«Etwas mehr Ordnung in der Küche wäre besser gewesen»
Volketswiler Koch gewinnt Gold
Ivan Capo holte diese Woche mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Olympiade der Köche zweimal Gold. Im Interview sagt der Volketswiler, wieso er zwischen den Wettkämpfen nur drei Stunden geschlafen hat.
Herr Capo, an einem Wettkampf zählen nur die Medaillen. War das bei der Olympiade der Köche in Stuttgart auch so?
Ivan Capo: Natürlich will jeder Gold holen. Für mich war es aber auch eine schöne Erfahrung. Dass wir nun tatsächlich schon am ersten Tag eine Goldmedaille gewannen, ist grossartig.
Die Schweizer Mannschaft war favorisiert. Haben Sie entsprechend Druck gespürt?
Ja, aber die Anspannung legte sich bald, und ich kam in einen Flow. Dem ganzen Team schien es so zu ergehen.
Einige haben Schweizer Fahnen geschwungen und ‹Hopp Schwiiz› gerufen.
Gab es trotz anfänglicher Nervosität keine Pannen?
Etwas mehr Ordnung in unserer Küche wäre sicherlich besser gewesen. Wir machten aber kaum Fehler, sonst wären wir nicht mit Gold belohnt worden.
Zur Person
Der 28-jährige Ivan Capo wohnt zusammen mit seiner Ehefrau in Volketswil. Vor rund neun Jahren ist er mit ihr von Süditalien nach Dübendorf gekommen, wo er zwei Jahre im Restaurant Il Faro Grotto arbeitete. Bevor er als Küchenchef im Restaurant Weisses Rössli in Zürich eingestiegen ist, arbeitete er unter anderem im Hotel-Restaurant Sonnental in Dübendorf und im renommierten «Dolder» am Zürichberg. In seiner Freizeit spielt Ivan Capo Fussball beim FC Glattal Dübendorf oder fährt Velo.
Auf Youtube sind Impressionen von der letzten Olympiade der Köche mit eingefleischten Fangruppen zu sehen, die den Mannschaften mit Trommeln einheizen. Waren in Stuttgart auch frenetische Schweizer Fans, die Sie anfeuerten?
Es waren sicher weit mehr als 100 hier. Einige haben Schweizer Fahnen geschwungen und «Hopp Schwiiz» gerufen. Und auch Trommeln waren in unserer Fangruppe zu hören. Während des Wettkampfs habe ich die Anfeuerungen nicht mehr mitbekommen, weil ich nur noch auf die Arbeit fokussiert war.
In einer Küche geht es zuweilen ruppig zu und her. Wie war die Atmosphäre im Schweizer Kochteam?
Wir sind ein junges Team. Jedes Mitglied hat einen starken Charakter, doch Reibereien gab es eigentlich nie. Ausserdem haben wir einen guten Mental Coach, der uns betreut und Harmonie ins Gefüge bringt.
Wirklich? Es gibt einen eigenen Mental Coach?
Ja, er stimmte uns jeweils am Morgen auf den Tag ein. Wir legten uns auf eine Matte, hörten sanfte Musik, und der Coach hielt währenddessen eine Ansprache.
Wie war es kurz vor Kochbeginn: Haben sich alle wie Sportler auf den Wettkampf eingeschworen?
Bevor wir starteten, standen wir im Kreis, umarmten uns und riefen «Hopp Schwiiz» und «One team – one dream». Das machten wir auch während des Kochens ein paarmal. Etwa, wenn einer von uns ein wenig Aufmunterung brauchte, weil es ihm gerade nicht so lief.
Was ist für Sie anstrengender, ein Arbeitstag als Küchenchef im Restaurant Weisses Rössli in Zürich oder ein Tag in Stuttgart?
Die Olympiade war härter. In meiner Küche kann ich routiniert und in Ruhe arbeiten. In Deutschland standen ständig Juroren in der Küche, um einen zu beobachten. Und mit den vielen anderen Teams und den zahlreichen Fans war in der Halle ständig etwas los. Klar, das gehört dazu, ist aber auch ungewohnt. Ausserdem ging die Arbeit nach einem Wettkampf noch lange in die Nacht hinein. So mussten wir noch Zutaten für den kommenden Tag präparieren: Gemüse rüsten, Fleisch oder Fisch vorbereiten und Backbleche parat legen. Ich kam im Schnitt nur etwa zu drei Stunden Schlaf pro Nacht.
Was machen Sie als Erstes nach Ihrer Rückkehr nach Volketswil?
Erst mal erholen. Ich werde sicher ausschlafen, um die langen Tage an der Olympiade auszugleichen.
Die Olympiade der Köche
Die prestigeträchtige Olympiade der Köche fand vom 2. bis zum 7. Februar in Stuttgart statt. Die neunköpfige Kochnationalmannschaft rund um Ivan Capo holte zweimal Gold und in der Gesamtwertung Silber. Am letzten Samstag musste das Team ein Dreigängemenü für 110 Personen kochen. Aufgetischt haben die Köchinnen und Köche als Vorspeise gedämpften Zander mit Lupinensalat, dazu allerlei Saucen, Kräuter und Gemüse.
Das Hauptgericht kam mit einer Rehwange mit Selleriepüree an einer Wild-Sauce und Schwarzen Johannisbeeren daher, dazu Polentabällchen, gefüllt mit Speck und Bergkäse.
Und als Dessert: Sauercrème-Joghurt-Mousse mit Birnenkernen, Biskuitrolle mit cremiger Schokolade, Himbeer-Meringue, Birnentörtchen und weitere Himbeer- und Birnenkreationen.
An ihrem zweiten Wettkampftag musste die Nationalmannschaft nach genauen Vorgaben Fingerfood, eine Showplatte, eine vegane Speise, einen Hauptgang, ein Schaustück, ein Dessert sowie Petits Fours mit persönlichem Teamservice für insgesamt zehn Gäste und zwei Juroren zubereiten.
Insgesamt waren fünf Schweizer Teams am Start. Neben der Kochnationalmannschaft waren noch ein Juniorenteam, die Köche der Schweizer Armee und zwei Regionalteams dabei.