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Wildkräuter degustieren – mitten in Uster

Sind Ihnen Gundelrebe, Knoblauchsrauke und Wiesenschaumkraut ein Begriff? Ein Spaziergang durch Uster zeigt, wofür die Kräuter am Wegesrand gut sind.

Auf der Suche nach Spitzwegerich und Co.: Bei einem Spaziergang durch Uster verrät Sarah Zehnder (r.), was man mit Wildpflanzen anstellen kann.

Foto: Seraina Boner

Wildkräuter degustieren – mitten in Uster

Die Stadt ist essbar

Sarah Zehnder enthüllt grüne Schätze am Wegesrand: Was Brennnessel, Wiesenschaumkraut und Knoblauchsrauke alles hergeben und wie potent sie sind.

Eigentlich ist eine Tour bis direkt in den Stadtkern von Uster geplant. Weit kommen die Pflanzentouristen den Aabach entlang jedoch nicht, denn die Wildnispädagogin Sarah Zehnder findet alle zehn Meter ein neues Kraut, das sie vorstellen möchte.

Innerhalb von zwei Stunden zeigt sie den Wild- und Heilkräuterfans acht Schätze. Diese befinden sich alle entlang einer Strecke von einem knappen Kilometer.

Karte von Uster mit verschiedenen Heilkräutern.
Im Frühling muss man nicht weit gehen, um Kräuter zu finden, selbst in der Stadt.

Zehnder startet mit der Brennnessel, ihrem Lieblingskraut. «Wenn die Brennnessel keine Stacheln hätte, wäre sie schon längst ausgerottet worden», sagt die Phytotherapeutin. Denn das Kraut sei sehr potent. «In der Wildnis könnte man bis zu drei Monate überleben, wenn man sich nur von ihr ernährt.»

Die Brennnessel schmeckt süss

Das liegt unter anderem am hohen Zuckergehalt. Die 44-Jährige streckt der Gruppe einige junge Stiele hin und fordert diese auf, man solle die Blätter von unten her gegen den Strich ausstreichen: Voilà, die Pflanze ist «entwaffnet», die Stacheln sind gebrochen.

Jetzt können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Blatt essen: Es schmeckt erstaunlich süss. Auch sonst entpuppt sich die Pflanze als vielseitig einsetzbar. In der Küche kann man sie als Ersatz für Spinat nutzen. Auch helfe sie – äusserlich angewendet – gegen Arthritis, sie setze entzündungshemmende Botenstoffe frei.

Zuletzt zeigt Zehnder auf ihr gehäkeltes Halstuch: Es ist aus Brennnesselfasern hergestellt. Die Gruppe staunt.

Hände halten Brennnesseln und ein Halstuch aus Brennnesselfasern.
Wer will, kann aus Brennnesselfasern sogar ein Halstuch häkeln.

Der Frühling sei die Zeit der Kraft, sagt Sarah Zehnder. «Die Natur hat es schlau für uns eingerichtet: Sie liefert uns rechtzeitig genau diejenigen Wirkstoffe, die wir brauchen, um nach einem langen Winter wieder in die Gänge zu kommen», sagt die Phytotherapeutin. Damit meint sie vor allem Bitterstoffe, welche der Leber bei der Entgiftung helfen.

Bitterstoffe gegen Frühjahrsmüdigkeit – direkt am Wegesrand

Sie zeigt auf den Bärlauch, der direkt am Strassenrand wächst. Die Bachgasse wird zwar nur von Anwohnern befahren, aber die 44-Jährige nimmt Bezug auf etwas anderes: «Hier könnte man schon Bärlauch sammeln, denkt einfach an mögliches Hundepipi und pflückt die Blätter besser weiter hinten», sagt sie schmunzelnd. Auch die Wildkräuterneugierigen lachen, denn eine Teilnehmerin hat sich schon ein Blatt in den Mund gesteckt.

Weiter vorne bleibt Zehnder an einem dreieckigen Wiesenstück an der Steigstrasse stehen. Die gelben Blüten des Löwenzahns leuchten. «Auch hier würde ich jetzt nichts pflücken», sagt die Kursleiterin. Es ist zu nahe an der mässig befahrenen Strasse.

Am Aabach entlang schlendern die Wildkräuterfans in Richtung Sportplatz Heusser-Staub-Wiese. Hier findet sich die Knoblauchsrauke. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dieses Kraut noch nie zuvor gesehen, geschweige denn gegessen. «Es eignet sich für Menschen, die Knoblauch und Bärlauch nicht vertragen», sagt Zehnder. Auch aus diesem satten Grün lässt sich ein leckeres, aber milderes Pesto herstellen.

In jedem Ricola ist Spitzwegerich drin.

Sarah Zehnder, Phytotherapeutin und Kursleiterin

Den Spitzwegerich direkt an der Fussballwiese erkennen wieder mehrere Leute aus der Gruppe. Vor allem diejenigen, die Kinder haben und oft in der Natur unterwegs sind. «Spitzwegerich wirkt wie ein Desinfektionsmittel. Leider brennt es ein wenig auf der Wunde.»

Man könne fast zuschauen, wie schnell eine Verletzung damit heile. Zehnder zeigt der Gruppe, wie man den Saft aus den Blättern presst. Es gelingt nur den wenigsten auf Anhieb.

Spitzwegerichsaft auf einer Hand.
Der Saft des Spitzwegerichs wirkt desinfizierend.

Zudem dient das Kraut als Hustenmittel. «In jedem Ricola ist Spitzwegerich drin.» Beim Essen wirkt es eher dumpf. Der Saft hinterlässt ein lähmendes Gefühl auf der Zunge, jedoch erinnert der Geschmack leicht an Champignon.

Wasabi neben der Fussballwiese

Eine grosse Überraschung für viele Teilnehmende ist der Genuss des Wiesenschaumkrauts, welches neben dem Spitzwegerich wächst. Die violetten Blüten schmecken nach Wasabi. Frisch, scharf und keck. Zehnder mahnt, jeweils nicht zu viel zu sammeln. «Nehmt nur so viel, wie Ihr auch essen könnt.» Man solle nicht die Gier walten lassen.

Der Hunger kommt beim Schauen

Langsam werden die Spaziergängerinnen und Spaziergänger hungrig. Vor allem dann, als die Phytotherapeutin noch vor der Gundelrebe – in der Schweiz auch Gundermann genannt – stehen bleibt. «Das Wildkraut passt gut zu Ziegenkäse, mit Zitrone und Pfeffer angereichert», sagt Zehnder.

«Unglaublich, welch reiches Buffet uns überall zu Füssen liegt und dass wir es gar nicht wahrnehmen», sagt eine Teilnehmerin am Ende des Spaziergangs inspiriert. Jetzt «gluschtet» es die Pflanzentouristen, mit den probierten Wildkräutern ein leckeres Menü zu kochen, sich an Brennnesselchips zu probieren oder wenigstens aus den neu entdeckten Kräutern einen Tee zuzubereiten.

Unterwegs mit Grünkraft

Die Kursleiterin Sarah Zehnder bietet Workshops für unterschiedliche Bedürfnisse an: kurze After-Work-Touren mitten in der Stadt, das Kochen von Salben oder längere Wanderungen in der Region. Man kann bei ihr auch eine individuelle Tour buchen.

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