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Lieber zum Automaten als zur Apotheke?

Am Bahnhof Wetzikon soll in Kürze ein Automat mit Gesundheitsartikeln aufgestellt werden. Beim Betreiber der Bahnhof-Apotheke in Wetzikon blickt man gespannt auf das neue Geschäftsmodell.

Selecta und die Versandapotheke Zur Rose testen Automaten mit Gesundheitsartikeln., Auch am Bahnhof Wetzikon soll demnächst ein solcher Automat aufgestellt werden.

Archivfoto: Nicolas Zonvi

Lieber zum Automaten als zur Apotheke?

Wer nach Ladenschluss einen Lippenbalsam benötigt oder vor der Wanderung noch rasch ein Blasenpflaster besorgen möchte, kann dies demnächst per Automat am Bahnhof Wetzikon tun. Dort wird der Automatenbetreiber Selecta eine «Apobox» aufstellen, befüllt mit 45 Drogerie- und Gesundheitsartikeln der Versandapotheke Zur Rose (wir berichteten).

Das Pilotprojekt findet zunächst an zehn Bahnhöfen mittelgrosser Ortschaften in der Deutschschweiz statt – neben Wetzikon in Brig, Brugg, Burgdorf, Dietikon, Kirchberg, Lenzburg, Sursee, Worblaufen und Zollikofen.

Apotheke vs. Automat

180 Meter Luftlinie vom Bahnhof Wetzikon entfernt befindet sich die Bahnhof-Apotheke. Sie gehört zur Dr. Bähler Dropa Gruppe mit Sitz in Zürich. Dem Schweizer Gesundheitsdienstleister gehören landesweit insgesamt rund 120 Apotheken und Drogerien an. Auch in Kirchberg und Lenzburg, wo ebenfalls «Apoboxen» getestet werden, ist die Gruppe präsent.

Der neuen Zusammenarbeit zwischen Selecta und Zur Rose sieht Johnny Schuler, Marketingleiter von Dr. Bähler Dropa, «gespannt» entgegen, wie er gegenüber dem ZO/AvU mitteilt.

Keine Sorge vor Konkurrenz

Die Automaten enthalten keine apothekenpflichtigen, sondern ausschliesslich frei verkäufliche Produkte. «Einen Grossteil davon bekommt man bereits heute beim Grossverteiler oder am Kiosk», sagt Schuler.

Zudem seien Kondome oder Schwangerschaftstests schon seit langer Zeit in Selecta-Automaten erhältlich. Sein Fazit: «Eine grosse Innovation ist das nicht.»

«Menschen mit Problemhaut wählen lieber den Gang in die Apotheke, wo sie entsprechend beraten werden.»

Johnny Schuler, Marketingleiter Dr. Bähler Dropa

Dass die Apoboxen eine ernstzunehmende Konkurrenz für Ladenapotheken darstellen, glaubt er nicht. Eher konkurrenzierten die Boxen den Detailhandel. «Menschen mit Problemhaut ziehen kaum nachts um elf eine Sonnencreme aus dem Automaten, sondern wählen lieber den Gang in die Apotheke, wo sie entsprechend beraten werden.»

Vom Nutzen der Beratung

Verteufeln will Schuler die Automaten nicht. Ein Grossteil der darin befindlichen Produkte würde schliesslich auch in Apotheken verkauft. «An deren Qualität habe ich keinen Zweifel. Aber in vielen Fällen ist eine Beratung durch eine Fachperson nützlich.»

Er denkt dabei etwa an Urin-Schwangerschaftstests, deren Verlässlichkeit vom Zeitpunkt der Anwendung abhänge, je nachdem, für welches Produkt sich die Kundin am Ende entscheide: «Auf solche wichtigen Punkte kann man in einem Beratungsgespräch hinweisen», sagt er.

Da ein Schwangerschaftstest schon in den bisherigen Selecta-Automaten verfügbar ist, wurde er nicht in das Erstsortiment der Apoboxen aufgenommen.

Apotheke ist leicht teurer

Ob sich die Automaten zu einem Verkaufsschlager entwickeln, kann Schuler nicht abschätzen. Allerdings gebe es an den gewählten Teststandorten häufig Grossverteiler mit attraktiven Öffnungszeiten. «Insofern bin ich gespannt, wie stark die Automaten genutzt werden.»

Was die von Zur Rose beworbenen «Dauertiefpreise» betrifft, sieht sich Schuler nicht unter Druck gesetzt. Es sei völlig legitim, wenn die Preise in den Automaten leicht unter denen in der Apotheke lägen. «Immerhin müssen die Betreiber keine Ladenmiete und kein Personal bezahlen.»

Tatsächlich ergibt eine Stichprobe, dass ein Grossteil der Produkte in der Bahnhof-Apotheke Wetzikon leicht teurer ist als in der Apobox (siehe Grafik).

«Wir prüfen bei jeder Innovation am Markt, ob sie einen Nutzen für unsere bestehenden oder künftigen Kunden bieten könnte.»

Johnny Schuler, Dr. Bähler Dropa

Andererseits, so Johnny Schuler, bekämen die Kunden in der Ladenapotheke durch die Beratung einen erheblichen Mehrwert geboten. «Dafür sind sie auch bereit, einen höheren Preis zu zahlen», ist der Marketingleiter überzeugt.

Trotzdem werde man das neue Geschäftsmodell von Selecta und Zur Rose genau beobachten. «Wir prüfen bei jeder Innovation am Markt, ob sie einen Nutzen für unsere bestehenden oder künftigen Kunden bieten könnte. Falls ja, ist nicht ausgeschlossen, dass wir sie adaptieren.»

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