Was eine Masterarbeit mit dem Coronavirus zu tun hat
Wenn ich zurzeit gerade nicht für den «Tössthaler» arbeite, bin ich damit beschäftigt, meine Masterarbeit endgültig abzuschliessen. In dieser untersuchte ich die Berichterstattung mehrerer Schweizer Zeitungen zu Beginn des Ukrainekonfliktes Anfang 2014.
In meiner Arbeit fand ich unter anderem heraus, dass damals in den Zeitungen fast ausschliesslich die gleichen westlichen Politiker zu Wort kamen. Stimmen aus der Ostukraine oder Russland wurden weitgehend marginalisiert, entsprechend verengte sich das Meinungsspektrum.
Während des Schreibens schweiften in den letzten Tagen meine Gedanken immer wieder in die Gegenwart ab. Plötzlich dachte ich: Wiederholt sich nicht gerade dasselbe mediale Phänomen, das ich mittlerweile seit mehr als einem Jahr am Beispiel des Ukrainekonfliktes studiert habe? Seit das Coronavirus vor rund einem Monat die Schweiz in rasantem Tempo erreicht hat, höre und lese ich ständig die gleichen Experten.
Die Meisten vertreten allesamt eine ähnliche, meist sehr gouvernementale Ansicht und warnen vor der kolossalen Gefahr des Virus – ähnlich wie 2014, als ständig vor Putin gewarnt wurde, der als die grösste Gefahr für die westlichen Demokratien gezeichnet wurde. Nun mag man einwenden: Die Berichterstattung über das Coronavirus und Putin kann man nun wirklich nicht vergleichen. Aber warum eigentlich nicht? (Rafael Lutz)

