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Der lange Marsch um den Flugplatz

Ein Besuch bei den Nachbarn, das ungewohnte Gefühl von Weite und ganz schön viel Grün: Eine zweistündige Wanderung rund um den Militärflugplatz bietet überraschende Eindrücke in einem kaum beachteten Stück Gegend.

Natürlich gibt es idyllischere Wanderwege – aber für einen echten Dübendorfer ist ein bisschen Stacheldraht kein Hindernis.

Fotos: Thomas Bacher

Der lange Marsch um den Flugplatz

Das Tor zur weiten Welt (1)

Das frühere Abfertigungsgebäude der Swissair auf dem Flugplatz Dübendorf.

Der Flugplatz Dübendorf war einst das Tor in die grosse, weite Welt. Ein Zeitzeuge ist das unter Schutz stehende Abfertigungsgebäude, in dem die Swissair ab 1932 ihren Passagierverkehr abwickelte. Wenn auch nur 16 Jahre lang. Danach zügelte der zivile Luftverkehr nach Kloten, seither wird das Gebäude militärisch genutzt. Eine bessere Einstimmung in den langen Marsch um den Flugplatz gibt es nicht.

Der lauteste Wanderweg (2)

Weg entlang der Autobahn.

Die ersten 600 Meter der Wanderung verlaufen ab dem Skyguide-Parkplatz respektive der Haltestelle Dürrbach auf dem vielleicht lautesten Spazierweg der Welt unmittelbar entlang der Autobahn. Mobilität hautnah erleben, könnte man das anpreisen. Natürlich wäre auch der Umweg über Wangen möglich, aber ehrlich: So viel Idylle hält ja kein Mensch aus. Zudem erscheint einem der Rest der Strecke später im Vergleich paradiesisch ruhig. Und wer zu zweit unterwegs ist, sich aber gerne mal anschweigt, ist hier ebenfalls gut aufgehoben; eine Unterhaltung ist nämlich unmöglich.

Ah, diese Weite… (3)

Blick auf den Flugplatz Dübendorf.

Nach der ersten Kurve breitet sich vor einem das grosse Nichts des Militärflugplatzgeländes aus; die Hangarhallen und Werkgebäude im Hintergrund sind weit weg und nur schemenhaft zu erkennen. Wir befinden uns hier übrigens auf dem Gemeindegebiet von Wangen-Brüttisellen. Östlich und südlich des Flugplatzes führt die Route weiter durch Volketswil und Schwerzenbach, der lange Marsch hat also durchaus etwas Völkerverbindendes.

In Reih und Glied (4)

Pflanzenkulturen in Reih und Glied neben dem Flugplatzareal in Wangen.

Bunte Kulturen bieten dem Auge etwas Abwechslung zum Grau-Beige des Flugplatzareals. Gerüchteweise soll es hier in der Gegend die besten Spargeln der Region geben, also nur während der Saison, natürlich. Und die ist jetzt vorbei.

Schön einsam (5)

Wanderweg zwischen Stacheldraht und Feldern.

Die Strecke zwischen Nato-Draht und Feldern hat einen speziellen Reiz. Hier ist man den Elementen vollkommen schutzlos ausgeliefert; im Sommer ist es brütend heiss, bei Bise bitterkalt. Und weil die Landschaft hier nicht sonderlich lieblich ist, begegnet man auch nicht allzu vielen Menschen.

Militärisches Sperrgebiet (6)

Hinweisschild Sperrgebiet und Wanderwegschild am Absperrzaun des Militärflugplatzes.

In regelmässigem Abstand wird darauf hingewiesen, dass der Flugplatz noch immer militärisches Sperrgebiet ist. Während des Kalten Kriegs war es strengstens verboten, das Gelände zu fotografieren. Wer sich damals zu lange in der Nähe der Absperrung aufhielt, bekam schnell einmal Besuch von einer Militärpatrouille. 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist es nicht mehr so leicht, unter Spionageverdacht zu geraten.

Hier muss man durch (7)

Wanderweg durch das Volketswiler Gewerbegebiet.

Discounter, Parkplätze, Autoverkäufer und Saunaclubs in Hegnau. Ja, auch das hier ist Teil des offiziellen Schweizer Wanderwegnetzes. In der Agglo gibt man sich halt auch schon mal pragmatisch, was Wanderrouten anbelangt.

Das Chrutzelried (8)

Das Chrutzelried ist ein kleiner Rest der einst ausgedehnten Moorgebiete im Glattal.

Kontrastprogramm nur ein paar Meter von der dicht befahrenen Zürichstrasse entfernt: das Chrutzelried – ein Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Es ist ein kleiner Rest der einst ausgedehnten Moorgebiete im Glattal. Aufgrund seiner isolierten Lage inmitten von Siedlungen, Gewerbegebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen war die Einzigartigkeit des Naturschutzgebiets noch vor wenigen Jahren bedroht. Mittlerweile wurde das Gebiet durch verschiedene Massnahmen regeneriert.

Die Lazariterkirche (9)

Lazariterkirche im Gfenn.

Die Lazariterkirche im Gfenn ist DER touristische Hotspot dieser Tour. Im 13. Jahrhundert erbaut, wird sie seit einer umfassenden Sanierung in den 1970er-Jahren als paritätische Kirche genutzt. Das unter eidgenössischem Denkmalschutz stehende Gebäude ist beliebt für Hochzeiten und kulturelle Veranstaltungen.

Der beste Aussichtspunkt (10)

Aussichtspunkt mit vier Bäumen im Sonnenberg-Quartier in Dübendorf.

Ganz oben angekommen ist man beim Aussichtspunkt Raubbüel, weiter rauf als 459 Meter über Meer geht es auf diesem langen Marsch um den Flugplatz nicht. Der Blick in die Ferne lohnt sich: Man schaut auf den Flugplatz, die grüne Drumlin-Landschaft im Osten, viele Felder und den Beginn des Dübendorfer Siedlungsgebiets mit dem Millionärshügel Sonnenberg. Der Blick auf den Boden ist meistens nicht so toll, da liegen immer irgendwelche Überreste von der letzten Grillparty.

Eine kleine Berühmtheit (11)

Die Sonnenbergstrasse.

Die Sonnenbergstrasse sieht unspektakulär aus, ist aber eine kleine Berühmtheit. Keine andere Strasse war in den letzten Jahren dermassen oft Thema im Dübendorfer Parlament. Dabei ging es entweder um Bauarbeiten, die Signalisation oder die Anordnung der Parkfelder. Oder um alles zusammen.

Geschützte Bauten (12)

Das Werkstattgebäude/Bogenhangar mit Baujahr 1922 am Rechweg.

Das Werkstattgebäude/Bogenhangar mit Baujahr 1922 am Rechweg ist im Kulturgüterschutzinventar mit nationaler Bedeutung eingetragen. Wie diverse andere Gebäude auf dem Flugplatz listet es die kantonale Denkmalpflege als Objekt von überkommunaler Bedeutung. Die Gegner des Innovationsparks kritisieren die geplante Überbauung des inneren Flugplatzrandes. Dabei stützen sie sich auf ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, das den Planern einen ungenügend schonenden Umgang mit dem Schutzobjekt Militärflugplatz Dübendorf attestiert.

Bereit für den nächsten Test (13)

Teststrecke auf dem Gelände des Innovationsparks.

Bei einem Spaziergang über das öffentlich zugängliche Gelände des Innovationsparks kann man immer mal wieder Tests live miterleben, etwa mit einen selbstfahrenden Elektroflitzer, der auch schon mal über die Abschrankung hinausschiesst. Die meisten Hangargebäude in dem Bereich werden bereits intensiv für die Forschung und Entwicklung genutzt.
 

Die Strecke
Reine Wanderzeit: 2 Std. 15 Min.
Distanz: 9,7 km
Aufstieg: 47 m
Start/Ziel: Parkplatz bei der Flugsicherung Skyguide bzw. Bushaltestelle Wangen, Dürrbach

Verpflegung/Rastplätze
A) Burger King/Tankstellenshop (Fastfood und Snacks)
B) Grillstelle im Wald
C) Restaurant Frohsinn 
D) Restaurant & Bar Smokin’ Mad 
E) Gleis 2 Bistro (Imbiss)
F) Restaurant Il Faro 
G) Chuchichäschtli (Café, Snacks)

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