Günstiger Wohnraum? Zu teuer für die Stadt
Leserbeiträge
Rahel Diesch, Effretikon
Ich bin enttäuscht über den Entscheid des Stadtparlaments, das Grundstück an der Grendelbachstrasse ohne jede Auflage für günstigen Wohnraum zu verkaufen. Noch vor wenigen Jahren war der politische Wille klar: Die Schaffung und der Schutz von preisgünstigem Wohnraum waren zentrale Ziele der Stadt. Umso unverständlicher ist die Kehrtwende, die nun offenbar einzig aufgrund der laufenden Initiative erfolgt – einer Initiative, die mit vorgeschobenen Argumenten einen einmaligen, möglichst lukrativen Verkauf erzwingen will.
Problematik bewusst?
Im Jahr 2020 erklärte derStadtrat: «Der Stadtrat ist sich der Problematik der Verdrängung von günstigem Wohnraum (…) bewusst. Er erachtet den gemeinnützigen Wohnungsbau mit dem Prinzip der Kostenmiete als gutes Mittel, auch Mietwohnungen im mittleren und günstigen Preissegment auf dem Markt zu haben.»
Und weiter: «… dies (ist) hauptsächlich dort möglich, wo die Stadt selbst Bauland besitzt.»
Genau dieses städtische Bauland wird nun veräussert – und zwar ohne jede verbindliche Auflage für preisgünstigen Wohnraum. Wer so handelt, verabschiedet sich faktisch von den eigenen wohnpolitischen Zielen.
Das ist kein Kompromiss
Die Stadt verkauft einesihrer letzten wohnpolitischen Steuerungsinstrumente –und das womöglich an rein renditeorientierte Bauträger, ohne jede Garantie für bezahlbaren Wohnraum. Das istkein Kompromiss, das ist ein Ausverkauf.
Zum Schaden aller
Und wofür? Für den Versuch, eine minimale Steuererhöhung zu umgehen, die für Durchschnittsverdienende kaum ins Gewicht fällt: rund 200 Franken pro Jahr bei einem steuerbaren Einkommen von 100 000 Franken für eine Einzelperson. Wer dafür den sozialen Wohnraum aufgibt, stellt kurzfristige Kassenlogik über langfristige Stadtentwicklung – zum Schaden aller.
Niemand verlangt, dass auf dem Grundstück nichts passiert. Aber wenn schon gebaut wird, dann bitte so, dass günstiger Wohnraum nicht von vornherein ausgeschlossen wird.
«Das Grundstück Alter Werkhof in Effretikon soll ohne Auflagen verkauft werden», Ausgabe vom 6. September