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Headstrong zeigt «Moves» im Fällander Studio

Der Hip Hop-Tänzer Massimo Calabrese bringt unserer Redaktorin ein paar Tanzschritte bei. Naja...

Hip-Hop-Tänzer Massimo Calabrese aka Headstrong ist immer einen Schritt voraus. Die Redaktorin Eleanor Rutman kommt nicht nach.

Foto: Elias Wirth

Headstrong zeigt «Moves» im Fällander Studio

Hip-Hop in Fällanden

Massimo Calabrese aka Headstrong hat sich das Hip-Hop-Tanzen selber beigebracht. Seit 13 Jahren unterrichtet er Jugendliche und Kinder. Natürlich kann unsere Redaktorin da nicht mithalten.

Massimo Calabrese beginnt den Unterricht seiner Fortgeschrittenenklasse in Fällanden mit der Frage: «Wer weiss, was wir das letzte Mal gemacht haben?» Die vier Jugendlichen Annina (18), Elliot (15), Elof (14) und Thierry (14) wissen es haargenau. Sie zeigen einige «Moves», bewegen sich souverän, langsam und in einem Fluss, es sieht etwas unmenschlich aus – und erinnert an eine Mischung aus Terminator und sich langsam bewegenden Gummibäumen.

«Genau, führt den Flow weiter, sodass der Körper ganz geschmeidig wird – und nehmt die Beine mit», coacht der zweifache Schweizer Meister des Hip-Hops. «Kommt in die Hitze der Musik, harmoniert mit ihr, das ist das Wichtigste.» Calabrese trainiert die vier Jugendlichen, die sich alle für die Schweizer Meisterschaften qualifizieren konnten.

Im Vergleich zu Calabreses Schülerinnen und Schülern müsste die Journalistin wohl noch etwas länger üben. Der Tanzlehrer zeigt ihr auch ein paar Schritte. Sie versagt jämmerlich: Sie hat die falschen Schuhe dabei, und der «Move» mit den Armen und den Handflächen geht nicht so locker-flockig, wie das beim geübten Maestro aussieht. Er nenne sich übrigens Headstrong, «weil ich als Tänzer manchmal etwas eigensinnig bin», sagt er und schmunzelt.

Selber sei er nie in eine Tanzschule gegangen, erzählt der 36-Jährige aus Greifensee. Den Hip-Hop hat er sich selbst beigebracht. Dieser Tanzstil hat ihn schon mit 13 Jahren in der ersten Oberstufe gepackt. «Ich hatte einen Schulkollegen, welcher Breakdance konnte, das hat mich fasziniert.»

Also hat sich Calabrese Videos der besten Tänzer aus aller Welt – vor allem aus Frankreich und Deutschland – angeschaut, sich dieselben Musiktracks runtergeladen und geübt. «Ich bin ein visueller Mensch, ich habe versucht, mich in die jeweiligen Tänzer hineinzuversetzen und ihre ‹Moves› zu imitieren.» In einem zweiten Schritt habe er sich einen eigenen Stil zugelegt, die Bewegungen zu seinen eigenen gemacht.

Zum Beispiel sind Les Twins aus Frankreich für Calabrese damals eine grosse Inspirationsquelle gewesen. Diese waren schon vor zwölf Jahren als 21-Jährige zu Gast in der Show der Amerikanerin Ellen Degeneres.

Eigentlich trainierte der Greifenseer zu der Zeit noch als Nachwuchs-Profifussballer bei Juventus. Doch nach einem Unfall an der Achillessehne mit einem Knochensplitter war der Traum für den damals 23-Jährigen vorbei. «Jeder träumt doch davon, Fussballprofi zu werden, aber im Nachhinein würde ich mich viel früher fürs Hip-Hop-Tanzen entscheiden.»

Vom Nachwuchsfussballer zum Hip-Hop-Tänzer

Schon vor dem Unfall ist Calabrese oft nach Zürich an Partys gefahren, zum Beispiel in die «Härterei» oder ins «Kaufleuten». «Im Klub haben sich dann jeweils Kreise gebildet, wo man gegenseitig gebattelt hat.» So habe alles angefangen. «Ich bin da einfach in den Kreis hinein und habe getanzt.» Danach habe jemand zu ihm gesagt: «Du bist gut, mach was daraus.»

Beim Tanzen hat er auch einen Kollegen kennengelernt. Gemeinsam wagten sie den nächsten Schritt: «Wir waren so überzeugt von uns, dass der Kollege uns beide direkt zur Schweizer Qualifikation angemeldet hat.» Calabrese landete prompt auf dem sechsten Platz. «Das hat mich damals schon sehr motiviert.»

Hip-Hop-Freestyle ist anders als der bekanntere Breakdance, bei dem die Akrobatik eine grosse Rolle spielt. Eines von Calabreses Vorbildern ist Waidy aus Frankreich: «Er bringt viel Ausdruck mit dem ganzen Körper rüber.»

Ende Oktober nimmt Calabrese aka Headstrong an den World Hip Hop & Popping Championships teil, diese werden von der International Dance Organisation (IDO) in Polen veranstaltet. «Mein grösstes Ziel: dabei ins Finale zu kommen», sagt der 36-Jährige. «Ich bin ja in letzter Zeit immer der Älteste unter den Teilnehmern, so was wie ein Dinosaurier.»

Wahrscheinlich sei dieses Jahr das letzte Mal, dass er mitmache. «Ich wachse so langsam aus der Szene heraus.» Gerne möchte er, noch bevor er seinen Vierzigsten feiert, eine Familie gründen. Da brauche es halt auch ein sichereres Einkommen. Er selbst sieht sich in der Informatik, kann sich aber auch einen Quereinstieg in einem Beruf mit Kindern vorstellen.

Seine Augen glänzen dennoch, als er von einem möglichen Finale erzählt. «Im Finale hast du die ganze Bühnenfläche für dich allein, und 1000 Augen sind auf dich gerichtet. In der Endrunde kannst du zeigen, was du draufhast.» An der Europameisterschaft im Sommer 2022 hat der Tanzlehrer es schon einmal auf den vierten Rang geschafft. «Das Podest habe ich da nur knapp verpasst», schmunzelt der Greifenseer.

Schweizer Meister und trotzdem Mensch geblieben

Das Unterrichten werde er eines Jobs wegen aber sicher nicht aufgeben. «Ich arbeite gerne mit Kindern und Jugendlichen, es macht mir Freude, sie zu fördern.» Er könne sie gut «catchen» und mit ihnen arbeiten. Das bestätigt auch Meck Walther, ein Vater der nach der ersten Tanzstunde an diesem Freitagabend auf seine Tochter Amanda wartet. «Ich mag Massimos Art. Obwohl er Schweizer Meister ist, ist er null überheblich», sagt Walther. Auch Amanda schwärmt von der Stunde, aber aus anderen Gründen: «Ich bin gerne mit meinen Kolleginnen hier.»

Amanda und ihr Vater Meck Walther sitzen auf dem Sofa nach der Stunde bei Headstrong.
Amanda mag es, wie Headstrong unterrichtet. Sie freut sich immer auf die Freitagsklasse.

Ursprünglich hatte Calabrese seine Tanzschule Just you – express yourself 2010 in Greifensee gegründet. Die Pandemie ist jedoch auch an der Tanzschule nicht spurlos vorübergegangen. Calabrese musste die Schule vor einem Jahr schliessen. «Nach Corona sind erst sehr viele Menschen wieder ins Hip-Hop gekommen, doch die anfängliche Euphorie ebbte leider nach einer Weile schnell wieder ab», sagt der Tanzlehrer.

So ist er dieses Jahr nach Fällanden umgezogen, wo er sich im Tanzstudio Brooklyn Dance School von Alexandra «Ally» Weber einmietet und seine Kurse gibt. «Sobald sich passende Räumlichkeiten ergeben, würde ich gerne auch wieder Kinder ab acht Jahren in Greifensee unterrichten.»

Hip-Hop-Kurse bei Headstrong

Trainingszeiten für Kinder und Jugendliche sind jeweils am Montag und Freitag. Genauere Infos sind auf der Website von Massimo Calabrese zu finden.

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