieder verlassen haben, erreichen wir schon bald den Egelsee. Das Seebad liegt im Bubiker Moor-Naturschutzgebiet und bietet in der warmen Jahreszeit eine wohltuende Abkühlung sowie eine Grillstelle, die zum Picknick einlädt.

Nach diesem kleinen Naturparadies passieren wir innert Kürze die zahlreichen Villen am Ufer des Zürichsees und erreichen durchnässt, aber glücklich unser Etappenziel an der Seepromenade in Rapperswil. Nach diesen drei Stunden Velofahrt sind wir überzeugt: Diese Teilstrecke der Herzroute ist in erster Linie panoramareich und auch bei schlechtem Wetter eine absolute Empfehlung.

Die «Route 99» ist von Wattwil nach Rapperswil perfekt ausgeschildert, was ein mühsames Verfahren komplett ausschliesst. Wegen der zahlreichen Auf- und Abstiege empfiehlt es sich für Genussvelofahrerinnen und -fahrer aber definitiv, den Elektroantrieb dem normalen Velo vorzuziehen, denn die «Herzroute» wurde wohl nicht umsonst für E-Bikes konzipiert. (Text: Tanja Frei)

Informationen zur Etappe

Strecke: Wattwil–Rapperswil
55 Kilometer, 850 Höhenmeter, sehr hügelig
Naturstrassen: 2 Kilometer
Fahrzeit: zirka 3 bis 4 Stunden
Routenführer können bei der Herzroute AG kostenlos bestellt werden.

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